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Das erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Kernstudium

Das erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Kernstudium bietet die für den Beruf des Lehrers und der Lehrerin allgemein notwendigen Voraussetzungen und wird von den Disziplinen Erziehungs-
wissenschaft, Philosophie, Politikwissenschaft, Geschichte, Psychologie, Psychoanalyse und Soziologie interdisziplinär angeboten. Das Kernstudium wird nach Themenschwerpunkten, die auf das Berufsfeld der Lehrerin und des Lehrers zielen, studiert. Das Kernstudium bietet Grundkenntnisse im Horizont von Kindheit und Jugend, von Schule und Unterricht und deren Entwicklung an und thematisiert übergreifende politische, historische, kulturelle und philosophische Bezüge der Tätigkeit als Lehrer und Lehrerin. Insofern werden neben dem notwendigen Grundlagenwissen auch zentrale Gegenwarts- und Zukunftsfragen aufgegriffen. Innerhalb der Lehrerausbildung ist das Kernstudium der Ort, an dem Studentinnen und Studenten aller Stufen und Fächer zusammenkommen. Hier kann der Blick für stufenübergreifende Problemfelder von Erziehung, Bildung und Schule geöffnet werden. Zudem bietet das Kernstudium die Möglichkeit, Erfahrungen mit Formen des Lehrens und Lernens zu sammeln, die über die Grenzen einzelner Fächer hinausgehen.

Die thematischen Schwerpunkte und Rahmenthemen
Das Kernstudium soll darauf hinwirken, durch die praxisorientierte Vermittlung von Theorie auf ihre künftige Tätigkeit als Lehrerin oder Lehrer vorzubereiten. Es kann daher nicht in Form von isolierten Ausschnitten aus dem Fachangebot der pädagogischen Grundwissenschaften konzipiert werden. Alle Studieninhalte sind vielmehr - ausgehend von den Disziplinen Erziehungswissenschaft, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie, Psychoanalyse und Soziologie - in interdisziplinärer Orientierung auf die Sinn- und Praxiszusammenhänge zu beziehen, welche die schulische Bildungs-, Erziehungs- und Entwicklungsarbeit bestimmen. Das Kernstudium wird in vier thematischen Schwerpunkten studiert:

A - Bildung, Curriculum, Unterricht
Dieser thematische Schwerpunkt umfaßt Konzeptionen von Bildung, Erziehung und Unterricht in Geschichte und Gegenwart sowie im internationalen Vergleich. Es sollen theoretische Grundlagen und praktische Orientierungen gewonnen werden für das künftige unterrichtliche Handeln des Lehrers und der Lehrerin und für die Entwicklung der Fähigkeit, Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen Besonderheit zu verstehen, zu eigenständigem Lernen anzuregen und in ihren Entwicklungs- und Bildungsprozessen zu fördern. Wichtig ist auch, in die Theorie und Praxis von Prozessen des Lernens und Miteinander-Umgehens einzuführen, in denen die unterschiedlichen Befähigungen und soziokulturellen (auch ethnischen) Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt und für gemeinsames Arbeiten und Sich-Bilden produktiv werden können. In Auseinandersetzung mit Theorien des Unterrichts und der Lehrpläne gilt es, Kompetenzen zu entwickeln, um wirksame Lernprozesse - auch an außerschulischen Lernorten - gestalten, analysieren und bewerten zu können.

B - Sozialisation, Entwicklung des Individuums, Erziehung
Dieser Schwerpunkt beschäftigt sich mit den Theorien und empirischen Erkenntnissen zur psychischen und sozialen Entwicklung des Menschen in Vergangenheit und Gegenwart. Lehrerinnen und Lehrer brauchen wissenschaftlich fundierte Kenntnisse über die psychische und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Dazu gehören Kenntnisse zu grundlegenden Prozessen der Wahrnehmung, des Lernens, der Emotionen, des Denkens und des sozialen Handelns. Sozialisation und Erziehung werden vermittelt über Gruppen, Institutionen und Medien, deren zum Teil divergierende Bedingungen, Stile und Inhalte zu reflektieren sind. Schließlich sollte die Interaktion zwischen Individuum und gesellschaftlicher Umwelt auch als Spannungsverhältnis diskutiert werden.

C - Bildungssystem, Bildungsinstitutionen und Schulformen
Dieser Schwerpunkt soll ermöglichen, Schulen und beteiligte Bildungseinrichtungen als gesellschaftliche Institutionen zu betrachten, in denen das Zusammensein und Lernen von Kindern und Jugendlichen in lebensprägender Weise gestaltet wird. Bildungssysteme und Schulen sollen in bedeutsamen historischen und aktuellen Formen länderübergreifend studiert und im Hinblick auf ihre soziale Kultur und Bildungspraxis untersucht werden. Die Funktion, Organisation und Entwicklung von Schulen sowie der Zusammenhang zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem sollen durch Theorien interpretiert werden, welche sich mit sozialen und institutionellen Engführungen von Schulen und Bildungseinrichtungen kritisch auseinandersetzen und Interesse für die individuellen, integrativen und interkulturellen Dimensionen von Bildung erkennen lassen. Für konkrete Arbeit kommt der Beschäftigung mit schulischer Praxis, die produktiv auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren weiß, zentrale Bedeutung zu. An ihr können sich künftige Lehrerinnen und Lehrer auf ihre eigene Aufgabe der verantwortlichen Mitgestaltung und Weiterentwicklung von Einzelschulen vorbereiten.

D - Gesellschaftliche Entwicklung,
politische Systeme und philosophisches Denken

In diesem Schwerpunkt sollen Gegenwarts- und Zukunftsfragen gesellschaftlicher Entwicklungen (wie z. B. der Erhalt der Menschen- und Bürgerrechte, der Umgang mit der Natur, die Wirkungen moderner Technik oder die Organisation der Arbeit) im Mittelpunkt stehen. Genese und Strukturen politischer Herrschaft und gesellschaftlicher Macht sind in ihren Wirkungen auf Bildung und Schule zu untersuchen. Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit tangieren Bildungssysteme und Bildungsarbeit. Bildung ist nicht eindimensional als Instrument zur Beherrschung von Natur und Menschen zu sehen. Kulturelle Praxis als Entwicklung von Lebensformen und Lebensgestaltung sind angesichts der epochalen Individualisierung und der gesellschaftlichen Brüche neu zu denken. Hierbei hat die Philosophie und ihre Einsicht in geistes- und kulturgeschichtliche Zusammenhänge eine herausragende Bedeutung. Notwendig ist schließlich Offenheit gegenüber anderen Kulturen und ein Wissen von den internationalen Konflikten, weil alle Menschen in einer Welt leben. Nur durch die Kenntnis der historischen Entwicklung und die Analyse der gegenwärtigen Situation lassen sich Perspektiven für die Zukunft von Bildung und Erziehung gewinnen.

Schulstufenbezogene Inhalte
Im Studienangebot und im Studium sind auch schulstufenbezogene Inhalte für die Primarstufe, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II zu berücksichtigen. Von den 36 bzw. 32 SWS sind 10 SWS schulstufenbezogen zu studieren.
Studienordnung für das erziehungs- und gesellschaftliche Kernstudium.

Weitere Informationen: AG Kernstudium, Nora-Platiel-Str. 1, Raum 2220, 34109 Kassel, Tel. 0561/804-3718/3619

  Letzte Änderung: 2004-09-02
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