Cluster & Nanostrukturen

Prof. Dr. Frank Träger

Universität Kassel
Fachbereich 10 Naturwissenschaften & Mathematik
Institut für Physik
Heinrich-Plett-Str. 40 
34132 Kassel

+49 561 804-4500
+49 561 804-4518
traeger(at)physik.uni-kassel.de


PD Dr. Frank Hubenthal

Universität Kassel
Fachbereich 10 Naturwissenschaften & Mathematik
Institut für Physik
Heinrich-Plett-Str. 40 
34132 Kassel

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+49 561 804-4518
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Schmieden von Nanoteilchen mit Laserlicht

Professor Dr. Frank Träger befaßt sich am Institut für Physik des Fachbereichs Naturwissenschaften der Universität Kassel sowie am CINSaT mit der Herstellung und Analyse von Clustern und Nanostrukturen.

Wenn Frank Träger, Leiter des Center for Interdisciplinary Nanostructure Science and Technology (CINSaT) an der Universität Kassel, von seiner Arbeit berichtet, klingt das zunächst wie die Tätigkeitsbeschreibung eines Metallverarbeiters, eines Schmieds oder Goldschmieds. Träger schneidet Metallteile zurecht, sucht nach Wegen, sie so zu bearbeiten, daß sie einander in Form und Größe möglichst ähneln. Häufig sind seine Werkstücke aus Gold oder Silber. Aber die Metallteile, die er optimiert, bearbeitet er nicht mit Hammer und Amboß, spannt sie nicht zum Feilen in den Schraubstock ein. Träger arbeitet in der Nanowelt. Deren Strukturen sind zwischen einzelnen Atomen und Molekülen sowie der makroskopischen Welt angesiedelt. Ein Nanometer mißt „einmal zehn hoch minus neun Meter“.

Die möglichst homogenen Metallteilchen mit der Größe von wenigen Nanometern, die aus nur etwa 1000 Goldatomen bestehen, braucht Träger, um mit ihrer Hilfe Nanoschalter zu bauen, die sich mit Licht betätigen lassen, fälschungssichere Initialen aufzubringen oder Nanostrukturen ähnlich wie Rankgitter zu konstruieren, an denen sich Moleküle anbringen lassen, um etwa Strom im Nanomaßstab fließen zu lassen. Trägers Traum ist es, mit seiner Arbeit einen Beitrag zu einer künftigen molekularen Elektronik zu leisten, denn die heutige Halbleiterelektronik werde schon in sehr naher Zukunft an die Grenzen ihrer Miniaturisierung stoßen.

Gold- und Silbernanopartikel auf Quarzsubstraten
Manipulation der Größe von Gold- und Silber-Nanoteilchen mit Laserlicht, links, sowie Quarzplättchen mit einer dünnen Schicht von Gold- und Silber-Nanoteilchen, rechts. Die unterschiedlichen Farben resultieren aus verschiedenen Größen und Formen der Teilchen. Man erkennt bei einer Reihe der Proben die Veränderung der Farbe der Nanoteilchen – hervorgerufen durch Modifikation ihrer Dimensionen durch Bestrahlung mit Laserlicht. Die Farben der Proben zeigen auch eindrucksvoll den Unterschied zwischen „makroskopischer“ Materie und Nanostrukturen: Gold- und Silber-Nanoteilchen besitzen – abhängig von ihrer Größe und Form – ganz andere Farben als wir dies aus dem täglichen Leben von Gold und Silber kennen.
Größenmanipulation von Nanoteilchen

Gold ist nicht golden, Silber nicht silbern

Wer in Trägers Nanowelt eindringen will, muß umdenken. Stoffe aus der Makrowelt können sich in der Nanowelt in Abhängigkeit von ihrer Größe und Form ganz anders verhalten. Gold, das denkt ein jeder aufgrund seiner Alltagserfahrung, reagiere nicht mit anderen Stoffen, sei beinahe inert. Der Ehering bleibt stets sauber glänzend. Nichts haftet ihm an. Wenn Gold aber in Nanogrößen ins Spiel der Moleküle gebracht wird, kann es sehr wohl reagieren, sogar als Katalysator wirken. Dann ist Gold nicht golden, und Silber nicht silbern, sondern die Metalle schimmern in anderen Farben. Diese durch Größe und Form veränderten Eigenschaften der Metalle machen sich die Wissenschaftler zu nutze. Träger will passende, maßgeschneiderte Werkstoffe, Nanomaterialien, zur Verfügung stellen.

Im Ultrahochvakuum bringen die Nanowissenschaftler die Materialien, die sie bearbeiten wollen – meist Metalle oder Silizium – auf dünne Plättchen aus Quarz, Saphir oder Glas, Substrat genannt, auf. Dazu werden diese Materialien auf etwa 1000 Grad Celsius erhitzt, so daß sie verdampfen. Der heiße Atomstrahl wird auf das Substrat gerichtet. Dort diffundieren die Atome nach ihrer Landung über die Oberfläche und lagern sich zu Nanoteilchen zusammen. Dieser Prozeß verläuft zufällig, die entstehenden Nanoteilchen besitzen unterschiedliche Größe und Form.

Lichtpulse verdampfen die Atome

Nun greift Träger zum Laser, um größenselektiv Energie in den Teilchen zu deponieren. Er wählt die Wellenlänge – also die Farbe – des Lichtes passend zur Größe der Nanoteilchen, die er bearbeiten will.  Denn jedes Nanoteilchen hat, in Abhängigkeit von seiner Größe, eine bestimmte Resonanzfrequenz. Diese gilt es zu treffen, denn nur dann wird Licht absorbiert. Dadurch geraten die Elektronen in kollektive Schwingungen, sie oszillieren im Gleichtakt, allerdings nur wenige Femtosekunden lang. Vom Licht des Laserpulses bestrahlt werden zwar alle Nanoteilchen auf der Oberfläche, es sprechen aber nur jene an und absorbieren Licht, deren Resonanzfrequenz exakt getroffen wird. Dann beginnt die Umwandlung der in den Nanoteilchen größenselektiv deponierten Lichtenergie in Wärme. Die Temperatur steigt, Atome dampfen ab. Die Nanoteilchen schrumpfen, wobei sich ihre Gestalt – dem thermodynamischen Idealzustand der Kugel zustrebend – allmählich verändert.

Der Laserstrahl als Werkzeug

Abbildungen von Silber-Nanoteilchen mit einem Rasterkraftmikroskop
Abbildungen von Silber-Nanoteilchen mit einem Rasterkraftmikroskop vor (links) und nach (rechts) Bestrahlung mit Laserlicht. Man erkennt deutlich, daß die Nanoteilchen bezüglich ihrer Größe sehr viel ähnlicher geworden sind. Die Bildausschnitte besitzen eine Größe von 120 mal 120 Nanometern, die maximale Höhe der Teilchen beträgt ca. 5 nm.

Mit dem Laserstrahl als Werkzeug werden zunächst mit einer ersten Farbe des Lichts die zu großen Nanoteilchen auf die gewünschte Größe, zum Beispiel 3 nm, zurecht „geschmiedet“. Anschließend heizen Lichtpulse einer zweiten Farbe und Wellenlänge die zu kleinen Teilchen selektiv so stark auf, daß sie vollständig verdampfen und so von der Oberfläche entfernt werden. Das dazu eingesetzte Lasersystem muß besondere Eigenschaften besitzen: es erzeugt sehr hochenergetische Pulse aller Farben beziehungsweise Wellenlängen, die von ultraviolettem über sichtbares bis hin zu infrarotem Licht reichen. Sein Einsatz schafft schließlich Nanoteilchen, die sich in Größe und Form äußerst ähnlich sind.

Nanoteilchen als Ankerpunkte

Auf einer solchermaßen homogenisierten Oberfläche lassen sich nun die Nanoteilchen als Ankerpunkte verwenden, beispielsweise um längere Molekülketten zwischen ihnen aufzuspannen und so räumlich ausgedehnte Nanostrukturen zu erzeugen. Umgekehrt nutzen Träger und seine Arbeitsgruppe außer Laserlicht auch Selbstorganisationsprozesse, um ultradünne hochgeordnete Filme herzustellen. Solche Architekturen sind in vielfältiger Weise anwendbar. Sie werden bereits erfolgreich zur Passivierung von Oberflächen, als Resistmaterial in der Nanolithographie, in der Katalyse und in der Sensorik eingesetzt.
Künftige Anwendungen liegen in der Datenspeicherung auf molekularer Ebene und der Nanoelektronik.

Entscheidend für eine erfolgreiche Präparation solcher Architekturen ist die Wahl geeigneter Moleküle. Als gut geeignet erwiesen sich Ligandenmoleküle, die in der Arbeitsgruppe „Metallorganische Chemie“ der Universität Kassel entworfen und synthetisiert wurden. Sie sind starr aufgebaut und verfügen über eiffelturmartige, tripodale Ankergruppen. Diese Thioether-Anker binden mittels drei schwefelhaltiger Gruppen auf Goldsubstraten. Solche Verbindungen werden mit verschiedenen funktionellen Einheiten versehen, zum Beispiel Biphenyl für lithographische Anwendungen oder auch redox-aktives Ferrocen, welches in der Sensorik und der Datenspeicherung Anwendung finden kann.

Argon-Ionen-Laser
In der Arbeitsgruppe „Experimentalphysik I“ werden Laser sowohl zur Manipulation, d. h. zum „Zurechtschneidern“, von Nanostrukturen wie auch zu deren Analyse, u. a. mit optischer Frequenzverdopplung, verwendet. Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt der Strahlführung eines Argon-Ionen-Lasers.
Film mit Tripodverankerung auf einer Goldoberfläche
Schematische Darstellung ultradünner, starrer und dichtgepackter Filme mit Tripodverankerung auf einer Goldoberfläche.

Erst das Können macht den Meister

Blick auf ein Rasterkraftmikroskop in einer  Ultrahochvakummapparatur
Blick auf ein Rasterkraftmikroskop in einer Ultrahochvakummapparatur. Mit Hilfe dieses Instruments können Nanoteilchen abgebildet und die Veränderungen ihrer Dimensionen bei Einstrahlen von Laserlicht nachgewiesen werden. Im Hintergrund erkennt man einen Mitarbeiter der Arbeitsgruppe „Experimentalphysik I“, Dr. Christian Hendrich.

Das in der Beschreibung so schlicht und einfach klingt, ist in der Wirklichkeit des Forschungslabors das Ergebnis eines langwierigen Prozesses, dessen Planung nicht nur vieler Überlegungen bedarf, sondern auch des langen Experimentierens. So, wie ein Schmied oder ein Goldschmied über Jahre sein Können durch Erfahrung perfektioniert, so müssen auch die Kasseler Wissenschaftler am Erfolg intensiv arbeiten und eine breite Palette von Methoden und experimentellen Verfahren einsetzen. Daß sie sich in der Nanowelt trainieren und dabei zur Weltspitze zählen, macht die Sache nicht leichter. Bis die Versuchsanordnung steht, die Werkzeuge und Apparate montiert und so justiert sind, daß ein homogener Film von Nanoteilchen oder eine andere hochgeordnete Nanoarchitektur hergestellt ist, vergehen oft Monate, sogar Jahre.

Autor: Claus-Peter Müller - v. d. Grün