S1: Benutzungsschnittstelle

Ziel des Teilprojekts S1 ist es, aufgaben- und benutzungsgerechte Mensch-Maschine-Schnittstellen bei situativen ubiquitären Systemen zu gewährleisten. Anders als in der klassischen Mensch-Computer-Interaktion erfolgt die Interaktion nicht nur mit expliziten Kommandos über Tastatur, Zeigegerät und Feedback an einem Bildschirm, sondern über spezialisierte Schnittstellen, bei denen auch passive Objekte eine implizite Interaktion auslösen können, was dem Nutzer möglicherweise nicht unmittelbar offensichtlich ist. Auch die Adaptivität ist für den Benutzer u.U. gewöhnungs- und erklärungsbedürftig.

Die neuen ergonomischen Anforderungen an die Benutzungsschnittstellengestaltung erfordern die Analyse, Gestaltung und Evaluation-möglichst gebrauchstauglicher Systeme für heterogene Benutzergruppen auch ohne technischen Hintergrund.

In einem modellbasierten anthropozentrischen Ansatz werden in diesem Teilprojekt die drei Bereiche Aufgaben, menschliche Einflussfaktoren (Human Factors) und Umgebungsbedingungen integriert betrachtet. Bei den zu erfüllenden Aufgaben werden zunächst Sachprobleme und mögliche Lösungswege (z.B. individuell vs. kooperativ) und technischer Unterstützungsbedarf in Kooperation mit den T-Projekten erhoben und abgebildet, um dann daraus auf einer abstrakten Stufe mögliche Informationsbedarfe und Handlungen abzuschätzen und im dritten Schritt das Sachproblem mit der Interaktionsaufgabe abzustimmen. Damit soll die aufgabenbezogene Utilität der technischen Systeme sichergestellt werden.

Bei den menschlichen Einflussfaktoren soll als zentrales Ergebnis dieses Teilprojekts ein Benutzermodell für ubiquitäre Systeme entwickelt werden, das interpersonellen Unterschieden (z.B. durch Altersdifferenzierung) und intrapersoneller Variabilität (z.B. durch unterschiedliche Erfahrungen des Benutzers mit dem System) Rechnung trägt. Dazu werden Kategorien und Wertebereiche perzeptiver, kognitiver und motorischer Fähigkeiten für die Interaktion abgeleitet, Wissen, Erfahrung und Gewohnheiten des Benutzers im Modell aufgegriffen und im Sinne des arbeitswissenschaftlichen Belastungs-Beanspruchungskonzepts der Benutzerzustand (z.B. physisch, kognitiv, emotional) integriert.

Hinsichtlich der Umgebungsbedingungen sind für die Ergonomie die physikalischen Faktoren (wie Lärm, Licht, Temperatur) zu modellieren und für die Interaktion zu berücksichtigen (z.B. welche menschliche Modalität wird in welchem situativen Kontext angesprochen). Zu den Umgebungsbedingungen zählen aber auch die vorhandene technische Infrastruktur (z.B. Daten- und Sensornetz, Energieversorgung) und die Lokation von Geräten und Personen.

Analyse und anthropozentrische Modellierung, prototypische Umsetzung und experimentelle Untersuchung der beschriebenen Aspekte sollen letztlich als Gesamtergebnis des Teilprojekts S1 empirisch abgesicherte Gestaltungsregeln für die Benutzungsschnittstellen und die Interaktion mit situativen ubiquitären Systemen liefern, so dass diese aufgabenangemessen und für den individuellen Benutzer ergonomisch und gebrauchstauglich sind.