S2: Vertrauen

Vertrauensbildung ist von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz und somit den wirtschaftlichen Erfolg von situativen ubiquitären Systemen. Die Erhebung und Speicherung der für technische Wissensentdeckung benötigten Daten, der automatisch erfasste Kontext sowie sich unsichtbar und automatisch anpassende Systeme sind für den Benutzer neuartig und daher unter Umständen verunsichernd. Aus diesem Grund müssen bei der Entwicklung von situativen ubiquitären Systemen von Anfang an vertrauensunterstützende Komponenten zur späteren Akzeptanzförderung in die Technikgestaltung miteinbezogen werden und entsprechende Methoden, Modelle und Konzepte zu deren Gestaltung entwickelt werden.

Im Teilprojekt S2 wird hierfür ein Theory-Driven-Design-Ansatz nach Briggs gewählt. In der ersten Phase des Teilprojektes werden zentrale Ursache-Wirkungs-Mechanismen für die Vertrauensbildung in ubiquitär vernetzten Systemen erforscht, die auch auf die  entsprechenden Mechanismen und Konzepte zur Gestaltung von Geschäfts-, Service- und Betreibermodellen eingehen.

Zuerst werden auf Basis explorativer Analysen Determinanten der Vertrauensbildung in Austauschbeziehungen in situativen ubiquitären Systemen identifiziert und ihre Abhängigkeiten modelliert.

In einer zweiten Phase werden diese Modelle empirisch getestet. In der dritten Phase des Teilprojektes werden aus den erforschten Hypothesen Konzepte, Modelle und Methoden zur Entwicklung vertrauensunterstützender Komponenten entwickelt und konkrete Gestaltungsrichtlinien für ubiquitär vernetzte Systeme erarbeitet. Im Rahmen der Demonstra¬toren von VENUS wird evaluiert, ob sie sinnvoll umgesetzt und implementiert sind und ob die entwickelten vertrauensunterstützenden Komponenten auch tatsächlich zur Vertrauensbildung geführt haben.

Der Ansatz, direkt aus empirisch erprobten Theorien zur Vertrauensbildung Gestaltungsoptionen und Entwurfsricht­linien für Vertrauen in selbst-adaptiven UC-Systemen abzuleiten und empirisch zu testen, führt zu weitergehenden Forschungsfragen:

  • Wie verändern sich Vertrauens-beziehungen und der Vertrauens-bildungsprozess bei sich wandelndem Kontext, wenn der Großteil der Interaktionen automatisiert und im Hintergrund abläuft, die dem Benutzer als Vertrauensgeber nicht mehr direkt zugänglich sind?
  • Ist Vertrauen ein konstantes Phänomen oder kann es „gewartet“ werden?
  • Wie können vertrauensunterstützende Komponenten für spezifische ubiquitäre Anwendungen entwickelt werden?
  • Wie kann dies in die Entwicklung von ubiquitären Systemen integriert werden?
  • Können verallgemeinerbare Patterns für die Vertrauensunterstützung von ubiquitären Systemen abgeleitet werden?
  • Was sind mögliche Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Prozesse?
  • Wie unterscheidet sich das Vertrauensverhältnis zum Service Provider (oder mehreren) von den  Vertrauens-verhältnissen zu anderen Endbenutzern?
  • Was sind mögliche Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Prozesse?