M2: Designmethoden

Die Gestaltungsthemen sind in enger Kooperation zwischen den Disziplinen Informatik, Wirtschaftsinformatik, Recht und Ergonomie so zu bearbeiten, dass am Ende Vorschläge zur vertrauenswürdigen, rechtsadäquaten und nutzergerechten Gestaltung von selbst-adaptiven Anwendungssystemen für das UC vorliegen. Neben der Erstellung domänenspezifischer Modelle der Anwendung in den einzelnen Disziplinen, die als Ausgangspunkt für die Implementierung dienen, sind dabei vor allem zwei Transferleistungen zu erbringen, nämlich zum einen der Transfer von normativen Konzepten zu technischen Zielen und Vorschlägen und zum anderen zugleich die „Übersetzung“ von Bewertungen aus der Sprache der Wirtschafts-, Rechts- und Verhaltenswissenschaft in die Sprache der Informatik.

Hierfür hat sich in vielen Forschungs- und Entwicklungsprojekten die Methode zur Konkretisierung rechtlicher Anforderungen (KORA) bewährt. Sie verfolgt das Ziel, die Divergenz zwischen sehr allgemeinen und unspezifischen rechtlichen Vorgaben und konkreten technischen Gestaltungshinweisen zu überbrücken. Sie erreicht dies in einem vierstufigen Begründungs- und Übersetzungsprozess. In einer ersten Stufe werden aus verfassungs- und einfachrechtlichen Vorgaben bezogen auf die spezifischen Chancen und Risiken der betreffenden Technik grundlegende rechtliche Anforderungen abgeleitet. Aus diesen Anforderungen können im zweiten Schritt Kriterien zur Bewertung und Gestaltung der zu betrachtenden technischen Systeme gewonnen werden, indem danach gefragt wird, welche Kriterien diese Techniksysteme erfüllen müssen, um die im ersten Schritt definierten Anforderungen zu erfüllen. Während Anforderungen und Kriterien in der Sprache des Rechts beschrieben werden, erfolgen die Schritte drei und vier in der Sprache der Technik. Im dritten Schritt werden zusammen mit Informatikern diese rechtliche Anforderungen und Kriterien zu Gestaltungszielen konkretisiert, indem von der Technik her nach den Elementarfunktionen gefragt wird, die die Leistungsmerkmale des Techniksystems erfüllen müssen, um kriteriengerecht zu sein. Schließlich werden in einem letzten Schritt exemplarische technische und organisatorische Gestaltungsvorschläge abgeleitet, die diese technischen Ziele erfüllen.

KORA bietet eine strukturierte Vorgehensweise, um für jeden nachvollziehbar und daher auch für alle diskutierbar von allgemeinen normativen Vorgaben zu umsetzbaren Gestaltungsvorschlägen zu gelangen. Sie kann dadurch als gemeinsames  Brückenkonzept zwischen den Disziplinen der Informatik und der Rechtswissenschaft wie auch in anderen Disziplinen angewendet werden und soll in VENUS die methodische Lücke zwischen den normativen Anforder-ungen von Recht, Ergonomie und Ökonomie und der Gestaltung von Informatiksystemen schließen.

Demzufolge wird KORA in M2 zu einer die Ansätze von Leimeister und Schmidt umfassenden „Methode zur Konkretisierung normativer Anforderungen zu technischen Gestaltungsvorschlägen“ fortentwickelt und mit den Methoden des Requirements Engineering abgeglichen. Untersucht werden

  • die Schnittstellen und die Verwebung des technischen Entwurfsprozesses mit den Konkretisierungsstufen von KORA,
  • die Verknüpfungsmöglichkeiten von KORA mit den Methoden des Requirements Engineering,
  • die Übertragbarkeit des Vorgehens auf die Konkretisierung abstrakt formulierter ergonomischer Kriterien (wie Aufgabenangemessenheit, Selbsterklärungsfähigkeit, Steuerbarkeit) und die Untersuchung der Analogie zur Methodik des benutzerzentrierten Designs, die in multidisziplinären Teams angewendet werden kann,
  • die Übertragbarkeit der Konkretisierungsstufen von KORA auf die Konkretisierung der Ziele des Rechts, der Vertrauensbildung und der Ergonomie mit besonderem Augenmerk auf der Beschreibung von Anforderungen und Kriterien,
  • die strukturellen Übereinstimmungen in diesen Zielen und deren Auswirkungen auf die Methodenbildung.