M4: Evaluierungsmethoden

Das Ziel der interdisziplinären Technikgestaltung sind möglichst frühzeitige Gestaltungsvorschläge, um technische Sachzwänge zu vermeiden. Gelingt dies, gerät die Evaluation der Gestaltungsvorschläge allerdings in eine paradoxe Situation: Sie soll eine Technikanwendung evaluieren, die es noch gar nicht gibt. Sie benötigt eigentlich Erfahrung mit der zu gestaltenden Technik, um deren Folgen erkennen und beurteilen zu können. Dies ist aber nicht möglich, weil der Technik ihre technische und organisatorische Einbettung sowie ihre Anwendungsmöglichkeiten noch fehlen. Außerdem müssten mit der Technik Erfahrungen – wie etwa mit Technikversagen – gemacht werden, die durch entsprechende Gestaltungen gerade vermieden werden sollen.

Einen Lösungsansatz stellt die Simulationsstudie dar, mit der dieses Dilemma durch eine realitätsnahe, aber geschützte Umgebung umgangen wird. Spätere echte Benutzer erproben Demonstra¬toren unter simulierten, aber realitätsgerechten Bedingungen anhand von spezifischen, gestaltungs- oder regelungsrelevanten Testfällen, um daraus Gestaltungsvorschläge abzuleiten.  

Simulationsstudien sind ein Instrument, um Erfahrungen in (beinahe) Echtsituationen mit technikvermittelter sozialer Vernetzung zu gewinnen. Sie können von allen Disziplinen genutzt werden, die an der Gestaltung technisch-sozialer Vernetzung arbeiten. Jede Simulationsstudie ist polivalent. Sie kann jedem Erkenntnisse vermitteln, der sie und ihre Teilnehmer beobachtet, interviewt und mit ihnen diskutiert. Bei den bisherigen Simulationsstudien haben neben Juristen und Informatikern meist auch Arbeitswissenschaftler und Psychologen sie für ihre Erkenntnisziele genutzt. In M4 ist die Methode der Simulationsstudie für die Gestaltungsziele von VENUS fortzuentwickeln. Untersucht werden hierfür konkret

  • die Nutzungsmöglichkeiten und Grenzen von Simulationsstudien für die notwendige Erfahrungsgewinnung in den einzelnen Disziplinen,
  • die Anforderungen an die Fallgestaltungen, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen,
  • die Anforderungen an prototypische Teilrealisierungen, z.B. von Benutzungsschnittstellen, um diese simulativ untersuchen zu können,
  • die Anforderungen an die Demonstratoren (Funktionen, Oberfläche, Vernetzung, Umgebung),
  • der Erweiterungs- oder Modifikationsbedarf, um die Evaluationsmöglichkeiten zu optimieren,
  • der Bedarf an ergänzenden Evaluationsmethoden und -schritten,
  • das Verhältnis von Simulationsstudien zu anderen Evaluationsmethoden und Methoden des Usability Engineerings wie Pilot- und Feldtest, Planspiel, Praxistest, partizipative Technikgestaltung, Computersimulation oder Gedankenexperiment und deren komparative Vor- und Nachteile.

Bezogen auf einen der Demonstratoren wird im Arbeitsbereich 3 eine Simulationsstudie vorbereitet, durchgeführt und ausgewerte