Ringvorlesung WS 2018/2019:
Digitale Gesellschaft - eine Gestaltungsaufgabe

Das Wissenschaftliche Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG)  der Universität Kassel veranstaltet im Wintersemester 2018/2019  in Kooperation mit der Gesellschaft für Informatik (GI) eine Ringvorlesung, welche die Dimensionen der Gestaltung einer digitalisierten Gesellschaft zum Thema hat.
Die einzelnen Vorlesungen beginnen in der Regel mittwochs um 17.00 Uhr, bis auf den Dienstag, 20. November, Beginn 18:00 Uhr. Veranstaltungsort ist der Konferenzraum des ITeG (Raum 0420, Pfannkuchstraße 1, 34121 Kassel). Themen und Kurzfassungen zu den Vorträgen finden Sie hier.

31.10.2018 Prof. Dr. Günter Maier, Universität Bielefeldt
„Digitalisierte Arbeit: Psychologische Folgen und Gestaltungsempfehlungen“

  Seit einigen Jahren findet insbesondere in Deutschland eine zunehmend intensive Auseinandersetzung mit diversen technologischen Veränderungen in der Industrie statt, die mit der Bezeichnung Industrie 4.0 verbunden wird. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um eine verbreitete Metapher, mit der heterogene technologische Entwicklungen für die Industrie verbunden werden. Nach der ersten Beschäftigung mit der technologischen Entwicklung hat mittlerweile auch die Auseinandersetzung mit den möglichen Folgen für die Arbeitsprozesse und die Beschäftigten begonnen. Diese Auseinandersetzung stützt sich meist auf den soziotechnischen Systemansatz. In diesem Vortrag werden insbesondere drei Themen der Digitalisierung der Arbeit aus laufenden Projekten behandelt, die sich mit kurz- und längerfristigen Folgen der Digitalisierung auseinandersetzen. Im Einzelnen wird es um Fragestellungen und Ergebnisse zur Akzeptanz der digitalen Technologie, Fragen der Arbeitsgestaltung mit digitaler Technologie und um Fragen gehen, die sich mit der möglichen Veränderung von Kompetenzen durch digitale Technologie beschäftigt. Abschließend werden mögliche Chancen und Risiken der digitalen Technologie diskutiert.

Hier finden Sie die Vortragsfolien.
20.11.2018 Achtung Dienstag, Beginn 18 Uhr
Prof. Dr. Martin Eifert, HU Berlin
„Regulierung sozialer Netzwerke: NetzDG als Sündenfall oder leuchtendes Beispiel?“

  Das Internet hat (auch) den Kommunikationsraum tiefgreifend verändert. Soziale Medien bilden einen wichtigen neuen Raum unmittelbaren Austauschs von Nutzern, haben aber auch Dynamiken freigesetzt, die Voraussetzungen konstruktiver Diskussionen in Frage stellen und Rechtsgüter verletzen. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das seit dem 1.1. 2018 anzuwenden ist und den Betreibern sozialer Netzwerke Pflichten auferlegt, bildet den gesetzgeberischen Versuch, Verletzungen von Rechtsgütern in sozialen Netzwerken zu verhindern. Seit dem ersten Entwurf wird es heftig verfassungsrechtlich und europarechtlich kritisiert. Im Zentrum steht der Vorwurf, das Gesetz führe absehbar zu überschießenden Löschungen von Beiträgen durch die Betreiber und verletze deshalb die Meinungsfreiheit. Zwei Bundestagsabgeordnete haben Klage vor dem VG Köln mit dem Ziel eingereicht, eine Klärung durch das Bundesverfassungsgericht herbei zu führen. Der Vortrag fragt danach, ob das NetzDG in diesem Sinne einen Sündenfall der Netzwerkregulierung ist oder ob es einen grundsätzlich richtigen Weg beschreitet. Entgegen der breiten Kritik wird dafür plädiert, den Weg des NetzDG grundsätzlich weiter zu gehen und auszubauen.
12.12.2018 Prof. Dr. Steffen Staab, Universität Koblenz
„Web Science, now more than ever: Fallstudien zur politischen Kommunikation in sozialen Medien“

  Web Science ist ein Forschungsfeld, dass sich damit befasst, wie Menschen in großen soziotechnischen Systemen, wie dem World Wide Web, zusammenarbeiten und miteinander umgehen. Hierfür muss man die Interaktion von Mensch und Technik verstehen und die Art und Weise wie Gesellschaft und Technologie sich gegenseitig ko-konstitutieren. Um dieses Verständnis zu erreichen, bedarf es einer trans-disziplinären Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und den multi-methodischen Zugang zu Problemen und Möglichkeiten, die sich durch das Web und ähnliche Systeme ergeben. Beispielhaft genannt seien einerseits Probleme wie Missinformation im Web, andererseits Möglichkeiten, wie die Entwicklung eines kollaborativen, intelligenten Webs. Illustriert wird unser Ansatz zu Web Science durch Forschungsbeispiele zur Partizipation. Sowohl anhand von Data Science-Studien der Liquid Democracy Plattform der Piratenpartei als auch anhand von Umfragen zum Einsatz von Partizipationswerkzeugen bei den Grünen / Bündnis 90 stellen wir fest, dass die reale Nutzung von Werkzeugen nicht immer den Erwartungen der Teilnehmer entspricht. Im Ausblick gehen wir auf zwei aktuelle Projekte ein, die sich mit der Beobachtung sozialer Medien in der politischen Kommunikation von Eliten bzw. der Beobachtung und dem Umgang mit Missinformation auseinandersetzen.
23.01.2019 Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz, TU Braunschweig
„Von der Hand in den Kopf in die Stadt: Digitale Partizipation zur Gestaltung von Lebensräumen“

  Von der Hand in den Kopf in die Stadt: So können sich zukünftig Bewohner über eine digitale Plattform und mit vielen Aktivitäten an der Gestaltung ihres Lebensraums in der Stadt beteiligen. Dies gelingt mit einem geschickten Partizpationsdesign, das motiviert und zu gemeinsamen Ideen und ihrer nachhaltigen Umsetzung anspornt. Hand-Kopf-Stadt lässt jeden selbst Hand anlegen, fördert das Wissen über Möglichkeiten besseren Zusammenlebens (Kopf) und führt so zu gemeinsam gestalteten Plätzen, Gärten, Räumen aber auch Festivals, Konzerten oder Konzepten für mehr Nachhaltigkeit. Praktisch erprobt ist das Konzept als Projekt „Sandkasten – self-made campus“ an der Technischen Universität Braunschweig.
13.02.2019 Prof. Dr. Steffen Mau, Humboldt-Universität zu Berlin
„Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen.“
  Ob Bildung, Gesundheit oder Konsum: Über so ziemlich jeden Aspekt unserer Person und unseres Verhaltens werden inzwischen Daten gesammelt. Schritt für Schritt entsteht so eine Gesellschaft der Sternchen, Scores, Likes und Listen, in der alles und jeder ständig vermessen und bewertet wird. Das beginnt beim alljährlichen Hochschulranking, reicht über die Quantified-Self-Bewegung fitnessbegeisterter Großstädter, die über das Internet ihre Bestzeiten miteinander vergleichen, bis hin zur Beurteilung der Effizienz politischer Maßnahmen. Der Vortrag diskutiert die Techniken und Technologien dieser Soziometrie vor dem Hintergrund der Digitalisierung und neuer Formen der Datenextraktion. Die Bewertungssysteme der quantifizierten Gesellschaft, so sein zentraler Gedanke, bilden nicht einfach die Ungleichheiten in der Welt ab, sondern sind letztlich mitentscheidend bei der Verteilung von Lebenschancen.