Qualitätssicherung von Studium und Lehre durch Akkreditierungs- und Evaluationsverfahren

BMBF.Logo und Text: Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PY13017  gefördert.
Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PY13017 gefördert.

Verfahren der externen und internen Qualitätssicherung von Studium und Lehre werden in Deutschland weiterhin kontrovers diskutiert. Dies liegt u. a. an geringen Erkenntnissen über den Zusammenhang von externer und interner Qualitätssicherung in Verbindung zu Steuerung und Qualität von Studium und Lehre. Zwar werden Studiengänge seit 2001 und Hochschulen seit 2009 akkreditiert und beides schon viel länger evaluiert, dennoch existiert wenig bis kein wissenschaftlich gesichertes Wissen zu den Innovationen, welche die Qualitätssicherung von Studium und Lehre hervorbringt: weder bezüglich der Qualität noch bezüglich der hochschulinternen und -externen Steuerung von Studium und Lehre.

Im INCHER-Projekt „Qualitätssicherung von Studium und Lehre durch Akkreditierung und Evaluation“ werden mit Akkreditierung (Programm- und Systemakkreditierung) und Evaluation (Studiengangevaluation und institutionellen Audits/Hochschulevaluationen) die gängigsten Verfahren der externen Qualitätssicherung von Studium und Lehre abgedeckt. Darüber hinaus werden studiengang- und organisationsbezogene Verfahren der internen Qualitätssicherung sowie deren Steuerungsmechanismen untersucht.

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Bisher sind folgende Arbeiten abgeschlossen (Stand: Januar 2016):

Interviews zum Entstehen und zur Entwicklung des Akkreditierungs- und Evaluationswesens in Deutschland
65 Interviews mit Vertreter/inne/n von Hochschulpolitik (Kultusministerkonferenz, für Hochschulen zuständige Bundes- und Landesministerien), Akkreditierungsrat, Akkreditierungs- und Evaluationsagenturen, Vertreter/innen der Hochschulrektorenkonferenz, besonders involvierte Professor(inn)en, Studierendenvertreter/innen, Vertreter/innen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer/innenorganisationen

Befragung von Gutachter/inne/n

  • Fragebogenerhebung mit 46% Rücklauf (n = 2704)
    • Auswertung im Gang
    • Manuskript in Vorbereitung

Untersuchung Akkreditierungsagenturen

  • Interviews mit in der Regel drei Vertreter/inne/n aller zehn vom Akkreditierungsrat zugelassenen Agenturen
  • Dokumentenanalyse und Organisationsanalyse
  • Dissertation Janosch Baumann zu Wettbewerb von Agenturen

Teilnehmende Beobachtung bei Akkreditierungs- und Evaluationsverfahren
Bisher sechs Verfahren (Programm-, Bündel- und Systemakkreditierungen und Audits) an Fachhochschulen und Universitäten wurden begleitet und bei vier Verfahren wurden zusätzlich Gruppeninterviews mit Hochschulangehörigen geführt. Erhebungsphase ist noch nicht abgeschlossen

Professor/inn/en
Professor/inn/en werden in verschiedenen Untersuchungsschritten und bei verschiedenen „Untersuchungsgegenständen“ in den Blick genommen:
als Hochschulmitglieder, z. B. bei der Teilnehmenden Beobachtung und den Gruppeninterviews,

  • als Mitglieder von Gutachter/innengruppen
  • als Repräsentant/innen ihrer Statusgruppe bei noch zu führenden Gruppendiskussionen.

Studierende
Basierend auf den Angaben der Datenbank zu Akkreditierten Studiengängen beim Hochschulkompass wird ein matching von akkreditierten und nicht akkreditierten Studiengängen mit Daten der Absolventenstudien (KOAB-Projekt) des INCHER-Kassel vorgenommen.

Hochschulen
Um Hochschulen oder genauer Studium und Lehre an öffentlichen Fachhochschulen und Universitäten dreht sich das gesamte EIQSL-Projekt. Der organisationale Kontext der Qualitätssicherung wird jedoch auch durch folgende Untersuchungsschritte untersucht:

  • Organigrammanalyse mit Fokus auf die Qualitätssicherung
  • Untersuchung (Regel-)Kreisläufe der Qualitätssicherung
  • Dokumentenanalyse

Literatur- und Dokumentenanalyse

  • Aufbau Datenbank deutschsprachige wissenschaftliche und graue Literatur von 1996-2013
    • Codierung deutschsprachige wissenschaftliche und graue Literatur für qualitative Inhaltsanalyse
    • Bibliometrische Analyse deutschsprachige Literatur
  • Englischsprachige Bibliometrie zu quality assurance of teaching and learning (unter Verwendung der Datenbank SCOPUS)
    • Analyse als mapping of quality assurance of teaching and learning as a specialty (Manuskript in Vorbereitung)
  • Aufbau Datenbank Akkreditierungsdokumente: Selbstdokumentationen (ca. 900), Gutachterberichte (ca. 1.500) und Beschlussbriefe (ca. 1.300)
    • Auswertung mit topic modeling (textmining)
    • Qualitative Inhaltsanalyse

Studienabschlussarbeiten

  • Bachelorarbeiten:
    • Netzwerk-, Korrespondenz- und Kontingenzanalyse des Projekts Q/QM der Hochschulrektorenkonferenz
    • Überprüfung Gütekriterien der Qualitätskonstrukte im Fragebogen der Gutachter/innenbefragung

  • Masterarbeit:
    • Das Qualitätsverständnis der beteiligten Akteure (auf Basis der 65 Interviews mit Stakeholdern und Hochschulvertreter/inne/n)

Praktikant/inn/en

  • Drei Studierende absolvierten ihr Pflichtpraktikum im Rahmen des BA Soziologie der Universität Kassel
  • Zwei Studierende absolvierten ihr Pflichtpraktikum im Rahmen des MA Soziologie bzw. Sozialwissenschaften der Universitäten Bremen und Marburg

Kooperationen
Wir stehen in engem Austausch mit den Projekten:

  • WiQu – Wirkungsforschung in der Qualitätssicherung von Lehre und Studium – prozedurale, strukturelle und personelle Ursachen der Wirkungen von Qualitätssicherungseinrichtungen (BMBF Förderkennzeichen 01PY13003). Zur WiQu-Projektwebseite
  • WirQung – Die Organisation des Qualitätsmanagements – Wirkmechanismen und Wirksamkeit organisationaler Ansätze in Studium und Lehre (BMBF Förderkennzeichen 01PB14006). Zur WirQung-Projektwebseite

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Fragestellungen und theoretischer Hintergrund

Die Untersuchung sucht folgende Forschungsfragen zu beantworten:

  • haben Qualitätssicherungsverfahren nur dann Effekte und Steuerungswirkung, wenn sie von den Akteuren als legitim wahrgenommen werden?
  • zwingen detaillierte, explizite Verfahrensstandards und -richtlinien Hochschulen zur Anpassung und hindern sie an der Benennung eigener Qualitätssicherungsziele und ‑gegenstände? Und erlauben dagegen weniger detaillierte, explizite Verfahrensstandards und -richtlinien an den Hochschulen die Benennung eigener Gegenstände und Ziele der Qualitätssicherung?
  • gleichen sich die Verfahren der externen und der internen Qualitätssicherung im Zeitverlauf an?
  • verändern die Verfahren der externen Qualitätssicherung die Steuerung von Lehre und Studium innerhalb der Organisation Hochschule?
  • wird das obere und mittlere Management (Hochschul- und Fachbereichsleitungen) – aufgrund der neuen Steuerungsinstrumente in der Qualitätssicherung – durch die Gestaltung von externen und internen Verfahren gestärkt?
  • bringen die beteiligten Akteure je nach Rolle und Identität unterschiedliche Vorstellungen zu Qualität von Lehre und Studium und deren Qualitätsbewertung in die Verfahren ein und unterscheidet sich dadurch die Legitimität der Verfahren?
  • sind Akkreditierungs- und Evaluationsagenturen durch die Hoheit über die Verfahren und den Stellenwert von zertifizierter Qualität im global vernetzten Hochschulwesen machtvolle Akteure in einem heterogenen Hochschulsystem?
  • wie stark wird die Rolle des Akkreditierungsrats, der eine wichtige Kontrollfunktion für die Akkreditierungsverfahren hat, durch die detaillierten, expliziten Kriterien auf formale Mängel bei Verfahren beschränkt?
  • Mit der systematischen Untersuchung der internen und externen Qualitätssicherung betritt das Projekt Forschungsneuland für Deutschland. Die Untersuchung zielt auf grundlegenden Erkenntnisgewinn zu und eine feldbezogene Weiterentwicklung der Verfahren, und trägt damit auch zur Versachlichung der Kontroverse um Qualitätssicherung bei. In den Fokus wird damit die soziale Ökologie der Verfahren (Luhmanns Theorie des Verfahrens und soziologischer Neo-Institutionalismus) genommen, d. h. die gesamte Bandbreite unterschiedlicher Verfahren, deren Umweltlegitimation und deren Einbettung in die Hochschulen (öffentliche Universitäten und Fachhochschulen) untersucht, wodurch der Zusammenhang von externer Qualitätssicherung und interner Steuerung sowie zwischen interner Steuerung und der Qualität von Studium und Lehre rekonstruiert werden kann. Des Weiteren kann durch die Untersuchung von Wechselwirkungen von hochschulexternen und -internen Akteuren sowie den möglichen kontextabhängigen Wechselwirkungen und Zusammenhängen von Qualität und Legitimation den intendierten und nicht-intendierten Effekten von Qualitätssicherungsverfahren nachgegangen werden – sowohl bei den Verfahren als auch bei deren Wechselwirkungen.

Zentraler theoretischer Baustein ist die Legitimation der Verfahren, d. h. es wird untersucht, wer an den Verfahren beteiligt ist, wann Verfahren von den beteiligten Akteuren als legitim wahrgenommen werden, wie die Akteure die Verfahren gestalten und inwiefern Verfahren  auch im Hochschulkontext insgesamt als legitim akzeptiert werden.

In der Untersuchung werden verschiedene Methoden zur Anwendung kommen: Dokumentenanalysen, Fallstudien, Einzel- und Gruppeninterviews, Gruppendiskussionen, standardisierte Befragungen und teilnehmende Beobachtungen. Folgende Akteure werden untersucht: Akkreditierungsrat, Akkreditierungsagenturen, Hochschulen (Hochschulleitung, Professor(inn)en, Mitarbeiter(innen) der zentralen und dezentralen Qualitätssicherung, Studierende), Gutachterpool von Akkreditierungsagenturen und Akkreditierungsrat, Hochschulpolitik und Stakeholder.