LESSI 2013 - Studie zum Wandel von Lehre und Studium an deutschen Hochschulen - Erfahrungen und Sichtweisen der Lehrenden

Die Hochschulrektorenkonferenz veröffentlichte auf ihren Web-Seiten die Studie „Wandel von Lehre und Studium an deutschen Hochschulen - Erfahrungen und Sichtweisen der Lehrenden" (LESSI), die das Internationale Zentrum für Hochschulforschung der Universität Kassel (INCHER-Kassel) im Auftrag HRK durchgeführt hat. Die Autor(inn)en sind Harald Schomburg, Choni Flöther und Vera Wolf.

Mit der vorgelegten Untersuchung wurde in Deutschland erstmals umfassend erhoben, inwieweit die Lehrenden zentrale Ziele und Maßnahmen unterstützen, die bei den Veränderungen in Lehre und Studium des letzten Jahrzehnts („Bologna-Prozess“) eine Rolle gespielt haben. Zusätzlich wurden Gesamteinschätzungen erhoben: die Zufriedenheit der Lehrenden mit den Veränderungen in Lehre und Studium, der Studienstrukturreform und den Arbeitsbedingungen.

Die Befragung wurde im Wintersemester 2011/2012 durchgeführt. Die vorliegende Analyse basiert auf Antworten von ca. 8.200 Lehrende (2.800 Professorinnen und Professoren sowie 5.400 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - dazu werden auch Dozentinnen und Dozenten, akademische Räte und Lehrkräfte für besondere Aufgaben gerechnet) an mehr als 80 Hochschulen.

Ein kurzer Blick auf die Ergebnisse

Die Lehre in Bachelor- und Master-Studiengängen gehört mittlerweile für die Lehrenden an den Hochschulen zur Normalität. Wenig Lehrende geben an, dass sie nicht in Bachelor- oder Master-Studiengängen lehren, und nur noch die Hälfte ist in „traditionelle“ Studiengänge (Diplom, Magister, Staatsexamen) involviert.

Viele Reformziele werden geteilt

Viele Reformziele werden von den Lehrenden unterstützt. Übergeordnete Ziele, die eine Verbesserung der Qualität der Lehre beinhalten, finden die größte Zustimmung, insbesondere eine „Höhere fachlich-wissenschaftliche Qualifizierung der Studierenden“, aber auch die „Verbesserung der didaktischen Qualität von Lehren und Lernen“. Auch bei den meisten operativen Zielen und Maßnahmen zeigt sich insgesamt eine Zustimmung der Lehrenden, insbesondere bei den Maßnahmen, die auf eine Verbesserung der internationalen Mobilität zielen.

Unzufriedenheit mit der Einführung der Bachelor/Master-Struktur

Die bekannten Vorbehalte gegen die Einführung der Bachelor/Master-Struktur kommen auch in der vorliegenden Studie zum Ausdruck. Die Antworten auf die Frage "Wie zufrieden sind Sie bisher insgesamt mit der Einführung der Bachelor/Master-Struktur?" zeigen, dass über 60 Prozent der Professorinnen und Professoren und auch des wissenschaftlichen Mittelbaus an Universitäten mit der Studienstrukturreform unzufrieden sind. Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen sind demgegenüber weniger unzufrieden (42 Prozent).

Konstant hohe berufliche Zufriedenheit

Unbeschadet der Unzufriedenheit mit einzelnen Aspekten der Studienreform zeigt sich, dass die Lehrenden überwiegend mit ihrer beruflichen Situation zufrieden sind: Mehr als zwei Drittel der Professorinnen und Professoren von Universitäten und Fachhochschulen bezeichnen sich als "zufrieden" oder "sehr zufrieden". Die berufliche Zufriedenheit ist beim wissenschaftlichen Mittelbau etwas geringer. Im Vergleich mit den Ergebnissen früherer Hochschullehrerbefragungen, die INCHER-Kassel in den Jahren 1992 und 2007 durchgeführt hat, zeigt sich, dass sich die berufliche Zufriedenheit heute gegenüber der vor zwei Jahrzehnten wenig geändert hat.