Soziologie sozialer Differenzierung und Soziokultur
Hinweise für BA-Abschlussarbeiten
Forschungsperspektiven
Die abgeschlossenen und laufenden Forschungsprojekte des Fachgebiets liegen auf den Schnittstellen von Soziologie und Sozialpsychologie und weisen unterschiedliche Bezüge zu Perspektiven und Fragestellungen der Geschlechterforschung und der sozialen Ungleichheit auf. Methodologisch sind die Projekte im Bereich des interpretativen Paradigmas verortet, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von methodisch vielseitig angelegten qualitativen Längsschnittuntersuchungen. Die Komplexität von Prozessen der sozialen Differenzierung und Hierarchisierung wird vornehmlich aus einer mikrologischen Perspektive ausgelotet, ausgehend von strukturellen Auffälligkeiten oder Ungereimtheiten gesellschaftlichen Wandels, mit dem Ziel einer empirisch begründeten Theoriebildung. Im Mittelpunkt steht dabei die dialektische Beziehung zwischen Struktureigentümlichkeiten der postindustriellen Gesellschaft und ihrer subjektiven Aneignung und Verarbeitung durch Akteurinnen und Akteure in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen und Forschungsfeldern.
Aktuelle Schwerpunkte der Forschung sind:
- Ungleichheit in Geschlechterordnungen (Differenz und Hierarchie; Kontinuität und Wandel; interdisziplinäre Perspektiven auf Intersektionalität)
- Wandel der Industrie- und Arbeitsgesellschaft (Prekarisierung; Männlichkeit und Marginalisierung; Sorgearbeit und Geschlecht)
- Devianz und Geschlecht (Gewalt im Geschlechterverhältnis; Gewalt, Adoleszenz und Geschlecht, Prisonisierung und Geschlecht; Devianz und soziale Marginalisierung)
- Soziale Verwundbarkeit und Geschlecht (Ausgrenzungsrisiken junger Frauen und Männer im Übergang in Arbeit; institutionelle Übergänge und biographische Diskontinuität; Geschlecht und Behinderung).
Methodisch wird die Akteurs- und Adressatinnenperspektive in einer Kombination aus interaktions-, biographie- und konflikttheoretischen Zugängen rekonstruiert, mit einem besonderen Interesse für institutionelle Eingriffe in die Lebensläufe und biographischen Handlungsmuster von Menschen. Dabei verschränkt sich das Ziel, methodisch vielseitige und vor allem longitudinale Forschungsansätze zu entwickeln, mit methodologischen Reflexionen auf das Verhältnis von Theorie und Empirie, nicht zuletzt auch im Hinblick auf den Einsatz von Subjektivität im Forschungsprozess.
Soziologische Lehre als Einladung zum forschenden Lernen
Im Mittelpunkt der soziologischen Lehre im Kontext Sozialer Arbeit steht die Vermittlung einer lebendigen Beziehung zwischen gesellschaftswissenschaftlichen Basistheorien, aktueller Forschung zu sozialen Problemen und methodischen Kompetenzen der Forschung. Für die Praxisorientierung der Sozialen Arbeit liegt hier eine spezifische Herausforderung: Theorie und Praxis folgen unterschiedlichen Logiken und müssen füreinander übersetzt werden. Dies setzt eine generelle Haltung des forschenden Lernens und Formen der problem- oder gegenstandsbezogenen Lehre voraus. Forschendes Lernen beschränkt sich nicht auf die Empirie- und Praxisanteile des Studiums. Konkret bedeutet das, Studierende einzuladen, Theorien wie Handlungskonzepte zu untersuchen und ihre Reichweiten und Grenzen einschätzen zu lernen. Die Einladung zu einem reflexiven Umgang mit unterschiedlichem Wissen ist mit einer vergleichend angelegten Lehre verbunden, sowohl theoretisch als auch methodisch, und sie setzt ein generalistisches Verständnis Sozialer Arbeit voraus. Praktisch bedeutet dies eine intensive gemeinsame Arbeit mit und an theoretischen Texten, einen kritischen Umgang mit unterschiedlichen Forschungs- und Praxisansätzen und die Einübung einer verstehenden Haltung im Hinblick auf die Aneignung hermeneutischer Kompetenz.
Laufende Promotionen am Fachgebiet
Lina Edith Eckhardt: Zwischen Fürsorge und Kontrolle - wie die Praxis der Heimerziehung dokumentiert und begründet wurde. Eine Analyse basierend auf Heimakten des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen aus den Jahren 1949 bis 1973
Carmen Figlestahler: Die subjektive Verortung benachteiligter junger Menschen zwischen Fördern und Fordern - Institutionelle Interventionen in der Deutung von Betroffenen
Lisa Haller: Die "neue Familienpolitik" und ihre selektiven Anreizsysteme. Eine Untersuchung des deutschen Existenzsicherungssystems aus der Perspektive junger Eltern entlang der Einkommenshierarchie
Marlies Krötsch: Tötungsdelikte an Kindern
Christine Krüger: Interaktions- und Handlungsprozesse im internationalen Freiwilligendienst - Interaktionsanalyse eines Programms deutscher staatlicher Entwicklungspolitik
Marie-Theres Modes: "Anberaumte Anerkennung". Zur Wahrnehmung von Differenz aus einer raumsoziologischen Perspektive. Eine ethnographische Studie innerhalb eines Hotels mit behinderten und nicht behinderten Mitarbeitern
Annika Müller: Soziale Lagen, Exklusionserfahrungen und -empfinden jugendlicher Strafgefangener: Eine qualitative Untersuchung im geschlossenen und offenen Jugendvollzug
Ronja Müller-Kalkstein: Selbstverortung von Italienerinnen der zweiten Generation in Wolfsburg
Dörte Negnal: Abgrenzungsprozesse und soziale Ungleichheit - Spätaussiedler im Jugendstrafvollzug
Johanna Neuhauser: Nossa casa é a rua! - Unser Haus ist die Straße! Sexarbeiterinnen in Rio de Janeiro - Territorialität und Identität zwischen sozialer Stigmatisierung und beruflicher Anerkennung
Valérie Somnoma Ouédraogo: Re-Migration und Integration aus der Perspektive von burkinischen Arbeitsmigranten, die von Côte d'Ivoire nach Burkina Faso zurückkehren
Rafaela Pax: Beziehungsmuster und Interaktionsdynamiken im Mentoringprozess. Eine qualitative Längsschnittstudie
Marko Perels: Perspektiven demokratischer Vergesellschaftung jenseits von Erwerbsarbeit - Subjektpotentiale am Beispiel der türkeistämmigen Minderheit der BRD
Kathleen Pöge: Der Wandel von Paararrangements beim Übergang zur Elternschaft. Eine empirische Längsschnittuntersuchung anhand qualitativer Interviews mit Ärztinnen und ihren Partnern und Partnerinnen
Judith Scheunemann: (Ge)schlecht (Ge)fühlt. Gefühle des Urteilens und Beurteiltwerdens in Bezug auf Geschlechtlichkeit
Maike Sonntag: Konstruktionsweisen von Differenz und Hierarchie im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit
Julia Weber: Bildungsbezogene Übergangserfahrungen junger Berlinerinnen. Eine qualitative Studie zum Verhältnis von geringen Bildungschancen, Herkunft und Geschlecht im Kontext institutioneller Intervention
Frank Zahradnik: Sanktionskarrieren junger Arbeitsloser - Institutionelle Interventionen und biographische Verarbeitungen
Johanne Zühlke: (Die Untersuchung im Bereich der qualitativen Sozialforschung wird gegenwärtig entwickelt)
Laufende Habilitation: Dr. Anke Neuber
Zur Information:
Die Räume des Fachgebiets befinden sich in der Gottschalkstraße 12.
Die Postanschrift aller Mitglieder lautet jedoch:
Arnold-Bode-Straße 10
34109 Kassel
Vertreterin des Fachgebiets
- Email: bereswill@uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2976
- Raum: 1205, Gottschalkstraße 12
- Zur Person
E-Mail: liebendahl@sozialwesen.uni-kassel.de)
Mitglieder des Fachgebiets
- Email: linaeckhardt@uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2771
- Raum: 1207 Gottschalkstr. 12
- Email: liebendahl@sozialwesen.uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2943
- Fax: 0561 804-2031
- Raum: 2111 Arnold-Bode-Str. 10
- Sekretariat Prof. Dr. Bereswill
- Email: neuber@uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2975
- Raum: 1204 Gottschalkstr. 12
- Email: pax@uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2972
- Raum: 1208 Gottschalkstr. 12
Aktuell in Elternzeit
- Email: sabinestange@uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2771
- Raum: 1207 Gottschalkstraße 12
- Email: zuehlke@uni-kassel.de
- Tel: 0561 804-2972
- Raum: 1208 Gottschalkstr. 12

