Aktuelles

Deutsch als Zweitsprache in der Lehrer/innenausbildung

Das im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung vom BMBF geförderte PRONET-Projekt entwickelt, erprobt und evaluiert ein DaZ-Grundlagenmodul, um künftige Lehrkräfte für einen qualifizierten Umgang mit sprachlicher Heterogenität vorzubereiten. Über Details und Projektergebnisse informiert das folgende Poster.  


Bericht zum Expert/innenkolloquium „Von der Sprachsensibilisierung zur Sprachbildung Herausforderungen und Perspektiven für die Lehrkräftebildung“ 25. Mai 2018 Universität Kassel

Am 25. Mai 2018 fand im Senatssaal der Universität Kassel das Expert/innenkolloquium „Von der Sprachsensibilisierung zur Sprachbildung – Herausforderungen und Perspektiven für die Lehrkräftebildung“ statt. Es wurde im Rahmen des Kasseler Projekts „Professionalisierung durch Vernetzung (PRONET)“ der bundesweiten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von zwei PRONET-Teilprojekten ausgerichtet:

Das PRONET-Teilprojekt „Deutsch als Zweitsprache in der Lehrer/innenbildung“ (Prof. Dr. Karin Aguado, Tanja Fohr StR.i.H. & Dr. Andrea Bambek – Fachgebiet Deutsch als Fremd- und Zweitsprache) entwickelt, erprobt und evaluiert zur Zeit ein DaZ-Basismodul, das Lehramtsstudierende zu einem kompetenten Umgang mit sprachlicher und kultureller Heterogenität befähigen soll.

Das PRONET-Teilprojekt „Inklusion durch Vernetzung und Empowerment im Bereich interkultureller Kompetenzen in der Lehrer/innenbildung“ (Prof. Dr. Friederike Heinzel & Andrea Mentel-Winter – Institut für Erziehungswissenschaft, Professur für Grundschulpädagogik) entwickelt u.a. ein die spezifischen Ressourcen von Lehramtsstudierenden mit Migrationshintergrund berücksichtigendes und auf Inklusion ausgerichtetes Konzept zur Förderung von interkulturellen Kompetenzen in der Lehramtsausbildung.

Nachdem das  Expert/innenkolloquium von den Leiterinnen der Teilprojekte Prof. Dr. Karin Aguado und Prof. Dr. Friederike Heinzel eröffnet wurde, erfolgten vier Vorträge, die jeweils im Anschluss von den 31 Teilnehmer/innen eingehend diskutiert wurden. Die Veranstaltung endete mit einer einstündigen Abschlussdiskussion.

Prof. Dr. Argyro Panagiotopoulou

Prof. Dr. Argyro Panagiotopoulou (Köln) fokussierte in ihrem Vortrag „Sprachbildung und Inklusion: Design und Ergebnisse einer international vergleichenden  Studie an Deutschen Auslandsschulen zu Sichtweisen von Lehrkräften auf Mehrsprachigkeit im Unterricht“ das Thema Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext als Ressource. Sie stellte zunächst das Konzept des ‚Translanguaging‘ vor, welches sich vom institutionell häufig geforderten monolingualen Habitus absetzt und der gelebten Mehrsprachigkeit zu entsprechen versucht. Translanguaging als pädagogisches Konzept geht von Mehrsprachigkeit als Normalität aus und zielt auf die Wertschätzung sprachlicher Vielfalt. 

Einstellungen von Lehrkräften zum Thema Mehrsprachigkeit sind bisher kaum empirisch erforscht. So setzte sich Panagiotopoulou in der von ihr durchgeführten Studie das Ziel, Sichtweisen von Lehrkräften zu ermitteln, die an Deutschen Schulen im Ausland (Kanada, USA, Griechenland) unterrichten. Ergebnisse der Studie zeigen, dass der monolinguale Habitus, der an diesen Schulen institutionell verankert ist, von den Lehrkräften häufig in Frage gestellt oder bewusst abgelehnt wird. Gründe für Translanguaging im Berufsalltag und für die Infragestellung der sprachenpolitischen Vorgaben in den jeweiligen Schulen sind u.a. die persönlichen Erfahrungen der Lehrkräfte – z.B. als Migrant/in oder die individuellen Konzepte in Hinblick auf Mehrsprachigkeit in der Familie.

Diskutiert wurde die Frage, inwieweit Bedarf an neuen didaktischen Konzepten besteht, um Translanguaging zu fördern und im pädagogischen Alltag zu verankern. Dabei wurde kritisch eingebracht, dass zugunsten der Wertschätzung der Mehrsprachigkeit nicht die Zielsetzungen des fremdsprachlichen Unterrichts aus dem Blick geraten dürften.

Prof. Dr. Magdalena Michalak

Prof. Dr. Magdalena Michalak (Nürnberg) plädierte in ihrem Vortrag „‘Es werden zu viele hochgestochene Wörter verwendet, die vom Sinn des Textes ablenken.‘ Zwischen Sprach- und Fachdidaktik“ für eine stärkere interdisziplinär ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Fach- und Sprachdidaktik. Anhand von Befragungsergebnissen aus den Projekten SPRINT (‚Sprachförderung Intensiv’) und ‚ForEST’ (Dissertationsprojekt „Formative Evaluation von SPRINT“ von Simone Lotter) verdeutlichte Michalak, dass in jedem Fach ganz spezifische Handlungs- und Denkmuster vorherrschen, die Schüler/innen zu bewältigen haben. Fachintegrierte Sprachbildung stelle für sie nur dann eine Unterstützung dar, wenn sie von diesen fachspezifischen Anforderungen ausgehe. In ihrem Vortrag zeigte Michalak auf, dass Sprachlehrkräfte jedoch eher auf die für die Sprachfächer typischen Denk- und Arbeitsweisen eingehen und somit den Schüler/innen für die Bewältigung fachlicher Anforderungen in Sachfächern wenig Hilfestellung bieten. An der Schnittstelle zwischen Fach- und Sprachdidaktik ergeben sich daher folgende Desiderate: Zum einen müssten Sprachlehrkräfte die sprachlichen Anforderungen der jeweiligen Fächer kennen, und es müssten Fachdidaktiker/innen gewonnen werden, die unter Berücksichtigung der spezifischen Denk- und Arbeitsweisen der jeweiligen Fächer sprachliche Vermittlungsschwerpunkte wie z.B. fachspezifische sprachliche Handlungsmuster und entsprechende Konzepte erarbeiten und erproben. Zum anderen stellt sich die Frage, inwieweit es realisierbar ist, sprachdidaktische Inhalte in den Fachdidaktiken zu verorten.

In der anschließenden Diskussion wurde bestätigt, dass bisherige Sprachbildungskonzepte, die auf die Vermittlung eines bildungssprachlichen Registers abzielen, zu kurz greifen, da sie den unterschiedlichen Denk- und Handlungsweisen der Fächer nicht ausreichend Rechnung tragen. Eine stärkere Inhaltsorientierung und somit eine funktional ausgerichtete Sprachdidaktik sowie eine bessere Vernetzung zwischen Sprach- und Fachlehrkräften könnten hier Abhilfe schaffen.

Jun.-Prof. Dr. Inger Petersen

Jun.-Prof. Dr. Inger Petersen, die an der Universität Kiel ein Teilprojekt der ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘ zum Thema „DaZ und Sprachbildung für das Lehramtsstudium“ leitet, zeigte zu Beginn ihres Vortrags „Welches Grammatikwissen brauchen Studierende für den sprachbewussten Fachunterricht?“ eine hohe Diskrepanz zwischen den Anforderungen des Studienmoduls ‚Inklusion und Sprachbildung’ und den Voraussetzungen der Studierenden auf: So sollen sie im Rahmen des Moduls beispielsweise dazu befähigt werden, Lernmaterialien für den Fachunterricht sprachlich anzupassen, verfügen jedoch nicht über das dafür erforderliche grammatische Grundwissen zur Beschreibung der sprachlichen Herausforderung. Im Forschungsprojekt „GraF - Grammatik für den Fachunterricht“ wurde in einer Vorstudie der Versuch unternommen, vorhandenes Grammatikwissen von Studierenden entsprechend der Studienanforderungen in den Modulbeschreibungen zu ermitteln. Hierfür sollten die Studierenden durch Lautes Denken mitteilen, welche sprachlichen Schwierigkeiten sie bei einem Lehrwerktext aus dem Fach Biologie vermuten und wie sie diese beheben würden. Erste Ergebnisse zeigen, dass das grammatische Wissen der Studierenden eher undifferenziert ist. Zudem zeigte sich, dass die Analyse der Wortebene dominiert, es den Studierenden an Fachterminologie fehlt und sie sich beim Erkennen und Benennen syntaktischer Strukturen unsicher sind. Die Studierenden sind somit weit von den in den Modulbeschreibungen angestrebten Qualifikationszielen, der Analyse von Fachtexten und deren Anpassung an die Lernvoraussetzungen ihrer Schüler/innen, entfernt. Die von ihnen beispielsweise zur sprachlichen Entlastung von Texten vorgeschlagenen Möglichkeiten werden von Petersen als ungünstig und eher kontraproduktiv betrachtet.

In der anschließenden Diskussion wurden Modifizierungen des Forschungsdesigns vorgeschlagen, um die Validität der Ergebnisse zu erhöhen. Darüber hinaus wurde diskutiert, ob und inwiefern explizites Grammatikwissen für Lehramtsstudierende verschiedener Fächergruppen relevant sei und wie es funktionalisiert werden könnte, so dass es nicht losgelöst von dem eigentlichen Unterrichtsgegenstand betrachtet wird, sondern bei dessen Erschließung hilft.

Prof. Dr. Beate Lütke

Einen ersten öffentlichen Bericht über die Ergebnisse der Evaluation der seit dem Wintersemester  2007/2008 eingeführten Berliner DaZ- bzw. Sprachbildungsmodule lieferten Prof. Dr. Beate Lütke (Berlin) und Jun.-Prof. Dr. Jennifer Paetsch (Bamberg) in ihrem Vortrag „Die Berliner DaZ-Module - Ergebnisse der Evaluationsforschung im Überblick“. Die ‚alten‘ Berliner DaZ-Module (2007-2015; Reform 2015) wurden sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudiengang angeboten und anhand von Längsschnittuntersuchungen in Form von Prä- und Posttests, Interviews, Hausarbeitenanalysen und Befragungen unterschiedlicher Personengruppen evaluiert. So sollte ermittelt werden, wie die Modulvorgaben umgesetzt und inwieweit die vorgegebenen Qualifikationsziele erreicht wurden. Ausgehend davon konnten Handlungsempfehlungen zur Umgestaltung der DaZ-Module und deren Umsetzung gegeben werden. Die Ergebnisse der Kompetenzmessung zeigen in beiden Gruppen (Bachelor- und Masterstudierende) einen didaktisch-methodischen Kompetenzzuwachs (bei den BA-Studierenden um 7%, bei den MA-Studierenden um 10%). Studierende mit Vorwissen aus sprachlichen Fächern schneiden insgesamt besser ab. Die Analyse studentischer Hausarbeiten zum Thema „Sprachliche Materialanalyse“ ergab, dass gerade Fremdsprachenstudierende einen Lern- und Kompetenzzuwachs verzeichnen können. Bedenklich ist jedoch, dass Studierende zwar für das Thema „Mehrsprachigkeit“ sensibilisiert wurden, jedoch häufig eine defizitorientierte Sichtweise auf mehrsprachige Schüler/innen entwickelten. Zudem mündeten die Analysen und die Anwendung zahlreicher Methoden oft nicht in der Planung von sinnvollen Maßnahmen unter Berücksichtigung der mehrsprachigen Zielgruppen.

Jun.-Prof. Dr. Jennifer Paetsch

Ausgehend davon konnten Handlungsempfehlungen zur Umgestaltung der DaZ-Module und deren Umsetzung gegeben werden. Die Ergebnisse der Kompetenzmessung zeigen in beiden Gruppen (Bachelor- und Masterstudierende) einen didaktisch-methodischen Kompetenzzuwachs (bei den BA-Studierenden um 7%, bei den MA-Studierenden um 10%). Studierende mit Vorwissen aus sprachlichen Fächern schneiden insgesamt besser ab. Die Analyse studentischer Hausarbeiten zum Thema „Sprachliche Materialanalyse“ ergab, dass gerade Fremdsprachenstudierende einen Lern- und Kompetenzzuwachs verzeichnen können. Bedenklich ist jedoch, dass Studierende zwar für das Thema „Mehrsprachigkeit“ sensibilisiert wurden, jedoch häufig eine defizitorientierte Sichtweise auf mehrsprachige Schüler/innen entwickelten. Zudem mündeten die Analysen und die Anwendung zahlreicher Methoden oft nicht in der Planung von sinnvollen Maßnahmen unter Berücksichtigung der mehrsprachigen Zielgruppen.

In der anschließenden Diskussion wurde erörtert, ob und wie die entsprechenden Module in Form von fachspezifischen Veranstaltungen auf die Zielgruppen abzustimmen seien, um dem Vorwissen der Studierenden gerecht zu werden. Weiterer Forschungsbedarf wurde hinsichtlich einer differenzierten Ermittlung der Gründe für die defizitorientierte Sichtweise von Studierenden auf das Phänomen der Mehrsprachigkeit formuliert.

In der von Prof. Dr. Karin Aguado und Prof. Dr. Friederike Heinzel moderierten Abschlussdiskussion wurden einige der zuvor bereits angesprochenen Aspekte aufgegriffen und intensiv diskutiert.

Zunächst ging es darum, über welche Art von Grammatikwissen (angehende) Fachlehrkräfte verfügen müssen und wie ein funktionalisierender Gebrauch dieses Wissens erreicht werden kann, so dass es in zielführender Weise zur Planung und Durchführung von Unterricht genutzt werden kann. Des Weiteren wurde in der Diskussion deutlich, dass das Angebot für sprachbewussten Fachunterricht in der Ausbildung von Fach-Lehrkräften stärker differenziert und an die jeweiligen Fächergruppen angepasst werden muss. Nur so könne man den fachspezifischen sprachlichen Anforderungen gerecht werden und zudem das Vorwissen von Studierenden aus sprachlichen Fächern berücksichtigen. Ein weiterer Diskussionspunkt war der von einigen Anwesenden als problematisch angesehene Begriff der ‚Bildungssprache‘. Hier wurden sowohl historische Verwendungsproblematiken aufgezeigt als auch die Fehlnutzung des Begriffs als ‚hohles Register’ ohne funktionale Anbindung kritisiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Begriff ‚Bildungssprache‘ – von den Erziehungswissenschaften als soziale Kategorie definiert – Einzug in die Bereiche Deutsch als Zweitsprache und Linguistik gehalten habe, in Bezug auf die Fachkonzeption jedoch nicht passgenau sei und zukünftig eine andere Begrifflichkeit gefunden werden müsse. Alternativ wurde vorgeschlagen, zur Beschreibung der schulsprachlichen Herausforderungen mit den Konzepten der ‚konzeptionellen Schriftlichkeit’ und der ‚konzeptionellen Mündlichkeit’ nach Koch und Oesterreicher (1985/1990) oder mit den Termini ‚formelles’ und ‚informelles Register’ zu arbeiten. Die konkrete Unterrichtsgestaltung betreffend wurde abschließend nochmals hervorgehoben, dass die Verwendung von Mehrsprachigkeit im Unterricht eine stärkere Akzeptanz finden und hierfür das zuvor vorgestellte Konzept des Translanguaging didaktisch weiter ausgearbeitet werden müsse.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorträge sowie die Diskussionen insgesamt dazu beigetragen haben, aktuelle Tendenzen und Fragestellungen in Bezug auf die Integration von Deutsch als Zweitsprache und Sprachbildungsmodulen in die Lehrkräfteausbildung aufzuzeigen. Als Ergebnisse des Experten/innenkolloquiums, die unter anderem für die Neuausrichtung der Lehrkräfteausbildung im Rahmen der ersten Phase (i.e. dem universitären Studium), aber auch der zweiten Phase (i.e. dem Referendariat) in Hessen relevant sein könnten, sind unter anderem folgende zu nennen:

Wie der Beitrag von Lütke und Paetsch zur Evaluation der ‚alten‘ Berliner DaZ-Module deutlich gemacht hat, lassen sich in quantitativer Hinsicht Erfolge in Bezug auf die ausgewählten Vermittlungsziele nachweisen. Die qualitative Analyse von Hausarbeiten zum Thema ‚Sprachsensibler Fachunterricht und dessen Planung‘ hat hingegen ergeben, dass die Studierenden zwar zahlreiche Methoden kennen, dieses methodische Wissen jedoch nicht zwingend sinnvoll umgesetzt werden kann. Damit die Anwendung neu gelernter Inhalte sich nicht nur quantitativ niederschlägt, sondern auch qualitativ in Bezug auf die Vorbereitung von sprachsensiblem Fachunterricht Wirkung zeigt, wäre eine stärkere Verzahnung der theoretischen Planungsgrundlagen mit den praktischen Anforderungen notwendig. Auch Petersens Beitrag warf die Frage auf, inwieweit Studierende in der Lage sind, die in vorhandenen Modulbeschreibungen verankerten Qualifizierungsziele in Bezug auf das grammatische Wissen zur Planung sprachbewussten Unterrichts zu erreichen und über welche Eingangsvoraussetzungen sie in Bezug auf die geforderten grammatischen Kompetenzen verfügen. Es konnte gezeigt werden, dass die bildungspolitisch diesbezüglich gesetzten Qualifikationsziele oft nur schwer mit dem vorhandenen Wissen der angehenden Lehrkräfte vereinbar sind. In Bezug auf Hessen und die anstehende Reform des Lehrkräfteausbildungsgesetzes stellt sich hier die Frage, wie Module für Sprachbildung und Deutsch als Zweitsprache gestaltet sein müssen, damit die anvisierten Maximalziele nicht nur theoretisch fundiert, sondern auch tatsächlich erreichbar sind. Michalaks Betrag zeigte auf, dass sich die theoretisch und bildungspolitisch begründete Forderung „Jeder Fachunterricht ist Sprachunterricht!“ (Michalak 2014) als nicht durchweg vereinbar mit den fachdidaktischen Zielsetzungen erwiesen hat. In Bezug auf die Erstellung neuer fachdidaktischer Vermittlungskonzepte unter Berücksichtigung sprachdidaktischer Zielsetzungen ist es daher notwendig, diese Ansätze in kooperativer Weise auf ihre Praktikabilität zu überprüfen. Die bildungspolitische Setzung von Qualifikationszielen für die Fachdidaktiken im Bereich der Sprachbildung ist also kritisch zu hinterfragen. Zudem müsste der Diskussion und der Anwendung von Konzepten für die Planung von sprachsensiblem Unterricht im Rahmen des Fachstudiums ausreichend Zeit zur Verfügung gestellt werden. Der Beitrag von Panagiotopoulou zeigte auf, wie Lehrkräfte an Auslandschulen mit bildungspolitischen Vorgaben wie der Einsprachigkeit im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht in der Praxis umgehen und was ihre Beweggründe für ihr praktisches Handeln mit dem Resultat des Translanguaging sind. Eigene Migrationserfahrungen sowie praktische Theorien, abgeleitet aus persönlichen und unterrichtlichen Erfahrungen, waren für die befragten Lehrkräfte dabei ausschlaggebend.

Mit Blick auf die bereits diskutierten Beiträge und die Frage, wie die Lehrkräfteausbildung in Bezug auf die Integration von Sprachbildungskonzepten zukünftig zu gestalten sei, lässt sich ausgehend von Panagiotopoulous Vortrag festhalten, dass zunächst Informationen darüber gewonnen werden müssen, inwieweit die jeweiligen Ansätze mit dem fachpraktischen Handeln in der Schule vereinbar sind, welche Ansätze von den Lehrkräften übernommen werden sowie welche Vermittlungswege die Lehrkräfte wählen. Darüber hinaus ist zu ermitteln, wie viel Zeit erforderlich ist, um das entsprechende Wissen im Rahmen des Lehramtsstudiums überhaupt erst zu erwerben. Die empirisch fundierte Beantwortung nicht zuletzt auch dieser Fragen stellt eine wichtige Voraussetzung für die Formulierung angemessener und realistischer Qualifikationsziele im Bereich der Sprachbildung und Deutsch als Zweitsprache für angehende Lehrkräfte in Hessen dar.