DaZ-UMF

Deutsch als Zweitsprache bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (DaZ-UMF)

Angestoßen durch die Flüchtlingssituation im Jahr 2015 beschäftigt sich das Forschungsprojekt DaZ-UMF mit einer Gruppe von LernerInnen, die in der Spracherwerbsforschung bisher kaum untersucht wurde, nämlich mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus Afghanistan, die erst im Jugendalter mit dem Deutscherwerb beginnen und auch in ihrer Erstsprache (meist Dari, teilweise auch Paschtu) oftmals nur über geringe literale Kompetenzen verfügen.

Bisher gibt es nur wenige Studien zum Erwerb des Deutschen als Zweitsprache bei UMF oder allgemein bei jugendlichen SeiteneinsteigerInnen in deutschsprachigen Ländern. Dieses Defizit betrifft sowohl Untersuchungen zu kognitiven Prozessen des Zweitsprachenerwerbs als auch die Unterrichtsforschung. Um die Lehrkräfte spezifisch für den DaZ-Unterricht mit dieser Zielgruppe ausbilden zu können (siehe auch das Projekt FörLeSch), ist noch Grundlagenforschung nötig. Im Projekt DaZ-UMF soll daher untersucht werden, wie sich literale Kompetenzen, die durch den Schulbesuch in Afghanistan in der L1 und/oder durch die Alphabetisierung in Deutschland in der L2 erworben wurden und weiterhin werden, auf die Entwicklung des L2-Erwerbs im Deutschen, v.a. im Bereich Grammatik und im mündlichen Bereich auswirken können.

Als Kooperation mit dem Institut für Sprachen (IFS) und mit der Fachstelle UMF der Hephata Diakonie Kassel wurden erste Pilotuntersuchungen zum Zweitspracherwerb von UMF durchgeführt, wobei im kleinen Rahmen sowohl longitudinale als auch querschnittliche Daten erhoben wurden. So wurden als studentische Forschungsprojekte ein Instrument zur Literacy-Einschätzung in der L1 Dari und in der L2 Deutsch und ein Instrument zur Messung der phonologischen Bewusstheit entwickelt und erprobt. Außerdem wurden von mehreren Probanden mehrmals Spontansprachdaten erhoben und verschiedene Sprachtests mit ihnen durchgeführt. Auf der Basis der durchgeführten Pilotstudien und Literaturrecherchen wird aktuell ein Drittmittelantrag vorbereitet.

Im Rahmen des DaZ-UMF Projekts organisieren wir außerdem Vorträge und Workshops, um uns mit anderen Forschenden auszutauschen, die sich für ähnliche Fragestellungen interessieren. Zum Beispiel mit Sarah Faseli, einer Mitarbeiterin des Studiengangs DaF der Universität Kabul, die derzeit an der Universität Bochum zu Schreibkompetenzen von DaF-LernerInnen mit L1 Dari promoviert (Flyer). Oder mit Dr. Jana Gamper von der Universität Potsdam, die ebenfalls an Daten von jugendlichen SeiteneinsteigerInnen arbeitet (Flyer).


Studentische Forschungsprojekte:

Mirova, Farzona (in Arbeit): Literale Kompetenzen und phonologische Bewusstheit in der Erst- und Zweitsprache (Arbeitstitel). MA-Arbeit, Betreuung: Jun.-Prof. Dr. Christine Czinglar.

Schumacher, Anne-Christin/Flierl, Julian & Jia, Zongyue (2016): Literalität einschätzen – Vorschlag für eine Verfahren zur Beurteilung grundlegender Lese- und Schreibkompetenzen bei Dari sprechenden Deutschlernenden. Forschungsprojekt, Betreuung: Prof. Dr. Karin Aguado

Vorträge:

Schumacher, Anne-Christin, Mirova, Farzona & Czinglar, Christine (geplant August 2017): Ist es möglich, literale Kompetenzen von Deutschlerner*innen ohne Kenntnis der Herkunftssprache einzuschätzen? Vortrag. Sektion Deutsch für Schul- und/oder Schriftungewohnte. XVI. Internationale Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, Fribourg/Freiburg - Schweiz, 31.7.-4.8.2017.

Schumacher, Anne-Christin & Mirova, Farzona & Aguado, Karin & Czinglar, Christine (geplant Juli 2017): Literalität einschätzen – ein Verfahren zur Beurteilung grundlegender Lese- und Schreibkompetenzen bei Dari sprechenden Deutschlerner*innen. Mehrsprachigkeit als Chance „Atlas der Mehrsprachigkeit in Europa“, Universität Kassel, 3.-5.6.2017. [Posterpräsentation]

Czinglar, Christine (2017): L2 acquisition of oral grammar skills in adolescent refugees in Germany with disparate literacy skills (Forschungsprojekt zum L2-Erwerb mündlicher Sprachkompetenzen im Deutschen bei LernerInnen mit unterschiedlichen Literalitätsvoraussetzungen).  GAL-Research School „Elizitationsverfahren in der Mehrsprachigkeitsforschung”, Universität Münster, 8.-10.3.2017.

Czinglar, Christine (2016): Der Zweitspracherwerb von neu-zugewanderten Kindern und Jugendlichen am Beispiel des Grammatikerwerbs. Vortrag. Fachforum Mehrsprachigkeit und Spracherwerb im Kontext von Flucht und Migration - Chancen und Herausforderungen für die sprachliche Bildung. Universität Kassel, Fachgebiet „Sozialisation mit Schwerpunkt Migration und interkulturelle Bildung“, 16.12.2016.

Czinglar, Christine (2016): The L2-syntax of German: variation in the rate of L2-acquisition of verb placement in the context of migration. Vortrag. COCOLAC-RC Seminar on L2 Syntax, Universität Helsinki, 18.11.2016.

Publikationen:

Czinglar, Christine (2017): Der Erwerb des Deutschen als Zweitsprache bei neu zugewanderten Jugendlichen. Jugendhilfe 55 (2): S. 137-143.

Czinglar, Christine (eingereicht, 2017): Zweitspracherwerb im Jugendalter: Welche Faktoren sind ausschlaggebend für neu zugewanderte Jugendliche? In Nora von Dewitz, Henrike Terhart &, Mona Massumi (Hrsg.): Übergänge in das deutsche Bildungssystem: Eine interdisziplinäre Perspektive auf Neuzuwanderung. Weinheim: Beltz Juventa.

Finanzierung: ZFF-Mittel der Universität Kassel (bis August 2016); Berufungsmittel
Laufzeit: seit August 2015
Wissenschaftliche Hilfskräfte: Carina Reez M.A. und Anne-Christin Schumacher M.Ed.
Ehemalige Hilfskräfte: Astrid Lange M.A. und Evelyne Raupach M.A.

Text: Christine Czinglar und Carina Reez
Fotos: Carina Reez

Projektleitung

Jun.-Prof. Dr. Christine Czinglar

Juniorprofessur
Anschrift Kurt-Wolters-Str. 5
D-34125 Kassel
Gebäude: Kurt-Wolters-Str. 5
Raum Raum 2056
Telefon +49-561-804-3307
Telefax +49-561-804-2772
Sprechstunde:

In der vorlesungsfreien Zeit nach Vereinbarung.

SoSe 2017: donnerstags 16.00-17.00 Uhr

Bild von Jun.-Prof. Dr. Christine  Czinglar

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Vst.-Nr.VeranstaltungSWS
DaFZ 05Einführung in die Zweit- und Fremdsprachenerwerbsforschung
Seminar, Max. 60 Teilnehmer
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DaFZ 06Begleitkolloquium
Seminar, Max. 30 Teilnehmer
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