Dissertations- und Habilitationsprojekte

Marie Sophie Kitzinger

„Studierende beraten Studierende in der Kasseler Forschungswerkstatt ‚Theologische Gespräche‘. Untersuchungen von Reflexionsgesprächen und Anstöße eines studentischen Mentoringkonzepts.“ (Arbeitstitel)

Unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Freudenberger-Lötz wurden im Rahmen der schulpraktischen Studien die sogenannten Forschungswerkstätten „Theologische Gespräche mit Kindern und Jugendlichen“ in die universitäre Lehre implementiert. Den Studierenden wird die Möglichkeit geboten sich im Rahmen der Forschungswerkstatt intensiv mit dem Konzept der Kinder- und Jugendtheologie auseinanderzusetzen. Die individuelle Professionalisierung der Studierenden und das Leisten eines „Forschungsbeitrags zur Weiterentwicklung der Profession“ werden als primäre Ziele der FoWe angesehen. Eine spiralförmige Wechselbeziehung von Planung, praktischem Handeln, Reflexion und die kontinuierliche Berücksichtigung des wissenschaftlichen Diskurses kennzeichnen den Professionalisierungsprozess der Studierenden. Seit 2014 erhalten die Studierenden Unterstützung von studentischen Mentoren. Jedem Zweier-Team ist ein studentischer Mentor zugeteilt. Die Studierenden werden von ihrem Mentor das ganze Semester über intensiv betreut. Unter anderem durch ein wöchentlich stattfindendes Reflexionsgespräch, das den Kern eines komplexen Beratungssystems darstellt. Die Reflexionsgespräche stellen nicht nur ein Vorankommen im Hinblick auf die Professionalisierung Theologischer Gespräche dar, sondern fördern die Reflexionsfähigkeit der Studierenden, die für die Ausbildung ihrer Lehrerpersönlichkeit ausschlaggebend ist. Um eine gewisse Qualitätssicherung zu gewährleisten nehmen die Mentoren an einer Mentorenschulung teil, die zur Entwicklung ihrer Beratungskompetenzen beitragen soll.

Es stellt sich jedoch die Frage, was ein Reflexionsgespräch ausmacht, um die Reflexionsfähigkeit der Studierenden zu fördern bzw. zu aktivieren und so ihre Professionalisierung im Bereich der Theologischen Gespräche voranzutreiben. So steht die Untersuchung der Binnenstruktur von Reflexionsgespräche zur Professionalisierung von Lehramtsstudierenden im Bereich der Theologischen Gespräche und daraus abzuleitende Konsequenzen für die Mentorenschulung im Fokus der geplanten Dissertation.

Carolin Altmann

Professionalisierung in Theologischen Gesprächen – inwiefern sind
persönliche theologische Fragen der Studierenden von Bedeutung?

(Arbeitstitel)

Die Grundidee für das Forschungsthema entstand durch das großflächig angelegte Projekt‚ Professionalisierung durch Vernetzung (PRONET)‘, welches Teil der deutschlandweiten, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘ ist. In 33 Teilprojekten geht es an der Kasseler Universität kurz gefasst darum, die Lehre für die Lehramtsstudiengänge zu verbessern und weiter auszubauen. Auch die ev. Religionspädagogik ist Teil von PRONET und befasst sich mit der Professionalisierung von Studierenden im Rahmen des zertifizierten Studienprofils ‚Theologische Gespräche‘.

Im Zentrum Theologischer Gespräche steht die Förderung des eigenständigen theologischen Denkens von Kindern und Jugendlichen. Um das eigenständige Denken von Kindern und Jugendlichen in Theologischen Gesprächen angemessen fördern zu können, benötigen Lehrkräfte aber selbst eine Vielzahl an unterschiedlichen Kompetenzen. Elisabeth Schwarz erachtet für das Leiten Theologischer Gespräche etwa die von ihr so bezeichnete philosophische Kompetenz als bedeutsam: Im Sinne einer suchenden, forschenden, offenen Grundhaltung sollten sich Lehrkräfte selbst auf das Frag-Würdige theologischer Themen einlassen können. Für Studierende, die Theologische Gespräche durchführen, besteht damit eine besondere Notwendigkeit, sich selbst mit theologischen Fragen auseinander zu setzen. Inwieweit aber geschieht dies tatsächlich? Und inwieweit verändert sich die persönliche Beschäftigung mit theologischen Fragen eventuell sogar durch das Leiten Theologischer Gespräche?

Wenn es auch bisher erst wenig Forschung zur tatsächlichen studentischen Beschäftigung mit theologischen Fragen gibt, wurde in Studien von Andreas Feige, Hans Mendl, Christhard Lück und anderen interessanterweise gerade der Wunsch nach einer Beschäftigung mit theologischen Fragen als eine zentrale Studienmotivation von angehenden Lehramtsstudierenden der Theologie / Religionspädagogik herausgearbeitet. In gewisser Spannung zu diesen Befunden steht dagegen eine andere Studie Mendls, in welcher Junglehrer*innen ausgerechnet kritisieren, dass sie im Schulalltag mit theologischen Fragen (Theodizee, Wunder, Schöpfung, …) konfrontiert werden, auf welche sie seitens der Universität nicht vorbereitet wurden. Grundsätzlich, so Andreas Feige, bestehe daher noch detailliertere Forschungsarbeit, um „die Varietät in der inhaltlichen Füllung des ‚Interesses an theologischen Grundfragen‘ flächendeckend und typisierend in den Blick zu bekommen“.

Solch eine detailliertere Forschungsarbeit ist Ziel der geplanten Dissertation: Mithilfe eines qualitativen Settings (Grounded Theory in Anlehnung an Juliet Corbin / Anselm Strauss und Kathy Charmaz) soll der Bedeutung studentischer theologischer Fragen tiefergehender nachgegangen werden, als dies bisher geschehen ist. 

Im Zentrum der Dissertation stehen dabei folgende Fragen:


I Inwiefern setzten sich Studierende in ihrem Studium tatsächlich mit theologischen, persönlich bedeutsamen Fragen auseinander?


II Welche Bedeutung haben eigene studentische theologische Fragen vor dem Hintergrund des Leitens theologischer Gespräche?


III Was genau verstehen Studierende inhaltlich unter einem ‚Interesse an theologischen Grundfragen‘? Welche persönlichen Bedeutungen hat dies für sie?

Dr. Gudrun Spahn-Skrotzki

Habilitationsarbeit zu Verantwortlichem Handeln (Titel muss noch festgelegt werden).

Ich setze mich in der Forschungsarbeit mit dem Phänomen auseinander, dass Wissen häufig nicht zum Handeln führt. Dieses ist gerade für ethische Fragen von Relevanz. Menschen handeln häufig gegen ihre ethischen Überzeugungen: Sie sind z.B. gegen Kinderarbeit, kaufen aber immer wieder Produkte, die mit dieser produziert wurden. Zum Beispiel arbeiten Kinder in den Coltanminen im Kongo, ruinieren dort ihre Gesundheit, das Coltan wird in Smartphones eingebaut, die bedenkenlos gekauft und genutzt werden. Kinder werden auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste als Kindersklaven verkauft, die dort ohne Schulbildung von morgens bis abends den ganzen Tag arbeiten für die Schokolade, die bei uns bedenkenlos genossen wird. Die meisten Menschen sind zwar der Meinung, dass Menschen für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden müssen, kaufen aber Kleidungsstücke, die z.B. in Bangladesch oder China unter Bedingungen hergestellt werden, die alles andere als menschenwürdig sind: d.h. die Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen keine existenzsichernden Löhne mit denen sie ihre Familie ernähren können, sie können ihre Kinder häufig nicht zur Schule schicken, sie haben keinerlei Kranken- oder Altersversorgung, sie arbeiten ohne Schutz mit gesundheitsschädigenden Substanzen usw. So kann man von moderner Sklavenarbeit sprechen und davon ausgehen, dass für einen Menschen aus den westlichen Ländern mit einem durchschnittlichen Konsumverhalten ca. 40-60 Menschen Sklavenarbeit verrichten. Dieses ist keine populistische Übertreibung. Die Arbeitsbedingungen in vielen Ländern, aus denen unsere Konsumgüter stammen, sind katastrophal.

Warum werden laufend diese Produkte gekauft, anstatt Alternativen (die es gibt!)?

Das gleiche Phänomen findet sich im Umgang mit der Schöpfung: Zum Beispiel werden in der industriellen Massentierhaltung allein in Deutschland jährlich Millionen Tiere gehalten. Sie fristen zu Tausenden auf engstem Raum und ohne Tageslicht ihr gesamtes Leben, um dann im Akkord in Schlachthöfen geschlachtet zu werden. Die Massentierhaltung ist ein wesentlicher Faktor, der zur Klimaerwärmung beiträgt, ein großer Teil der Futtermittel für die Tiermast stammt aus Ländern, in denen ein großer Teil der Bevölkerung Hunger leidet usw. Menschen wissen um diese Zustände und lehnen sie eigentlich ab, dennoch kaufen und konsumieren sie z.B. Fleisch aus Massentierhaltung.

Die Liste des problematischen Konsumverhaltens könnte um ein vielfaches verlängert werden. Dieses sind nur einige plakative Beispiele.

Wie kommt es, dass Menschen in ihrem täglichen Konsum wenig darauf achten, verantwortlich zu handeln, das heißt, warum machen sie sich wenig Gedanken darüber, woher die Produkte, die sie kaufen, stammen? Warum bemühen sie sich häufig kaum, so zu leben, dass Menschen und Mitwelt nicht ausgebeutet werden? Warum werden nur so wenig fair produzierte Produkte gekauft?

Wie kann man Menschen dazu bewegen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und entsprechend ihren ethischen Überzeugungen zu leben, zu konsumieren usw.?

Gerade für die Theologie und auch die Ausbildung von Religionslehrern und -lehrerinnen sind diese Fragen wichtig.

Sind wir als Christen nicht besonders gefordert, verantwortlich zu handeln?

Sollte sich innerhalb der Theologie nicht intensiv auch mit solchen Fragen auseinander gesetzt werden?

Wie können diese Fragen in das Theologiestudium und in die Ausbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern integriert werden? Wie kann man Studierende darauf vorbereiten, Themen wie verantwortliches Handeln auch in der Schule zu umzusetzen?

Dieses sind Fragen, denen ich in meiner Forschungsarbeit nachgehe.


Heike Regine Bausch

Arbeitstitel:
Der Glaube im Leistungskontext des Religionsunterrichts.
Theologisieren über die Rechtfertigungslehre in der Gymnasialen Oberstufe


Fragestellungen:
Ist die didaktische Grundhaltung des Theologisierens in besonderer Weise dazu geeignet, die Rechtfertigungslehre so zur Sprache zu bringen, dass sie im Leistungskontext der Oberstufe für die Lernenden zum Identifikationsmerkmal ihres Glaubens wird? Welche dem Kerncurriculum für die Gymnasiale Oberstufe im Fach Evangelische Religion entsprechenden Kompetenzen werden dabei erworben? Was kann im Prozess des Theologisierens in dem durch das KCGO (2016) gegebenen Rahmen als Leistung bewertet werden? Wird beim Theologisieren über die Rechtfertigungslehre die Diskrepanz zwischen der Vermittlung von leistungsorientiertem Wissen und der Entfaltung einer persönlichen Glaubenshaltung überwunden?


Arbeitsziel:
Am Beispiel der Rechtfertigungslehre möchte ich herausarbeiten, dass ein dogmatisches Thema in seiner wissenschaftlichen Dimension durch die didaktische Grundhaltung des Theologisierens in der Oberstufe nicht nur der Leistungserfassung dient, sondern für die Lebensgestaltung der Lernenden relevant wird. Das Vorhaben ist dem schulischen Kontext verpflichtet und geht von einem Unterrichtsprojekt aus. Zugleich aber nimmt es die sich daraus entwickelnden Perspektiven der individuellen Frömmigkeit in den Blick, die von Seiten der Lernenden ohnehin immer impliziert sind. Ich möchte untersuchen, ob und wie die didaktische Grundhaltung des Theologisierens im Rahmen des leistungsorientierten Religionsunterrichts die »iustitia Dei« so zur Sprache bringt, dass Gott im Sinne Paul Tillichs als der Grund des Seins für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar wird.

Ein Ziel meines Unterrichtsprojekts ist es, das Wissen zu vermitteln, das sowohl ein theologisch angemessenes Nachdenken über die Rechtfertigungslehre als auch die Leistungserfassung in einem Kurs in der Oberstufe möglich macht. Gleichbedeutend daneben steht das andere Ziel: Die Prägung einer christlich-stärkenden Lebenshaltung der Lernenden, die eine angstfreie Begegnung mit den Herausforderungen der Lebensrealität über die Schule hinaus eröffnet. Die Reflexion dieser christlich-stärkenden Lebenshaltung beim Theologisieren über die Rechtfertigung aus Gnade im Glauben führt – so meine These – zur Entwicklung einer religiösen Identität. Religiöse Identität ist der Einklang der individuellen Sicht auf die Welt und auf das eigene Leben mit der Botschaft des Evangeliums. Die Rechtfertigungslehre ist die systematische Darstellung des Evangeliums in komprimierter Form.


Beim Theologisieren über die Rechtfertigungslehre fließen Kopf und Herz in einen kognitiven und erfahrungsbezogenen Prozess ein. Er findet in einer individuellen religiösen Sprachfähigkeit seine Form. Im Gespräch der Lernenden und Lehrenden im Rahmen des Religionsunterrichts wird er öffentlich. Die religiöse Sprachfähigkeit der Schülerinnen und Schüler führt zur Entwicklung einer religiösen Identität, die sie befähigt, die Rechtfertigungslehre als Rückbindung an den dreifaltigen Gott und die daraus folgende Möglichkeit einer selbstbewussten individuellen Entscheidungs- und Handlungsfreiheit im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens zu entdecken. Die Entdeckung dieser Freiheit halte ich für eine spezifisch religionspädagogische Kompetenz, die als religiöse Menschenbildung beim Theologisieren über die Rechtfertigungslehre ausgebildet wird. In der theologisierenden Auseinandersetzung mit der Rechtfertigungslehre ist der zu erwerbende Stoff nicht zu trennen von der befreienden Botschaft, die er für die Lernenden bereithält.

Silke Gütlich

„Bedarfe einer zukunftsfähigen evangelischen Jugendarbeit, fokussiert durch die haupt- und ehrenamtlichen Experten des Handlungsfeldes“ (Arbeitstitel)

Ziel der geplanten Forschungsarbeit ist die empirische Untersuchung des feldspezifischen Expertenwissens. Die evangelische Jugendarbeit befindet sich gegenwärtig in einem fragilen Zustand. Hierfür verantwortlich sind unterschiedliche Faktoren, genannt seien an dieser Stelle u.a. der demographische Wandel mit Folge der Ausdünnung einer sozialen Infrastruktur, die Zunahme von gewerblichen Anbietern im Feld der außerschulischen Jugendarbeit, die sich verändernden schulischen Rahmenbedingungen, der gesellschaftliche Wandel und die sich im Zuge dessen verändernden Entwicklungsaufgaben junger Menschen. Diesbezüglich erscheint es unabdingbar, dass die evangelische Jugendarbeit sich Gedanken um ihre Herkunft, ihre genuinen Spezifika, die Besonderheiten der gesellschaftlichen Lage und den daraus resultierenden Handlungsoptionen macht.
Neuere Untersuchungen und Publikationen zum Thema (evangelischer) Jugendarbeit, wie beispielsweise der Survey des Deutschen Jugendinstituts „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ sowie „Brücken und Barrieren - Jugendliche auf dem Weg in die Evangelische Jugendarbeit“, bieten gute Grundlagen zu Teilaspekten des Forschungsthemas, allerdings werden diese kaum aufeinander bezogen. Sie wirken eher wie ein „patchworkartiges Kunstwerk“, welches aufgrund der Vielzahl von Formen und Farben attraktiv ist, der betrachtenden Person ein dominantes Thema hingegen verborgen bleibt. Darüber hinaus ist die Würdigung des feldspezifischen Wissens der Experten bisher nur partiell erfolgt.
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit steht das Expertenwissen der haupt- und ehrenamtlichen Akteure des Handlungsfeldes. Sie werden in leitfadenbasierten Interviews eingeladen, ihre Wahrnehmung der evangelischen Jugendarbeit - unter Berücksichtigung aktueller Bedarfslagen - zu erörtern. Die leitfadengestützten Interviews werden in Anlehnung an die Grounded Theory Methodik ausgewertet. Ziel ist es, das interne Feldwissen mit den Grundlagen und Spezifika der evangelischen Jugendarbeit in Beziehung zu setzen und ein ggf. dabei entstehendes Veränderungspotential herauszuarbeiten. Handlungsleitend ist diesbezüglich die Aussage von Richard Münchmeier: „Die Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit ist nicht ohne die Perspektive der Jugendlichen zu planen.“
Die empirische Erhebung verspricht sich aufgrund der benannten Fragestellungen neue Erkenntnisse zum Thema einer zukunftsfähigen evangelischen Jugendarbeit, welche insbesondere durch die feldspezifische Erfahrung, dem Wissen um reale Lebenswelten junger Menschen, ihren individuellen Herausforderungen, regionalen Spezifika u.a. herausgearbeitet werden können. Nicht zuletzt ist davon auszugehen, dass im Experimentierfeld der evangelischen Jugendarbeit schon mancher Versuch durchgeführt wurde, um das Handlungsfeld für die Zukunft gut aufzustellen. Diesbezüglich ist zu erwarten, dass in einem Teil dieser Feldversuche das Potential für handlungsleitende Empfehlungen zwecks der Konstituierung einer zukunftsfähigen evangelischen Jugendarbeit steckt.

Damaris Knapp

„… weil von einem selber weiß man ja schon die Meinung“
Die metakognitive Dimension beim Lernen im Religionsunterricht am Beispiel des Theologisierens (Arbeitstitel)



In der Kindertheologie werden die Äußerungen der Kinder in theologischen Gesprächen vorrangig aus theologischer bzw. religionspädagogischer Perspektive auf der Ebene des Inhalts betrachtet. Es geht also darum, die Fragen der Kinder sowie ihre Deutungen wahrzunehmen, aufzugreifen und zu fördern. In meinem Forschungsprojekt soll nun die metakognitive Dimension beim Theologisieren besonders in das Blickfeld rücken.

Die Bedeutung metakognitiver Fähigkeiten für das Lernen ist bekannt. Metakognition spielt in der Forschung, in didaktischen Ansätzen und zunehmend auch im Unterricht eine Rolle – bereits ab der ersten Klasse. Die Beobachtung bei Unterrichtsberatungen und Fortbildungen zeigt jedoch, dass dies im Religionsunterricht weniger der Fall ist als in anderen Fächern. Es wird kaum danach gefragt, wie sich Kinder ihr Lernen erklären oder welche Ideen sie haben, um Einfluss auf ihr Lernen nehmen zu können. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Kinder sich keine Gedanken über ihr Lernen machen und keine Erklärungen dafür haben, wie sie Lernen bzw. wie für sie Lernen gelingen kann oder auch warum sie etwas so machen, wie sie es tun.

Während Elisabeth Hennecke (2012) grundsätzlich danach fragt, was Kinder im Laufe der Grundschulzeit im Religionsunterricht lernen und am Ende können, soll in dieser Studie die Perspektive der Kinder auf ihr eigenes Lernen beleuchtet werden. Deshalb haben hier neun- bis zwölfjährige Kinder Raum, sich über ihr eigenes Lernen Gedanken zu machen sowie ihre Gedanken und Erklärungen auszutauschen. Ausgehend von der offenen Frage „Wie sprechen Kinder von ihrem Lernen und Können beim Theologisieren und welche Aspekte kommen dabei zur Sprache?“ sollen Erklärungen und Theorien von Kindern sichtbar werden, ebenso  metakognitiven Fähigkeiten als solche.

Um möglichst nahe an die konkreten Gedanken der Kinder zu kommen, soll die Datenerhebung möglichst nahe am konkreten Unterricht angesiedelt sein. In Kreisgesprächen bzw. Gruppendiskussionen kommen die Kinder nach einem Unterrichtsprojekt zur Trinität, in der das Theologisieren eine bedeutende Rolle spielt, miteinander ins Gespräch.
Ein geeigneter theoretischer Bezugsrahmen ist dafür die Grounded Theory, die auch zur Auswertung der Daten herangezogen wird. Ein Vorteil dieses Vorgehens wird darin gesehen, dass die Generierung einer Theorie dabei in intensiver Auseinandersetzung mit dem Material selbst erfolgt. Durch das zirkuläre Vorgehen ergibt sich schließlich eine permanente Reflexion sowohl im Hinblick auf die gesamte Studie als auch in Bezug auf deren Teilschritte. Dies entspricht der offenen Fragestellung und ermöglicht ein langsames und schrittweises Erkennen.

Ziel der Studie ist es, Aussagen darüber treffen zu können was Kindern wichtig ist, wenn sie über ihr Lernen und Können nachdenken und davon sprechen, ebenso wie sie sich dieses erklären. Aufgrund der Ergebnisse und Einsichten soll schließlich nach Herausforderungen und Implikationen für den Religionsunterricht gefragt werden.

Alina Bloch

Interreligiosität in der universitären Religionslehrerausbildung. Eine qualitative Studie zum studentischen Umgang mit der Wahrheitsfrage im Plural der Religionen

Innerhalb der Forschung ist man sich weitgehend einig darüber, dass wir in einer Welt leben, in welcher mehrere Prozesse gleichzeitig in unserer Gesellschaft greifen, die auf das religiöse Leben der Menschen Einfluss nehmen: Säkularisierung, Individualisierung und Pluralisierung. In dieser zeitgenössischen Situation sind die Individuen wiederholt zur Wahl und Positionierung gezwungen. Begegnungen mit unterschiedlichen Weltanschauungen finden tagtäglich im Alltag der Menschen statt, sogenannte Patchworkreligionen entstehen aus dem pluralen, religiösen Angebot.

Angehende LehrerInnen leben demnach in einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft, die geprägt ist durch vielschichtige religiöse Pluralität (Religions- und Konfessionsvielfalt sowie die Vielgestaltigkeit der individuellen Glaubenspraxis), Individualisierung (eigene Glaubensvorstellungen werden synkretistisch aus dem Angebot der Religionen erstellt) und Enttraditionalisierung (Traditionsabbruch). Gerade angehende Religionslehrkräfte stehen vor der besonderen Herausforderung, diese drei Prozesse für ihre eigene (religiöse) Lehreridentität fruchtbar zu machen und für sich tragfähige Antworten zu religiösen Fragestellungen zu finden, die wiederum als authentische Zeugnisse in den Schulunterricht eingebettet werden können.

Eine markante Fragestellung für das eigene (religiöse) Leben stellt die Frage nach der Wahrheit dar: Warum existieren so viele Religionen (in Deutschland/in Europa/auf der Welt), die (alle) für sich einen absoluten oder relativen Wahrheitsanspruch behaupten? Wie ist die persönliche Antwort in der Spannung zwischen eigener (Nicht-)Religiosität und gesellschaftlich geforderten Toleranz auf den Wahrheits- und somit auch Heilsanspruch der Religionen zu formulieren? Im geplanten Dissertationsprojekt soll mithilfe einer qualitativen Studie herausgearbeitet werden, ob und welche tragfähigen Antworten zum Nebeneinander der Religionen und damit ihren oftmals alleinigen Wahrheitsansprüchen Studierende der ev. Religion gefunden haben. Welche Typen lassen sich klassifizieren? Und inwiefern lassen sich diese Typen mit anderen Dimensionen der interreligiösen Kompetenz verschränken? Für die Lehrerausbildung ist es wichtig zu wissen, auf welche Einstellungen und Haltungen die Dozenten innerhalb dieser Phase treffen, um angemessen auf diese eingehen zu können. Schlussendlich soll es auch mithilfe dieser Studie möglich sein, Verknüpfungen zwischen der universitären Lehre im Bereich des interreligiösen Lernens und den Auswirkungen dieser bei den Studierenden sichtbar zu machen, um Konsequenzen für die universitäre Lehrerbildung formulieren zu können.

Johanna Kallies-Bothmann

Todesvorstellungen und christliche Auferstehungshoffnung im Blickfeld der Jugendtheologie (Arbeitstitel)


Im Bereich der Jugendtheologie gibt es bislang keine größeren Forschungszusammenhänge zum Thema Tod und Auferstehung. Zwar gibt es einige Studien, die sich mit eschatologischen Vorstellungen Jugendlicher beschäftigen (insgesamt sind die Vorstellungen von Kindern breiter erforscht als die von Jugendlichen und es mangelt an Differenzierungen bezüglich des Alters, der Entwicklungs- und Schulstufen), dabei aber nicht das Blickfeld der Jugendtheologie einnehmen. Diese Studien ergeben, dass sich die Auferstehung für Jugendliche häufig als unzugänglich und zweifelhaft darstellt. Es stellt sich die Frage, wie dieses Thema für Jugendliche zugänglich werden kann. Der Tod ist nicht zwangsläufig im Alltag präsent, sondern eher in Grenzsituationen. Gerade in der Adoleszenz befinden sich das Gottesbild und die Todeskonzepte im Umbruch. Jugendliche orientieren sich einerseits stark am Gegenwärtigen, andererseits wird die Endlichkeit und Verletzlichkeit des eigenen Lebens in der Adoleszenz bewusst.
Nach Friedrich Schweitzer hat sich eine Unterscheidung in die Theologie von, mit und für Jugendliche herauskristallisiert. Bislang wird in der jugendtheologischen Forschung vornehmlich eine Dimension betont. In der geplanten Dissertation ist die Entfaltung und Erforschung dieser dreifachen Bestimmung der Jugendtheologie am Beispiel des Themas Tod und Auferstehung vorgesehen.
Nach vorausgehender intensiver fachwissenschaftlicher Erarbeitung des Gegenstandsbereichs soll in einer Unterrichtseinheit in einer neunten Jahrgangsstufe eines Gymnasiums in Kassel den Todesvorstellungen von Jugendlichen nachgegangen werden mit dem Ziel, mit den Schülerinnen und Schülern in den Prozess des Theologisierens einzutreten. Das Interesse gilt der Frage, inwiefern sich der Glaube an die Auferstehung in die (Nach-)Tod-Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler integriert. Dabei ist von Interesse, welche Todesvorstellungen bei den Jugendlichen überhaupt vorliegen, wie sich der Wandel vom Kinderglauben zum Jugendglauben in Bezug auf dieses Thema vollzieht, inwiefern es den Jugendlichen gelingt, komplementär zu denken und welche christlichen Glaubensinhalte sich überhaupt in ihren Deutungen wiederfinden. Zudem soll ergründet werden, inwiefern das Thema Auferstehung evident ist im eigenen Leben und Erleben der Jugendlichen, inwiefern die Hoffnung, die sich mit dem Glauben an die Auferstehung aus christlicher Perspektive verbindet, für die Schülerinnen und Schüler persönlich bedeutsam und lebensrelevant wird und ob sie als Bewältigungsstrategie zur Kontingenzbewältigung fungieren kann. Die transkribierten Unterrichtsgespräche sollen in Anlehnung an die Grounded Theory ausgewertet und auf Grundlage dessen eine Theorie erstellt werden, die sich sowohl theologischen Vorgaben als auch der Relevanz für Jugendliche verpflichtet weiß.
Neue Erkenntnisse sind in dreierlei Hinsicht zu erwarten: a) Es kann exemplarisch aufgezeigt werden, wie die drei Dimensionen des Theologisierens in Planung, Durchführung und Reflexion ineinander greifen. b) Es können Gelingensbedingungen für die Thematisierung des ebenso sensiblen wie bedeutsamen Themas Tod und Auferstehung auf Seiten der Lehrenden und auf Seiten der Lernenden aufgezeigt werden. c) Es soll ein Beitrag geleistet werden zur Diskussion um Möglichkeiten und Grenzen subjektiver Erfahrbarkeit von Hoffnung (am Beispiel der Auferstehungshoffnung) im Rahmen des Religionsunterrichtes.

Abgeschlossene Dissertationen und Habilitationen

Dr. Britta Konz

Von der Rückeroberung der Zeit.
Eingedenken-lernen im Religionsunterricht

Die Arbeit „Von der Rückeroberung der Zeit versteht sich als ein an der jüdisch-christlichen Tradition orientierter Beitrag zum aktuellen Erinnerungsdiskurs. Sie fragt nach Möglichkeiten eines spezifisch theologischen Umgangs mit Geschichte und Erinnerung im Religionsunterricht, der nicht zu heilsgeschichtlichen Konzeptionen zurückführt. Ausgehend von Hartmut Rosas These der Geschichte der Beschleunigung in der Moderne werden in der Arbeit das Gegenwartserleben und die Erfahrungsbildungsprozesse von Jugendlichen in den Blick genommen. Hierbei zeigt sich, dass die Verarbeitung von Erlebnissen zu genuinen Erfahrungen (W. Benjamin) und der Aufbau von Geschichtsbewusstsein elementar zum Identitätsfindungsprozess dazu gehören und im schulischen Unterricht durch bewusste Reflexionsprozesse unterstützt werden müssen. Hierfür wird in der Arbeit, in einem interdisziplinären Diskurs, das Konzept des Eingedenken-lernens entwickelt. Das Eingedenken-lernen baut auf den theologischen Grundlagen des Theologisierens mit Jugendlichen auf und führt dieses mit Elementen der ästhetischen Bildung, insbesondere der künstlerischen Spurensuche zusammen. Durch kreative Gestaltungsprozesse werden Möglichkeiten erschlossen, dass Schülerinnen und Schüler in das Theologisieren über das Erinnern hineinfinden und zudem Erfahrungen und Gedanken „mitteilen“, die sie verbal (noch) nicht artikulieren können. Das Eingedenken-lernen bahnt eine Haltung der Generativität an, die Schülerinnen und Schüler später befähigen soll, neue Kulturträger zu etablieren und Verantwortung für die heranfolgenden Generationen zu übernehmen. Sie werden als Subjekte der Erinnerung ins Zentrum gerückt und in den Prozess der Gestaltung des kommunikativen und kulturellen Gedächtnisses hineingenommen.Gerade im Religionsunterricht kann eine einseitige Orientierung an Fortschritt, am Profitablen, Machbaren und Optimierbaren hinterfragt und Religion als Unterbrechung des Alltäglichen erlebt werden. Das biblische Erinnern, so eine zentrale These der Arbeit, ist ein Eingedenken in der Perspektive der Hoffnung, das das Leben mit allen seinen scheinbaren Selbstverständlichkeiten hinterfragt. Es soll irritieren und zum Umdenken und verantwortlichen Tun anregen. Im besten Falle ereignet sich durch die Begegnung mit dem Vergangenen und ihre Tradierung etwas Neues, Produktives, Veränderndes. Das biblische zachor! Erinnere dich! will ethische Impulse für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft freisetzen. Es geht darum, im Angesicht der Vergangenheit den Raum der Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Ziel des Eingedenken-lernens ist es zudem, Raum zu geben für die Hoffnung darauf, dass es eine bessere Welt geben kann und geben wird und für die Erfahrung, dass Gott mitleidet und im Leid anwesend ist. Gerade im Religionsunterricht können Schülerinnen und Schüler Hoffnungen und Ängste thematisieren und Entlastung erfahren, indem deutlich gemacht wird, dass der Mensch zwar in die Verantwortung gestellt ist, aber auch auf eine Versöhnung hoffen darf, die außerhalb seiner Selbst vollzogen wird.

Karina Möller

„Für die göttliche Erfahrung muss die Chemie stimmen.“
Persönliche Gotteserfahrungen von Oberstufenschüler/innen aus jugendtheologischer Perspektive

„Verbalisieren Jugendliche persönliche Erfahrungen als Gotteserfahrungen?“ Diese Frage stellte ich mir erstmals nach einer Unterrichtsbeobachtung im Rahmen der Forschungswerkstatt in einem Oberstufenkurs. Sie motivierte mich nicht nur zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema der Gotteserfahrung, sondern wurde zur zentralen Forschungsfrage meiner Dissertation.
In einer empirisch angelegten Forschungsarbeit bin ich der Frage schließlich nachgegangen, indem ich mittels Impulstexte mehrheitlich religiös-sozialisierte Oberstufenschüler/innen explizit nach ihren persönlichen Gotteserfahrungen befragt und in Anlehnung an die Grounded Theory ausgewertet habe.
Im Dialog mit Oberstufenschüler/innen über ihre persönlichen Gotteserfahrungen konnten so Erkenntnisse für eine Theologie von, für und mit Jugendliche(n) gewonnen werden. Den Ausgang bilden Erhebung und Auswertung der Schülerpositionen als eine Theologie von Jugendlichen. Die Auseinandersetzung mit theoretischen Grundlagen und praktischen Arbeiten der Jugendtheologie sowie unterschiedlichen Positionen der religionspädagogischen und systematisch-theologischen Tradition zum Erfahrungsbegriff behandelte ich unter der Theologie für Jugendliche. Auf der Grundlage beider konnte ich abschließend theoretische und praktisch-unterrichtskundliche Überlegungen zum Themenfeld der Gotteserfahrungen als einer Theologie mit Jugendlichen anstellen und darlegen. Mit Hilfe der drei Kernthesen „Gotteserfahrungen sind Glaubenserfahrungen, Lebenserfahrungen und Beziehungserfahrungen“ konnten einige Erkenntnisse gegenwärtiger und vergangener entwicklungspsychologischer Theorien und religionspädagogischer Studien kritisch hinterfragt, falsifiziert oder auch verifiziert werden. Für die Praxis war es mich wichtig aufzuzeigen, wie das Theologisieren mit Jugendlichen, welches eine kognitive Einseitigkeit von sich weist, jedoch nur wenige inhaltliche-methodische Ansätze zur Überschreitung des Kognitiven aufweist, mittels erfahrungsorientierter Konzepte mit ihrer affektiven Dimension zu einem ganzheitlichen Lernen angereichtet werden kann, damit Jugendliche zu „kognitiver Klarheit und emotionaler Sicherheit“ gelangen können. Das erscheint vor dem Hintergrund eines vorherrschend naturwissenschaftlichen Weltbildes, wie es viele der Jugendlichen mitbringen, - so auch im Titel der Arbeit dargestellt, - als unerlässlich.
Meine Ergebnisse, die ich in die aktuelle religionspädagogische Debatte zu facettenreichen Einzelaspekten des Themenfelds der Gotteserfahrungen stelle, sollen sich als Impuls für künftige Forschungsarbeiten der Jugendtheologie verstehen.

Meine Dissertation ist bei kassel university press in der Reihe „Beiträge zur Kinder- und Jugendtheologie“ (herausgegeben von Petra Freudenberger-Lötz) in Band 34 veröffentlicht.

Daniel Faßhauer

Kirche, Jugend, Internet. Die Landeskirche von Kurhessen Waldeck im Netz – Erreichbarkeit und Einbindung der jungen Generation nach der Konfirmation mittels einer speziellen Homepage

Ausgehend von der starken Bruchstelle im Kontakt zwischen Jugendlichen und der Kirche nach der Konfirmation stellt sich die Frage, wie Jugendliche nach der Konfirmation auch weiterhin angesprochen werden können. Dabei richtet sich der Fokus der Arbeit auf das gegenwärtig zentrale Medium Internet und die dahingehenden Möglichkeiten, um mit einer speziellen Webseite junge Menschen anzusprechen und in Kontakt mit der Kirche zu halten. Exemplarisch wird dies anhand der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck untersucht. Im Rahmen der theoretischen Vorüberlegungen zeigt sich, dass die Kirche gemäß ihrem Öffentlichkeitsauftrag die Chancen des Internets nutzen sollte – zumal sich die Jugend bei der Zielgruppenbetrachtung als Medienjugend darstellt. Als primäres Medium des Alltags und der Freizeit kommt dem Web ein hoher Stellenwert im gegenwärtigen Jugendleben zu. Zugleich werden Veränderungen in der religiösen Einstellung der Heranwachsenden deutlich, welche sich neben den alterstypischen Einbruchsstellen durch Individualisierung und einen Verlust an Kirchenbindung auszeichnet.

Vor diesem Hintergrund analysiert die Arbeit den Ist-Zustand in Form der seit 1996 bestehenden landeskirchlichen Homepage. Neben einem professionellen Erscheinungsbild ist die Seite inhaltlich und gestalterisch für Erwachsene ausgelegt. Für Jugendliche bietet die bestehende Seite unterdessen keine adäquaten Inhalte oder ansprechenden Angebote. Dieses Bild bestätigt sich bei einer überblicksartigen Betrachtung weiterer christlicher Internetauftritte, welche keine Angebote für diese Altersgruppe bieten und damit den Handlungsbedarf deutlich machen.

Ausgehend von dieser bestehenden Lücke rückt eine zweigeteilte quantitative und qualitative empirische Erhebung die Zielgruppe selbst in den Mittelpunkt. Neben zwei Fragebögen, welche flächendeckend in dem Kirchenkreis Hersfeld erhoben wurden (2013; 419 befragte Konfirmanden), vertiefen und bestätigen zwei leitfadengestützte Kleingruppengespräche die gewonnenen Erkenntnisse. Innerhalb der interdisziplinären Erhebung zeigt sich ein hohes Interesse der Heranwachsenden an einer speziellen Jugend-Homepage, welche von mehr als der Hälfte der Befragungsteilnehmer genutzt würde. Neben den Wünschen der Jugendlichen werden auch Anregungen und Korrelationen erhoben und Potenziale dargelegt, welche die positive Einstellung weiter untermauern. Eine solche Seite wird mehrheitlich gewünscht und könnte somit die Schnittstelle nach der Konfirmation verringern.

Insgesamt ergeben die Auswertungen der empirischen Erhebungen acht Handlungsimpulse, welche für einen Kontakterhalt zwischen den Jugendlichen und der Kirche erforderlich sind: Sowohl die Konfirmadenzeit als auch vorherige Beteiligungsformen sind wichtig und bedürfen einer verstärkten Fokussierung. Ebenso sollten die Übergänge zwischen der Konfirmandenzeit und der nachfolgenden Jugendzeit fließender sein. Des Weiteren ist eine speziell für Jugendliche erstellte Webseite nach der Konfirmation notwendig, welche Partizipation ermöglicht und den Wünschen der Jugendlichen Rechnung trägt. Zugleich sollte die Seite ein Alleinstellungsmerkmal in Hinblick auf religiöse Begleitung beinhalten, da diese über eine solche Webseite möglich ist. Neben einer Internetseite, die ein vielfältiges Angebot bietet, ist ein Gesamtkonzept zu entwickeln, welches auch die weiteren Familienmitglieder einbezieht. Unter Berücksichtigung dieser Impulse kann eine Jugend-Homepage fruchtbar eingesetzt werden, um langfristig zu einem Kontakterhalt beizutragen. Die Arbeit unterstreicht somit das große Potenzial, welches das Internet und eine Jugend-Homepage für die Kirche und ihre Jugendarbeit bieten kann.

Die Dissertation ist bei kassel university press in der Reihe „Beiträge zur Kinder- und Jugendtheologie“ (herausgegeben von Petra Freudenberger-Lötz) veröffentlicht:

http://www.upress.uni-kassel.de/katalog/schriftenreihe.php?Jugendtheologie.htm


Ina Bösefeldt

Geschlechterspezifika von Gottesverständnis und Gottesbeziehung von acht Jungen und acht Mädchen, die in mehrheitlich konfessionslosen Kontext aufwachsen (Mai 2009)

Seid April 2005 arbeitete ich an der Auswertung der „Rostocker Langzeitstudie zu Gottesverständnis und Gottesbeziehung von Kindern, die in mehrheitlich konfessionslosem Kontext aufwachsen“ mit. Die inhaltliche, methodische und organisatorische Verantwortung für die 1999 begonnene Studie lag bei Frau Prof. Dr. Anna-Katharina Szagun. Mein Schwerpunkt im Rahmen der Auswertung der Langzeitstudie ist die ‘Gender-Frage’: Gibt es Unterschiede in der religiösen Entwicklung von Jungen und Mädchen aus Rostock? Und wenn ja, welcher Gestalt sind sie? Die Forschung ist bis dato zu der Einsicht gelangt, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede in der religiösen Entwicklung gibt. Um diese näher beschreiben und analysieren zu können, fehlt es allerdings vor allem an detaillierten Langzeitbetrachtungen. Zudem sind in der bisherigen Forschung die Gruppe der Jungen sowie die Gruppe der Kinder, die in einem mehrheitlich konfessionslosen Kontext aufwachsen, nur äußerst marginal präsent. Diesen beiden Forschungsdesideraten wird durch die Anlage der Arbeit entsprochen.

Im ersten Teil der Arbeit wird die theoretische Basis grundgelegt. D.h. in erster Linie, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den Begriffen Gotteskonzept und Gender/Geschlecht stattfindet. Im zweiten Schritt wurde eine Methodologie entwickelt, die den qualitativ erhobenen Daten der Langzeitstudie gerecht zu werden bemüht ist. Das Miteinander von Theorie, bisherigem Forschungsstand und Methodologie mündet in einem Fragenkatalog. Zum einen geht es um Fragen zum Beziehungs- und Kommunikationsverhalten der Heranwachsenden zum anderen um Fragen zum eignen Geschlechtsverständnis und zur Geschlechtlichkeit Gottes. Die Auswertung der Daten unter den spezifischen Fragestellungen führt zur Erstellung so genannter Profile der Heranwachsenden. Die Profile spiegeln die Entwicklung von Gottesverständnis und Gottesbeziehung in konzentrierter und geschlechtsspezifisch fokussierter Form.

Im letzten Schritt werden dann die Einsichten, die sich aus den Profilen der Heranwachsenden ergeben, mit den bisherigen Forschungsergebnissen ins Gespräch gebracht, um auf diesem Wege einen Beitrag zum Verständnis der Geschlechterspezifika von Gottesverständnis und Gottesbeziehung von Jungen und Mädchen zu leisten.

Anke Kaloudis

Den Horizont offen halten - Religionsdidaktik in religionsphilosophischer Perspektive.

Dargestellt anhand Frage: Ist der Mensch ein „homo religiosus?“ (Sekundarstufe II).

Evangelischer Religionsunterricht sieht sich gegenwärtig unterschiedlichen Herausforderungen gegenüber. Er muss sich im Bereich der aktuellen Bildungsdiskussion verorten (Bildungsbegriff, Bildungsstandards, Kompetenzen), die Folgen der Säkularisierung (Bedeutungsverlust institutionalisierter Religion) und Globalisierung (Aufeinandertreffen unterschiedlicher Religionen) in seine Didaktik mit einbeziehen und sich an der Religiosität und der Entwicklung Jugendlicher ausrichten, soll er auf dem Weg zum Erwachsenwerden für Schüler und Schülerinnen eine Bedeutung haben. In der Schullandschaft geriert er sich in vielfältiger Gestalt unter anderem als konfessionell getrennter oder kooperativer, als religionskundlicher oder –geschichtlicher Unterricht, unabhängig von darüber hinausweisenden Modellen, in denen seine konfessionelle Prägung kaum noch erkennbar ist wie bei dem „Hamburger Religionsunterricht für alle“ oder dem Unterricht in LER in Brandenburg.

Die Dissertation „Den Horizont offen halten - Religionsdidaktik in religionsphilosophischer Perspektive“ verfolgt das Ziel, unter Berücksichtigung der oben genannten Herausforderungen für Evangelischen Religionsunterricht ein didaktisches Modell zu entfalten, das seinen Schwerpunkt in der Religionsphilosophie hat. Positioniert sich herkömmlicher Religionsunterricht zwischen Erziehungswissenschaft und Evangelischer Theologie, so wird in dem hier entwickelten Entwurf die Religionsphilosophie zur „Bezugwissenschaft“ der Erziehungswissenschaft, weil sie eine adäquate Form darstellt, auf die oben genanten Herausforderungen angemessen zu reagieren. Die Dissertation zeigt deshalb mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung im Kontext der Forschungslage einerseits Anschlussmöglichkeiten an das Konzept der „Kinderphilosophie“ und „Kindertheologie“ und macht auf der anderen Seite Verbindungen zum Elementarisierungskonzept von Wolfgang Klafki oder Karl Ernst Nipkow deutlich.

Anhand eines Unterrichtsmoduls aus der Sekundarstufe II (Ist der Mensch ein „homo religiosus?“) wird der hier beschriebene didaktische Ansatz für Evangelische Religion exemplifiziert und auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft werden. D.h. mit Hilfe konkret gestalteter und ausgewerteter Unterrichtsprozesse wird der Frage nachgegangen werden, welche Bildungsprozesse bei Schülern und Schülerinnen mit Hilfe eines religionsphilosophischen Ansatzes ausgelöst werden.

Christina Lange

Dietrich Bonhoeffer im Religionsunterricht (Januar 2008)

In meiner Arbeit habe ich untersucht, ob und wie Dietrich Bonhoeffer Gegenstand des Religionsunterrichtes ist. Die Arbeit besteht aus zwei Teilen, einer empirischen Untersuchung und didaktisch-methodischen Überlegungen.

Die empirische Untersuchung ergab, dass Bonhoeffer in verschiedenen thematischen Zusammenhängen in einem Großteil der Lehrpläne für Evangelische Religion und in etlichen Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien der Sekundarstufen I und II Erwähnung findet.

In den didaktisch-methodischen Überlegungen werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie im Unterricht das Interesse an Bonhoeffer geweckt werden kann, was m.E. am besten gelingt, wenn lebensweltliche Bezugspunkte aufgezeigt werden. So werden verschiedene biographische und theologische Anknüpfungspunkte vorgestellt und Begegnungsmöglichkeiten mit Bonhoeffer in seinen Gedichten und seiner Darstellung in Kunst, Musik und Film aufgezeigt.

Die Arbeit ist veröffentlicht bei kassel university press: http://www.upress.uni-kassel.de/online/frei/978-3-89958-439-4.volltext.frei.pdf

Stefan Piasecki

Erlösung durch Vernichtung ?!
Unterhaltung, Technik-Faszination und Muster des Religiösen im Videospiel – eine explorative Studie an Schnittpunkten von Religionspädagogik, Sozialwissenschaften und Game Studies

Stefan Piasecki

Computer- und Videospiele gelten als gewaltverherrlichend, zumindest aber als gewaltverharmlosend, und werden ebenso mit dem Nachlassen von schulischen Leistungen wie auch Schulmassakern in Verbindung gebracht. In der öffentlichen Diskussion erscheinen Videospiele als Medium mit Gefährdungspotenzial, in dem sich gerade junge Menschen verlieren können. Erst in jüngerer Vergangenheit werden Videospielen nun zunehmend auch positive Eigenschaften zugeschrieben.

Gleichzeitig wachsen soziale Netzwerke als technikgestützte Sozialisationsinkubatoren, werden immer neue Teile des Lebens „e-kommerzialisiert“ und greifen Verfahren und Problemlösungsmechanismen, die im Rahmen von und für Videospiele entwickelt wurden, über in die reale Welt; hier wird neuerdings vom Prozess der „Gamification“ gesprochen. „Augmented Reality“ umschreibt die Einblendung von Daten und Informationen aus virtuellen Informations- und Kommunikationsnetzwerken in die realweltliche Wahrnehmung. Wissensvermittlung und Verhaltenssteuerung dürfen „Spaß“ machen.

Dennoch glauben Menschen nach wie vor. Auf Basis von Vermutungen und Hoffnungen und vor dem Hintergrund von Ängsten werden Lebensentscheidungen getroffen. Wer bedient diese existenzielle Fragen heute? Religion jedenfalls, so scheint mit Gräb feststellbar zu sein, zeigt sich heute nicht nur in Kirchen, sondern auch anderswo – nicht zuletzt in den Medien. Religion hat aber vor allem und immer noch mit den „großen Fragen“ zu tun – und das sind nicht nur die Themen der Bibel oder des Films sondern auch jene des Videospiels, denn sie sind gleichzeitig traditionell Orte voller Mythen, Rätsel, Sagen und auch Religion.
Erste Spiele stellen Spieler vor moralische Entscheidungen. Inhalte und Erfahrungsrahmen ergeben sich nicht mehr durch vordefinierte Skripte sowie technische Bedingungen und Begrenzungen, sie sind immer mehr das Ergebnis freier menschlicher Entscheidungen und Handlungen in ansonsten zunehmend umfangreichen Spielwelten. Die traditionellen Begrenzungen zwischen (fiktivem) Spiel und (realer) Lebenswelt verschwimmen. So gut wie alle technischen Geräte erlauben heute eine Form von Spiel. Computer- oder Videospiele melden sich selbsttätig zurück und informieren bspw. über das Smartphone von gegenwärtigen Vorgängen in der Spielwelt.
Wenn Spiele also in die Lebenswelt übergreifen und Verhalten und Denken beeinflussen können, ist es an der Zeit zu berücksichtigen, wer eigentlich mit welchen Intentionen diese Spiele entwickelt.

Angelehnt an die klassische Kommunikatorforschung wird gefragt:
-    Wer erzeugt mit welcher Intention bei Betrachtern und Nutzern bestimmte Emotionen, verbreitet Inhalte und vermittelt Werte?
-    Welche (Lern-, Bildungs-, Unterhaltungs- etc.) Ergebnisse werden damit beabsichtigt?
-    Welche Rollen spielen Religion, Konfession und die eigenen weltanschaulichen Überzeugungen?

In einer an der Berliner Games Academy durchgeführten Studie wurden erstmals junge Spieleentwicklerinnen und -entwickler nach ihren weltanschaulichen Ansichten befragt.

Mit dieser Arbeit werden gerade aus religionspädagogischer und sozialwissenschaftlicher Sicht unter Berücksichtigung von Erkenntnissen, Theorien und weiterer Aspekte der Medientheorie und Rezeptionsforschung relevante Fragen thematisiert und an Spieleentwickler herangetragen in der Hoffnung, durch eine größere inhaltliche Bandbreite die einzelnen Fachdiskurse auf neue oder angrenzende Themenfelder hinzuweisen und anschlussfähig zu machen. Wie Menschen Medien rezipieren, welche Auswirkungen sich dabei zeigen, wie sich dadurch ihr Leben und Verhalten verändert, welche Lebensformen im realen und virtuellen Sozialraum sich entwickeln oder absterben und wie diese Lebensräume geprägt werden und wie sie zurück prägen erscheint als Aufgabe mit interdisziplinärer Stoßrichtung. Theologie, Sozialwissenschaften, Pädagogik, Psychologie und die junge Wissenschaft der Game Studies sollen durch diese explorative Arbeit verstärkt ins Gespräch kommen.

Annike Reiß

Jugendliche deuten neutestamentliche Wundererzählungen. Erträge der Forschungswerkstatt „Theologische Gespräche mit Jugendlichen“ (Arbeitstitel)

In den letzten Jahren hat die Kindertheologie aufgrund zahlreicher Forschungsprojekte eine deutliche Profilierung erfahren; insbesondere der Primar-, aber auch der Elementarbereich sind hierzu untersucht worden. Das Theologisieren mit Jugendlichen in der Sekundarstufe ist jedoch nahezu unerforscht. Ziel der Studie ist es, Einblicke in das theologische Denken (und Sprechen) von SchülerInnnen in der Pubertät zu erhalten, um daraus Schlüsse für ein Konzept der Jugendtheologie zu ziehen. Kennzeichnend für den Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe ist der beginnende Umbruch im Denken und Weltbild der SchülerInnen: Die magische Vorstellungswelt des Kindes wandelt sich zum naturwissenschaftlichen Erklärungsmodell des Jugendlichen.

In der Begegnung mit biblischen Wundererzählungen innerhalb der angesprochenen Altersphase treten dieser Übergang sowie damit einhergehende Konflikte offen zu Tage. In der Mitte der Sekundarstufe I hat das naturwissenschaftliche Weltbild die magischen Vorstellungen der Kindheit in der Regel vollständig verdrängt - mit der Konsequenz, dass Jugendliche Gott entweder außerhalb, also nicht in das weltliche Geschehen eingreifend, denken oder auch in ihrem Inneren als ein Gefühl ansiedeln. In den biblischen Wundergeschichten wird aber gerade von einem Eingreifen Gottes in die Welt erzählt; das neutestamentliche Wirklichkeitsverständnis lässt keinen Zweifel an Gottes Möglichkeit, in und an der Welt zu handeln. Es ist also zu erwarten, dass die Beschäftigung mit Wundererzählungen eine wesentliche Einbruchstelle im Glauben Jugendlicher berührt. Es werden aber auch zentrale theologische Fragen, die in die christliche Dogmatik hineinführen, berührt: Wer ist Jesus? (Christologie); Wen rettet Jesus? (Soterologie); Was ist der Mensch vor Gott? (Theologische Anthropologie). Von daher erscheint die Wunderthematik geeignet, mit Jugendlichen in das Gespräch über ihre Vorstellungen von Gott und Jesus Christus sowie ihre (zu erwartenden) Zweifel zu kommen.

Aufgrund der fehlenden oder nur geringfügig vorhandenen Forschungsarbeiten zur Jugendtheologie und zur Wunderdidaktik in der Sekundarstufe I können für das Forschungsvorhaben zunächst nur offene und vorläufige Fragen formuliert werden. Diesen Fragen soll im Rahmen der im Sommersemester 2008 begründeten Forschungswerkstatt in der Religionsdidaktik der Universität Kassel (Titel: Forschungswerkstatt „Theologische Gespräche mit Jugendlichen") nachgegangen werden. Dabei knüpft das Konzept der Kasseler Forschungswerkstatt an die Erfahrungen der Karlsruher Forschungswerkstatt zu Theologischen Gesprächen mit Grundschulkindern an. Im Rahmen der Kasseler Forschungswerkstatt zu Theologischen Gesprächen mit Jugendlichen unterrichten ca. 10 Studierende SchülerInnen einer 8. Klasse in Kleingruppen. Im Sinne der Aktionsforschung lernen die Studierenden eine forschende Haltung ihrem eigenen Unterricht gegenüber einzunehmen. Sie transkribieren entscheidende Unterrichtssequenzen, die sie gemeinsam mit den Dozierenden unter bestimmten Fragestellungen reflektieren. Das Durchlaufen dieses Zirkels von Aktion und Reflexion trägt zur Professionalisierung der Studierenden bei. Darüber hinaus ist die Arbeit in der Forschungswerkstatt mit einem übergreifenden Forschungsauftrag verbunden: Aufgrund der charakteristischen Prozessorientierung der Forschungswerkstatt werden vorläufige Erkenntnisse im Blick auf die Theoriegewinnung benannt und beeinflussen den weiteren Verlauf der Forschungsarbeit.

Ziel des Projektes ist es, einen ersten empirisch erhobenen und gegenstandsverankerten Forschungsbeitrag zur Jugendtheologie zu liefern. Des Weiteren soll die Forschung zur Wunderdidaktik in der Sekundarstufe vorangetrieben werden. 

Meike Rodegro

Zwischen Urknall und Schöpfung“. Eine empirische Untersuchung im Religionsunterricht der Sekundarstufe II

Fragestellung und Ziele

Am Beispiel von naturwissenschaftlichen Weltentstehungstheorien und biblischen Schöpfungserzählungen wurde der Zusammenhang von jugendlichen Voreinstellungen und individuellen Bewertungsstrategien untersucht. Ziel der Datenerhebung und -auswertung war es, zu testen, wie Schülerinnen und Schüler (im Folgenden abgekürzt: SuS) das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube bestimmen und ob sich die wissenschaftstheoretisch diskutierten Strukturtypen einer Verhältnisbestimmung im Modus des Konfliktes, der Trennung und des Dialogs empirisch messen lassen? Grundlage der Messinstrumente sind britische sowie deutsche Studien in diesem Bereich.

Um Jugendliche mit unterschiedlichen Ebenen von "Wahrheit" vertraut zu machen (Schweitzer 2003) sowie Chancen und Grenzen des Dialogs zu eröffnen (Barbour 2003; Kropač 1999; Polkinghorne 2001), sollte das Denken in Komplementarität (Reich 1995, 1996, 2001) anhand einer Unterrichtseinheit gefördert werden. Leitend waren dabei die folgenden Forschungsfragen:

1. Welchen Einfluss üben Variable, wie z. B. Einstellungen, Interessen sowie Religiosität auf die Entwicklung von Vereinbarungsstrategien zum Thema "Urknall" und "Schöpfung" aus?

2. Lassen sich Vermittlungsstrategien zum Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie fördern?

Methodischer Zugang

Zum einen wurde ein geschlossener Fragebogen zu drei Erhebungszeitpunkten, und zwar vor und nach der Unterrichtsreihe (Pre-, Post-, Follow-up-Test) eingesetzt. Der Fragebogen ist teilweise als Replikationsstudie angelegt (Gibson 1989, 1996; Rothgangel 1999). Innerhalb einer Voruntersuchung an 200 SuS wurden die Daten mit Hilfe von SPSS 12 auf Reliabilität und Validität getestet und analysiert.

Zum anderen erfolgte eine Datenerhebung innerhalb eines qualitativen Settings, in dem die an der Hauptuntersuchung teilnehmenden SuS auf der Grundlage offener Satzanfänge ihre jeweiligen Standpunkte darlegten. Das konkrete Unterrichtsgeschehen wurde durch videogestützte teilnehmende Beobachtung dokumentiert. Die entscheidenden Abschnitte der videografierten Unterrichtssequenzen wurden transkribiert. Die Auswertung der SuS-Texte wie auch die Auswertung der Transkripte erfolgte auf der Basis der Qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring 2003, 2005).

Die Dissertation ist bei kassel university press in der Reihe „Beiträge zur Kinder- und Jugendtheologie“ (Hg: Petra Freudenberger-Lötz) veröffentlicht:

www.uni-kassel.de/upress/publi/schriftenreihe.php

Nina Rothenbusch

Studentische Gottesvorstellungen – Empirische Untersuchungen zur Professionalisierung der Wahrnehmung


Während eines aufwendigen qualitativen Untersuchungsprozesses wurden drei Kategorien  studentischer Gottesvorstellungen  ermittelt. Diese drei Kategorien bezeichnen „christlich-dreieinige“, theistische oder deistische“ und esoterisch-transzendente“ Vorstellungen von Gott. Diese drei Typen konnten im Bezug auf ihre Fähigkeiten innerhalb von drei kompetenzrelevanten Dimensionen deutlich gegeneinander abgegrenzt werden. Wobei aus religionspädagogischer Perspektive betrachtet, in allen Dimensionen, eine zunehmende Kompetenz von der „esoterisch-transzendenten“ hin zur „christlich dreieinigen“ Gottesvorstellung zu erkennen war. 

Eine allgemeine kompetenzorientierte, ausbildungskritische Betrachtung der Ergebnisse zeigte, dass die Eingangskompetenzen oder Voraussetzungen Studierender zu Beginn des Theologiestudiums stark voneinander differieren.

Die Ergebnisse innerhalb der Fragestellung zur theologischen Dimension (individuelles, theoretisches und theologischesWissen des Studierenden) geben Anlass zu der Vermutung, dass ein zu großer Teil über zu wenig Wissen oder eine geringe religiöse Bildung verfügt.
Die Auswertungen zur religionspädagogischen Dimension (Fähigkeit,theologisches Wissen mit religionspädagogischem Handeln zu verknüpfen) zeigten ein echtes Bemühen seitens der Studierenden, was für zielführendes religionspädagogisches Handeln jedoch nicht ausreicht.
Die Ergebnisse innerhalb der selbstreflexiven Dimension deuteten darauf hin, dass ein großer Teil der Studierenden grundsätzlich bereit war, sich kritisch mit der eigenen Sicht, dem eigenen Handeln auseinanderzusetzten und außerdem auf der Suche nach religiöser Orientierung zu sein scheint.

Die Ergebnisse belegen, dass bei vielen Studierenden nicht von einer stabilen, eigenen religiösen Identität ausgegangen werden kann. Es stellt sich die Frage, wie Studierende vor diesem Hintergrund künftig kompetenzorientiert Religionsunterricht erteilen und Kindern und Jugendlichen eine Aneignung von Orientierungsgrößen zur Weltdeutung aus christlicher Perspektive ermöglichen wollen. Studierende wenden sich aktuellen Untersuchungen zufolge, auf der Suche nach Antworten auf ihre religiösen Fragen, sehr bewusst dem Theologiestudium zu und sind hinsichtlich ihrer individuellen religiösen Entwicklung auf Impulse seitens der Universität angewiesen. Universitärer Ausbildung kommt unter diesen Bedingungen eine hohe Bedeutung innerhalb des religiösen Bildungsprozesses der Studierenden zu.

 

Isabel Schneider-Wölfinger

Höre beim Reden. Zu Perspektivwechsel und kompetenzorientiertem Lehrerhandeln in der Kindertheologie (August 2008)

Kinderphilosophie und Kindertheologie stehen in enger Beziehung. Von der Kinderphilosophie kommend, interessierte mich zunächst, was Kindertheologen überhaupt machen. Ich untersuchte drei Vertreter genauer: Rainer Oberthür hat die Philosophie und das Fragen der Kinder in den Religionsunterricht hineingetragen, Anton Bucher hat sich vor allem mit der empirischen Erforschung der Kinder als Theologen beschäftigt und den Begriff Kindertheologie geprägt, Petra Freudenberger-Lötz hat des Weiteren die Professionalisierung der Lehrkräfte im Blick.

Neben der Kinderphilosophie als Wegbereiter für die Kindertheologie ist der Perspektivwechsel, die neueren Kindheitsforschungen und der Konstruktivismus zu sehen. Ob man die Welt tatsächlich mit den Augen der Kinder sehen kann, wie auf dem Kirchentag von 1994 gefordert, war daher eine zentrale Frage und kann nur eingeschränkt bejaht werden.

Für die Gestaltung des Religionsunterrichts kann jedoch auf diese Frage nicht verzichtet werden, sodass Kindertheologie in die religionspädagogischen Konzeptionen eingeordnet wurde, nicht als Konzeption sondern als eine grundständige Haltung gegenüber den Schülerinnen und Schülern. Es geht darum, die je eigenen theologischen Deutungen und Denkweisen der Kinder wahrzunehmen, anzuerkennen und zu fördern.

Daran schloss sich die Frage nach den Kompetenzen der Lehrkraft an, um einen kindertheologischen Religionsunterricht gestalten zu können. Abschließend untersuchte ich an mehreren Unterrichtsbeispielen aus den Veröffentlichungen zur Kindertheologie, ob sich diese Kompetenzen aus den Darstellungen ableiten lassen. Dies ist für alle Kompetenzen gleichzeitig nicht möglich, sondern ist von der Intention der Verfasser abhängig. Mal sind es die vorbereitenden Kompetenzen, mal die Gesprächsführung oder die Gestaltung insgesamt.

Hieraus ergeben sich Forderungen, auch die weniger gelungenen Passagen darzulegen, um den Lesern den Einstieg in die Kindertheologie zu erleichtern. Des Weiteren sind unterstützende Systeme, wie eine Kartographie nach Themen und den möglichen und tatsächlichen Deutungen der Schülerinnen und Schüler zur Vorbereitung sinnvoll, um das theologische Denken von Kindern zu fördern und die Lehrkräfte in ihrem Alltag zu entlasten.

Die Arbeit ist veröffentlicht bei kassel university press: http://www.upress.uni-kassel.de/online/frei/978-3-89958-882-8.volltext.frei.pdf

Ulrike Slezak

Religiöse Erziehung. Biographische Studien im Horizont der Stufentheorie nach Oser/Gmünder und religionspädagogische Konsequenzen (Januar 2008)

Unser heutiges Leben ist durch starke Wandlungsprozesse gekennzeichnet. Wir müssen schnell auf Veränderungen reagieren. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen daher das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, um den Anforderungen, die an sie gestellt werden, gewachsen zu sein.

Welche Bedeutung hat im Zusammenhang ihrer Selbstwerdung Religion? Ist eine religiöse Erziehung wichtig und - wenn ja - wie sollte diese aussehen?

Ausgehend von vier Biographien (1. der Psychotherapeut Tilmann Moser, 2. die Schriftstellerin Christine Brückner, 3. der Theologe Fritz Reber und 4. der Sänger Xavier Naidoo) und ihrer vergleichenden Darstellung wird herausgearbeitet, wie Religion jeweils erfahren und gelebt wird.

Zur Einordnung der Resultate wird die Stufentheorie nach Fritz Oser und Paul Gmünder („Der Mensch. Stufen seiner religiösen Entwicklung“, 4. Aufl. 1996) herangezogen.

In Grenzsituationen des Lebens, in denen es um Kontingenzbewältigung geht, kommen teilweise überraschende religiöse Reaktions- und Deutungsschemata zum Tragen. Welche Konsequenzen sind nun aus den Ergebnissen für heutige religiöse Erziehungsprozesse zu ziehen?

Zusammenfassend kann von der Forderung nach Authentizität in der religiösen Erziehung gesprochen werden. Daher werden abschließend Merkmale aufgezeigt, die dieser Forderung gerecht werden.

Die Arbeit ist veröffentlicht bei kassel university press: http://www.upress.uni-kassel.de/online/frei/978-3-89958-395-3.volltext.frei.pdf