Studienprofil Theologische Gespräche

Liebe Studierende,

Sie sind herzlich dazu eingeladen, im Rahmen Ihres Studiums das Studienprofil "Theologische Gespräche" zu belegen. Das Studienprofil bietet einen systematischen Aufbau der Kompetenzen in Theologischen Gesprächen. Wer sich für das „Studienprofil Theologische Gespräche“ entscheidet, schreibt sich gezielt dafür ein. Die Module des Studienprofils sind in das reguläre Lehramtsstudium integrierbar, gehen aber auch darüber hinaus. Am Ende des Studiums erhalten Sie ein Zertifikat, das Ihre Leistungen dokumentiert.
Der gesamte Prozess der Professionalisierung wird von studentischen MentorInnen begleitet, die von Beginn an beratend tätig sind, sodass alle Studierende des Studienprofils nach ihrer Einschreibung in diesen Schwerpunkt individuelle Ansprechpartner haben.
Bitte wenden Sie sich zur Einschreibung in das Studienprofil an Frau Kallies-Bothmann (kallies@uni-kassel.de). Von ihr erhalten Sie alle weiteren Unterlagen und Informationen.


Die Professionalisierung in Theologischen Gesprächen an der Universität Kassel  

Die Professionalisierung in Theologischen Gesprächen bildet auch neben dem Studienprofil einen wichtigen roten Faden des Studiums der Evangelischen Religionspädagogik an der Universität Kassel. In verschiedenen Modulen werden Lehrveranstaltungen angeboten, die es Studierenden aller Lehrämter erlauben, ihre Kompetenzen gezielt zu entwickeln und zu erweitern.


Was ist ein Theologisches Gespräch?

In Theologischen Gesprächen werden theologische Grundfragen bearbeitet, die sehr oft von Kindern und Jugendlichen als existenzielle Fragen in den Religionsunterricht eingebracht werden: Ist Gott wirklich bei mir? Gibt es Gott überhaupt? Warum gibt es Leid? Ist der Glaube nur eine Illusion? Solche Fragen kommen oft überraschend und verlangen die Fähigkeit und Bereitschaft zur situativen Gesprächsführung, deren Grundlage vernetzte Fachkompetenzen und eine spezifische Haltung der Lehrperson bilden.
Kinder und Jugendliche werden in Theologischen Gesprächen als kompetente Gesprächspartner/innen  wahrgenommen, die Deutungen entwickeln, die wir als Lehrpersonen achten und würdigen wollen. Wir wollen sie aufgreifen und den Schüler/innen weiterführende Impulse anbieten. 
Im Prozess der Theologischen Gespräche bauen Kinder und Jugendliche ein biblisches und theologisches Grundlagenwissen auf, sie lernen, ihren eigenen Standpunkt zu entwickeln. Zwar sind sie sich dessen bewusst, dass dieser Standpunkt vorläufig ist, doch bringen sie ihn selbstbewusst und glaubwürdig ein.

Das Logo der Religionspädagogik an der Universität Kassel ist im Kontext der Kinder- und Jugendtheologie entstanden:

- Die vielen Farben zeigen, dass alle am Gespräch Beteiligten ihre Individualität einbringen, d.h. ihre Vorerfahrungen, Lebenskontexte, Fragen und Deutungen.

- Daraus entsteht eine bunte Ganzheit, eine „runde Sache“, keine Farbe darf fehlen, denn jede/r trägt zum Gelingen der Gespräche bei, Schüler/innen wie Lehrperson.

- In der Mitte des bunten Kreises sind die vier Professionalisierungsmodule        abgebildet. Sie gewährleisten eine prozessorientierte Gestaltung und forschende Haltung.


Die Module der Professionalisierung in Theologischen Gesprächen bauen gezielt aufeinander auf. Im Studienprofil Theologische Gespräche sind sie verpflichtend zu absolvieren. Wer das Studienprofil nicht in vollem Umfang belegt, kann dennoch an einzelnen Modulen teilnehmen.  

Konkretisierung der Module:

1.    Die Studierenden erwerben Grundlagenkompetenzen: Sie lernen Geschichte und Anliegen der Kinder- und Jugendtheologie kennen und arbeiten sich in wichtige Grundlagenliteratur ein. Sie erarbeiten die Rollen der Lehrkraft, führen erste Theologische Gespräche mit Kindern oder Jugendlichen und werten diese aus. Die Studierenden erkennen in diesem Prozess die Bedeutung vernetzter Fachkompetenz, die Bedeutung der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit theologischen Grundfragen und die Wichtigkeit der Wahrnehmung des Gegenübers im Gespräch.

2.    Die Studierenden entwickeln ihre Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen weiter: An exemplarisch ausgewählten theologischen Grundfragen klären sie den eigenen Standpunkt, die Zugänge von Schüler/innen einer gewählten Schulstufe sowie die Perspektiven der Fachwissenschaft. Sie arbeiten damit an der Vernetzung ihrer theologischen Kompetenzen. Darüber hinaus erwerben die Studierenden Kompetenzen in der Planung, Durchführung und Analyse Theologischer Gespräche.

3.    Die Forschungswerkstatt markiert eine wichtige Etappe im Rahmen der Professionalisierung. Die Kompetenzen, die bislang weitgehend isoliert erworben wurden, werden nun in der realen Unterrichtspraxis vernetzt. Da sich Theologische Gespräche durch hohe Komplexität auszeichnen, bietet es sich in dieser Phase an, die Gespräche zunächst in einer überschaubaren Lerngruppe zu führen (durchschnittlich 6-10 SchülerInnen), die Unterrichtsstunden zu videographieren, gründlich auszuwerten (mit Hilfe des Nachträglichen Lauten Denkens und Transkripten von entscheidenden Passagen) und die gewonnenen Erfahrungen in die jeweils neue Unterrichtssituation einzubringen. So entsteht ein Zirkel von Aktion und Reflexion, den die Studierenden mit einer forschenden Haltung durchlaufen. Sowohl die Arbeit an den eigenen Kompetenzen als auch die Bearbeitung einer wichtigen Forschungsfragestellung der Kinder- und Jugendtheologie ist im Rahmen der Forschungswerkstatt gewährleistet. Der Unterricht wird an Kooperationsschulen durchgeführt. Mittlerweile konnten wir im Stadt- und Landkreis Kassel Kooperationsschulen aller Schulformen zur Mitwirkung gewinnen.


4.    Im abschließenden Modul vertiefen die Studierenden ausgewählte Fragestellungen bzw. gehen ihrer eigenen Forschungsfrage nach. D.h. die Studierenden bearbeiten aktuelle Forschungsliteratur zu ihrer gewählten Forschungsfragestellung. Sie entwickeln Hypothesen und prüfen diese im Rahmen einer empirischen Erkundung. Dabei legen sie ausgewählte Methoden qualitativer Unterrichtsforschung zu Grunde.

Darüber hinaus werden im abschließenden Modul Unterrichtsstunden im Klassenverband geführt. Dies kann im Rahmen der eigenen empirischen Erkundung geschehen oder in anderen Projekten, die an Kooperationsschulen durchgeführt werden. Diese Projekte entstehen oftmals durch Wünsche der Lehrenden, die an einer Fortbildung zum Thema Theologische Gespräche teilgenommen haben und einen Einstieg mit ihrer Lerngruppe finden möchten. In Kooperation mit Studierenden des Abschlussmoduls können sie die von ihnen intendierten Projekte umsetzen. Dies können auch Projekte in Kirchengemeinden sein (Konfirmandenunterricht).


Einige Literaturhinweise:
o    Freudenberger-Lötz, Petra, Theologische Gespräche mit Kindern. Untersuchungen zur Professionalisierung Studierender und Anstöße zu forschendem Lernen im Religionsunterricht. Stuttgart 2007.
o    Freudenberger-Lötz, Petra, Theologische Gespräche mit Jugendlichen. Erfahrungen – Beispiele – Anleitungen. München/Stuttgart 2012.
o    Freudenberger-Lötz, Petra/Reiß Annike, Die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Theologie im Fernkurs. Religionspädagogisch-katechetischer Kurs. Lehrbrief 8. Würzburg 2010.
o    Freudenberger-Lötz, Petra/Reiß, Annike, Theologische Gespräche mit Jugendlichen. Ein Einblick in die Arbeit der Kasseler Forschungswerkstatt zu Möglichkeiten einer Jugendtheologie. In: KatBl 134 (2009), 97-102.
o    Reiß, Annike/Freudenberger-Lötz, Petra, Didaktik des Theologisierens mit Kindern und Jugendlichen. In: Grümme, Bernhard/Lenhard, Hartmut/Pirner, Manfred L.(Hg.): Religionsunterricht neu denken. Innovative Ansätze und Perspektiven der Religionsdidaktik. Ein Arbeitsbuch. Stuttgart 2011.
o    Döhn, Raphael/Freudenberger-Lötz, Petra, Jugendtheologie. Der Kasseler Weg. In: RpB Heft 70/2013, 13-20.


Im Universitätsverlag „kassel university press“ gibt Petra Freudenberger-Lötz die Reihe „Beiträge zur Kinder und Jugendtheologie“ heraus. Die Reihe dient der Veröffentlichung von  Examensarbeiten und Dissertationen zur Kinder- und Jugendtheologie (alle Bände sind online einsehbar).