Winterschule 2015 - Urbane Grammatiken

Kassel im Schnittpunkt von Literatur, Sprache, Kunst, Industrie und Universität

Das Institut für Germanistik der Universität Kassel und das Institut Supérieur des Sciences Humaines de Tunis der Tunis-El Manar Universität veranstalten die Winterschule „Urbane Grammatiken: Kassel im Schnittpunkt von Literatur, Sprache, Kunst, Industrie und Universität“. Die Winterschule findet vom 7. bis zum 11. Dezember 2015 in Kassel statt.

Nachwuchswissenschaftler_Innen sind aufgefordert, sich für die Teilnahme zu bewerben. Die Veranstaltungssprache ist deutsch.

Die traditionsreiche Industrie- und documenta-Stadt Kassel erlebt einen umfassenden und dynamischen Wandel. Ab den 1950er Jahren und insbesondere im letzten Vierteljahrhundert hat sich die von nordhessischer Provinz umgebene Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern zu einem urbanen sowie nationalen und internationalen Zentrum der Kunst- und Kulturszene entwickelt. Der tiefgreifende Struktur- und spürbare Bewusstseinswandel mit enormen Investitionen in die Infrastruktur Kassels und personalem Zustrom hat seit der deutschen Wiedervereinigung dazu geführt, dass sich Kassel auch als bedeutender Bildungs-, Hochschul- und Technologiestandort einen Namen gemacht hat. Aus geisteswissenschaftlicher Sicht ist insbesondere die an der Universität institutionalisierte Grimm-Forschung hervorzuheben, die in das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt hineinwirkt und an den Identitätskonstruktionen der Stadt und ihrer Menschen mitarbeitet.

Das historisch und strukturell durch die Lage im Spannungsfeld von Urbanität, Provinzialität und Globalisierung geprägte Kassel wird als Stadt der Transformationen erkennbar.

Das Nachdenken über den komplexen Transformationsprozess Kassels, der immer auch als ein eigendynamisches, in der urbanen Grammatik der Stadt ablesbares Transformationsgeschehen zu verstehen ist, spannt ein facettenreiches Diskussionsfeld auf.  Es stellen sich Fragen a) grundsätzlich über die ‚Lesbarkeit‘ , d.h. die semiotische Struktur urbaner Zentren und deren Interpretationsmöglichkeiten, insbesondere über den mehrschichtigen Transformationsprozess Kassels; daran anschließend b) über den in (fragwürdiger) historischer Analogie zum Prager Frühling ausgerufenen „Arabischen Frühling“ und die mit ihm ausgelösten tiefgreifenden Wandlungsprozesse prima facie in allen gesellschaftlichen Bereichen nicht nur in Tunesien – Wandlungsprozesse freilich, die nicht gleichschrittig einem häufig von Dritten definierten Telos entgegenstreben, sondern die zum Teil in spannungsreichen Verhältnissen zueinander stehen.    

Anmeldung

Interessierte Nachwuchswissenschaftler_Innen aus Tunesien, Marokko und Algerien bewerben sich bitte mit einem zweiseitigen Essay, in dem ein plausibler Bezug zu einem oder mehreren der folgenden Diskussionspunkte herzustellen ist:  

  1. Welches Gestaltungspotenzial bietet die Transformationsdynamik in den nordafrikanischen Ländern und wie wird es genutzt? Wie ist das Verhältnis zwischen gestalterischem Potential und Eigendynamik des Prozesses zu charakterisieren?
  2. Wie verhalten sich die Wandlungsprozesse in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen zueinander?
  3. In welchem (Wechsel-)Verhältnis befinden sich Sprache, Literatur und Medien zu den gesellschaftlichen Transformationsprozessen?
  4. Wie ist das Verhältnis von Wissenschaft und gesellschaftlichem Wandel angesichts der laufenden Transformationsprozesse in Tunesien und Algerien, ggf. auch in Marokko zu beschreiben? Sollte Wissenschaft engagiert sein und wenn ja: Mit welchen Geltungsansprüchen kann eine engagierte Wissenschaft überhaupt intervenieren?
  5. Auch in Deutschland wird sich ein tiefgreifender Wandel der gesellschaftlichen Struktur durch die aktuelle Aufnahme und Integration der großen Zahl an Flüchtlingen ergeben: Mit welchen Veränderungen ist das Gastgeberland Deutschland, sind aber auch die als Gäste aufgenommenen Flüchtlinge konfrontiert? Inwieweit kann und muss sich die deutsche Germanistik in diesen Wandlungsprozess aktiv einbringen? 

Ihre Bewerbungen schicken Sie bitte zum 15. Oktober 2015 als PDF-Anhang per E-Mail an gaetje@uni-kassel.de.

Bitte informieren Sie sich über die Einreisebedingungen nach Deutschland auf der Seite des Auswärtigen Amtes.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) übernimmt die Kosten für die Reise nach Deutschland und die Unterkunft in Kassel.