Forschungsschwerpunkte

Leitung einer religionspädagogisch-empirischen Unterrichtsforschungsgruppe

Die Forschungsgruppe verfolgt das primäre Ziel, die empirische Unterrichtsforschungsstudie „Gespräche im Religionsunterricht“ durchzuführen. Ein sekundäres Ziel ist es, die aufgenommenen Unterrichtsstunden in Religion für die Lehre aufzubereiten.

A Empirische Forschungsprojekte

I Ein Unterrichtsforschungsprojekt zu didaktischen Inszenierungsmustern von Gesprächsphasen im Rahmen des Religionsunterrichts

Im Kassler Unterrichtsforschungsprojekt „Gespräche im Religionsunterricht“ soll die Initiierung und Gestaltung von religiösen Lernprozessen bei Kindern und Jugendlichen durch Religionslehrer/innen untersucht werden. Im Mittelpunkt der Analyse steht der Kommunikationsverlauf im Unterricht und dessen Steuerung durch die Lehrerinnen und Lehrer. Besonderes Interesse gilt der Gestalt und Struktur von Gesprächen im Religionsunterricht. Anhand von videografierten Unterrichtsaufzeichnungen der Sekundarstufe I soll erfasst werden, wie Religionslehrer/innen Unterrichtsgespräche zu den zentral systematisch-theologischen Themen der Trinität und der Eschatologie inszenieren und wie diese Unterrichtsgespräche in ihrer Dynamik verlaufen. Es liegen bereits 50 videografierte Unterrichtsstunden vor, weitere Unterrichtsaufnahmen sind noch in Planung.

II Funktion und Wirkung von Kunst im Religionsunterricht. Entwicklung und Erprobung empirischer Verfahren in Einzelfallstudien im Rahmen eines interdisziplinären Netzwerkes von Nachwuchswissenschaftler/innen

Mitarbeit an einem bei der DFG genehmigten und wissenschaftlichen Netzwerk von Nachwuchswissenschaftler/innen unter der Leitung von Dr. Claudia Gärtner (Münster), (3/2011 bis 2013, Projekt abgeschlossen, Fortführung von Einzelfalluntersuchungen).

III Angebot und Nachfrage von religiöser Erwachsenenbildungsarbeit in Städten unterschiedlichen katholischen Milieus. Eine Interviewstudie mit kirchenfernen Erwachsenen

In dieser Studie stehen kirchenferne Erwachsene aus Städten mit unterschiedlichem katholischem Milieus und kirchlicher Prägung (Fulda, Kassel, Marburg, Würzburg) im Zentrum des Forschungsinteresses. Anhand einer Interviewstudie mit diesen Erwachsenen soll geklärt werden, ob und welche religiösen Fragen, Interessen und Angebote sich in dieser immer stärker wachsenden Gruppe von Erwachsenen ausbilden. Vergleichend dazu soll die konkrete kontextuelle Angebotsstruktur religiöser Erwachsenenbildungsarbeit erhoben und analysiert werden. (Planungsphase)

B Lehr- und Forschungsprojekte

I Darstellungen sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht. Ein Lehr- und Forschungsprojekt gemeinsam mit meiner Kollegin Prof. Dr. Ilse Müllner und WB Dr. Nele Spiering-Schomborg (wird derzeit als Pronet-Projekt gefördert)

In einem innertheologisch interdisziplinär angelegten Lehr- und Forschungsprojekt zu „Darstellungen sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht“ zwischen Bibelwissenschaft und Religionspädagogik sollen die Möglichkeiten untersucht werden, sexualisierte Gewalt durch die Arbeit an biblischen Texten im Religionsunterricht zur Sprache zur bringen. Die Grundthese geht davon aus, dass die Lektüre biblischer Texte in ihrer Dialektik von Fremdheit und Vertrautheit dabei helfen kann, über Gewalt auch im schulischen Unterricht zu sprechen. Im Rahmen eines mehrsemestrig angelegten gemeinsamen Lehr- und Forschungsseminars werden zum einen theologisch und religionspädagogisch verantwortete und zeitgemäße Entwürfe von Unterrichtskonzepten zu (sexualisierter) Gewalt für den Religionsunterricht kritisch gesichtet, eigenständig erarbeitet und erprobt, und zum anderen kleine empirische Befragungsstudien zu der Relevanz dieses Themas in Religionsunterricht und Schule durchgeführt.

II Intergenerationelles und interdisziplinäres Lernen in der theologischen Lehrer/innen-Ausbildung (SoSe 2012 angestoßen, ab 2015 als Pronet-Projekt fortgeführt und gefördert)

Das Projekt setzt auf die Chancen des intergenerationellen und interdisziplinären Lernens in der Ausbildung theologischer Lehramtskandidat/innen - etwa in Kooperation mit Schulen, Studienseminaren und der Schulabteilung des Bistums Fulda.

Schüler/innen, Lehramtsstudierende und Lehrer/innen in der Fort- und Weiterbildung lernen im Rahmen eines interdisziplinären Moduls (M17) zu einem thematischen Schwerpunkt intentional und voneinander, übereinander und miteinander. Die Veranstaltungen sind im Curriculum des Instituts Katholische Theologie an der Universität Kassel verortet.

C Weitere Forschungsschwerpunkte

I Leistungsverständnis und Leistungsbewertung im Religionsunterricht. Eine kritisch-konstruktive Analyse des pädagogischen und religionspädagogischen Umgangs mit Leistungen im Unterricht

Angesichts der aktuellen Diskussion um Kom­pe­tenz­­­orientierung und Bildungsstandards im Religions­unter­richt wird die Frage nach dem Leistungs­verständnis und dem Ertrag religiösen Lernens im Religions­unter­richt zukünftig dring­lich. In dieser Arbeit sollen zum einen die vergangenen und gegenwär­tigen Kon­zepte reli­giösen Ler­nens hinsichtlich ihres (oft impliziten) Leistungsverständnisses kritisch analysiert und zum anderen aktu­elle Konzep­te des Umgangs mit Leistung und Leistungsbewertung aus der päda­­gogischen Diskussion für die Religionspädagogik fruchtbar gemacht werden.

II Gewalt aus religionspädagogischer Perspektive

(Diskurse zu Ansätzen der Friedenspädagogik, Geschlecht und Gewalt, Gewalt in der Schule)

III Anfragen an und Konsequenzen für religiöse Erwachsenenbildungsarbeit durch die empirische Wahr­nehmung religiöser und nicht-religiöser Formen der Lebensgestaltung und Weltdeutung von Frauen und Männern angesichts der (religiös) pluralen Gegenwartssituation

(in Fortführung meiner Dissertationsarbeit zu Singles und Religiosität und den darin angezeigten Desideraten religiöser Erwachsenenbildungsarbeit)