Interdisziplinäre deutsch-arabische Forschergruppe

Deutsch-arabische Forschergruppe

Die Arbeit der interdisziplinären deutsch-arabischen Forschergruppe verbindet die Reflexion über historische Unrechtserfahrungen in autoritären Staaten mit normativen Fragetellungen und orientiert sich an vier Schwerpunkten:
In einem ersten Schwerpunkt geht es um die Strukturen und Erscheinungsformen von Unrechtserfahrungen, wie sie die Literatur (vor allem die arabische und deutsche), die Politikwissenschaft, Philosophie, Psychologie und Ethnologie beschreiben und analysieren. Das Leben in Diktaturen und autoritären Regimen ist geprägt von einer kognitiven Dissonanz zwischen offizieller und inoffizieller Gegenwartsdeutung. Diese „Zweigleisigkeit“ des Lebens in Diktaturen und Regimen ermöglicht der Bevölkerung eine kritische Distanz zu dem offiziell verordneten Welt- und Gesellschaftsbild zu wahren. Neben einem interdisziplinären Vergleich der Analysen von Strukturen und Erscheinungsformen des Unrechts soll es ebenfalls um unterschiedliche Protest- und Widerstandsformen gehen, die sich in Handlungen wie im sprachlichen Umgang mit autoritären Verhalten manifestieren können (Ironie, Flüsterwitze, beredtes Schweigen).
Ein zweiter Schwerpunkt wendet sich der Aufarbeitung von Unrechtserfahrungen zu. Dabei spielt die Frage nach der Erinnerung und Zeugenschaft in der Gefängnis- und Folterliteratur, in den Memoiren sowie die Zeugenschaft in den Medien eine wichtige Rolle.
Auch hier gibt es eine Diskrepanz zu verzeichnen zwischen einer offiziellen und einer inoffiziellen, zwischen privater und kollektiver Erinnerung, deren Spannungen und mitunter produktive Dialektik es zu untersuchen gilt.
Einen weiteren Aspekt der Aufarbeitung der Unrechtserfahrungen bildet die Debatte um die Universalität der Menschenrechte und die Problematik einer transitional justice in den Umbruchstaaten. Welche Bedingungen muss eine Gesellschaft bzw. eine neue demokratische politische Ordnung schaffen, damit die Opfer von Gewalt über das Erlittene sprechen können? Hier steht weiterhin die Frage im Mittelpunkt, welches die zur Herstellung einer nationalen Versöhnung richtige Mischung von Strafe, Entschädigung und Amnestie ist.
Schließlich soll es in einem letzten Schwerpunkt darum gehen, die Bedeutung der Institutionalisierung von Protest, Widerstand und Aufarbeitung genauer zu untersuchen. Dies beinhaltet z.B. die Frage nach der Rolle der Zivilgesellschaften während und nach einer Diktatur, die unterschiedlichen Begründungen und Zusammensetzungen von Wahrheitskommissionen oder die Frage nach den Elementen einer Politik der Wiedergutmachung.

Aktuelle Schwerpunkte und Arbeitsbereiche:

  1. Kritische Auseinandersetzung mit Strukturen und Erscheinungsformen der autoritären Verhältnisse aus interdisziplinärem Blickwinkel, verbunden mit der Analyse der Protest- und Widerstandsformen.
  2. Beschäftigung mit den Begriffen der Erinnerungskultur, der Zeugenschaft und des Archivs im historischen, kultur- und literaturwissenschaftlichen sowie philosophischen Kontext.
  3. Analyse von Sprache(n) der Diktatur(en): Missbrauch der Sprache durch die Diktatur, vor allem im öffentlichen Sprachgebrauch in den Medien; interne Kommunikation der herrschenden Elite in totalitären Systemen; Ausdruck des Subversiven im Sprachgebrauch der unterdrückten Bevölkerung (z.B. politische Flüsterwitzen)
  4. Zeitgenössische und historische Verantwortung
  5. Aufarbeitung der Unrechtserfahrung im Demokratisierungsprozess (Menschenrechte, Gerechtigkeit, Rechtstaatlichkeit oder neue Diktatur?)

Workshops 2015:

Sprache in der Diktatur, ISSH Medenine (Universität Gabes) und Hotel Djerba Plaza/ Tunesien, 30.03.-01.04.2015, Anhang: Schwerpunkte und Programm

Unrechtserfahrungen und Übergangsgerechtigkeit. Deutsch-arabische Perspektiven, Universität Kassel, 10.-12.07.2015, Anhang: Schwerpunkte und Programm


Workshop 2014:


Workshops 2013:

Aktuelle Mitglieder der Deutsch-arabischen Forschergruppe.