Integrative Biophilosophie

Formen der Praxis, Formen des Wissens: Methode, Notation und die Dynamik der Perspektiven in den Lebenswissenschaften

Projektleitung: Dr. Robert Meunier

Mitarbeitende: Saliha Bayır, M.A. (seit 2019); Nina Kranke, M.A. (2015-2016)

Gastwissenschaftler*innen: Prof. Dr. James Griesemer (UC Davis, USA); Dr. Staffan Müller-Wille (University of Cambridge, UK und Universität zu Lübeck, DE)

Förderung: Zentrale Forschungsförderung (ZFF) Uni Kassel (2015-2017); DFG (2018-2021)

Projektbeschreibung

Im Zentrum der Untersuchung stehen Forschungsprojekte in den Lebenswissenschaften. Diese werden aus epistemologischer Perspektive als die kleinsten relevanten Einheiten des Forschungsprozesses aufgefasst. Es lassen sich folgende Ebenen unterscheiden: a) Arten von Aktivitäten im Forschungsprozess, b) die sozialen, materiellen und symbolischen Strukturen die Voraussetzung dieser Aktivitäten sind oder von ihnen hervorgebracht werden, sowie c) das für diese Aktivitäten relevante Wissen (in Form von Wissensschemata). Anhand dieses Modells lassen sich Forschungsprojekte analysieren (siehe Abb. 1).

Abb 1: Ein Modell zur Analyse von Forschungsprojekten. Zur Erläuterung, klicke Grafik.

Auf dieser Grundlage wird die Untersuchung in zwei Richtungen entwickelt:

  1. Ein Schwerpunkt ist die Analyse des Zusammenwirkens von Forschungshandlungen und Handlungen, die Repräsentation durch den Gebrauch von Symbolsystemen erzeugen. Forschungshandlungen im engeren Sinne sind experimentelle Interventionen, selektive Beobachtungshandlungen, Messtätigkeiten und andere Aktivitäten, die im Kontext eines Experimentalsystems, eines materiellen Modells, einer Simulation, oder eines systematischen Beobachtungsregimes in einer Feldstudie durchgeführt werden. Hier stellt sich die Frage, welches die Eigenschaften solcher Handlungsmuster sind, die fähig sind, Wissen zu erzeugen, im Vergleich zu solchen, bei denen das nicht der Fall ist. Darüber hinaus besteht die Aufgabe darin, anzugeben, was Handlungsmuster unterscheidet, die unterschiedliche Arten von Wissen hervorbringen (z.B. Wissen über kausale, räumliche, zeitliche oder taxonomische Beziehungen zwischen Entitäten).

  2. Erweitert man die Perspektive hingegen, so kommen Forschungsprojekte im Kontext von dynamischen Forschungsfeldern, institutionalisierten Disziplinen und sich ständig rekonfigurierenden Communities in den Blick. Die Dynamik dieser Organisationsebenen lässt sich auf der Grundlage der Dynamik von Forschungsprojekten, aus denen sie im Wesentlichen bestehen beschreiben. Die Entstehung neuer Forschungsrichtungen oder ihre Transformationen, der Transfer von Techniken, Methoden, Modellen oder Begriffen, Kontroversen und Konflikte, interdisziplinäre Interaktion oder Integration von Ansätzen, sowie die Übersetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die Anwendung – all diese Prozesse finden maßgeblich auf der Ebene von Projekten statt. Die Analyse von Projekten sowie der Art, wie die sie konstituierenden Forschungs- und Repräsentationshandlungen unterschiedliches Wissen erzeugen, ermöglicht demnach eine neue Philosophie wissenschaftlichen Wandels.

Diese beiden Perspektiven auf Forschungsprojekte werden anhand der Ausarbeitung von Fallstudien aus den Bereichen Entwicklungs- und Verhaltensgenetik (Meunier) und Ökologie (Bayır) entwickelt.

Veranstaltungen

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Meunier, R. (2019). Project Knowledge and Its Resituation in the Design of Research Projects: Seymour Benzer’s Behavioral Genetics, 1965-1974. Studies in History and Philosophy of Science Part A 77 (October): 39–53. https://doi.org/10.1016/j.shpsa.2018.04.001

  • Gross, F., Kranke, N., & Meunier, R. (2019). Pluralization through Epistemic Competition: Scientific Change in Times of Data-Intensive Biology. History and Philosophy of the Life Sciences 41 (1): 1. https://doi.org/10.1007/s40656-018-0239-5

  • Meunier, R. (2018). Tiermodelle Und Die Ökologie Des Wissens: Das Beispiel des Zebrafisches. In: Philosophie Der Tierforschung: Band 3: Milieus Und Akteure, herausgegeben von M. Wunsch, M. Böhnert und K. Köchy. Freiburg und München: Alber (siehe hier).

  • Für eine vollständige Liste, siehe hier

Ausgewählte Vorträge

  • S. Bayır und R. Meunier, “Revisiting the Phenotype”, Posterpräsentation, Second Meeting of the Philosophy in Biology and Medicine (PhilInBioMed) International Network, 14.-15. Oktober 2019, Bordeaux, Frankreich.