Integrative Biophilosophie

Gedankenexperimente als genuine Instrumente der (philosophischen) Forschung. Die Vermittlungsrolle von Gedankenexperimenten im Wissenschaftsdiskurs am Beispiel der Debatte um künstliche Intelligenz

Doktorandin: Rebecca Bachmann

Betreuung: Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy 

Förderung: Promotionsstipendium der Universität Kassel (seit Oktober 2018)

Projektbeschreibung

Gedankenexperimente sind ein gern genutztes Instrument der philosophischen Forschung, gleichzeitig unterliegen sie aber auch immer wieder der Kritik, da ihr Mehrwert gegenüber klassischen Argumenten unklar ist. Viele Verteidiger*innen des Instruments Gedankenexperiment betonen daher vor allem seine Rolle als beispielsweise konstruktives Mittel, um eine Theorie zu stärken. Im Fokus steht dabei das Argument – das Szenario, also das, was ein Gedankenexperiment eigentlich ausmacht, wird zumeist vernachlässigt. 

In meinem Forschungsprojekt widme ich mich diesem Desiderat in der Debatte und plane, zu zeigen, dass Gedankenexperimente genau aufgrund ihres Szenarios relevant in Bezug auf Theoriebildung, -entwicklung und -manifestation sind. Diese These lässt sich mithilfe der Wissenschaftsphilosophen Fleck und Latour plausibilisieren. Beide gehen davon aus, dass sich wissenschaftliche Theorien etablieren, indem sie zunächst bei Vertreter*innen derselben Fachrichtung anerkannt werden, um der Öffentlichkeit vermittelt werden zu können. Die Anerkennung der Öffentlichkeit wiederum beeinflusst ebenfalls den Wissenschaftsdiskurs, u.a. indem sie der Theorie erst Stabilität verleiht. Gedankenexperimente spielen hier nun insofern eine Rolle, als sie durch ihren illustrativen Charakter als Vermittlungsinstanzen genutzt werden können, um eine Theorie zwischen den verschiedenen Bereichen zu verbreiten.

Um diese Funktion von Gedankenexperimenten aufzuzeigen, analysiere ich den Diskurs um künstliche Intelligenz und die dort stattfindende Nutzung von Gedankenexperimenten. Dort werden nicht nur klassische textbasierte Gedankenexperimente häufig genutzt, es gibt auch viele populärkulturelle Auseinandersetzungen mit dem Thema. Filme beispielsweise, die auch als Gedankenexperimente verstanden werden können, sorgen dafür, dass Theorien der künstlichen Intelligenz auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Daher eignet sich dieses Themenfeld besonders dafür, die Wechselwirkungen des Wissenschaftsalltags zu analysieren. 

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Bachmann (im Erscheinen): Science fiction is what got me into the field. Elemente der Popkultur als Vermittlungsstrategien im Diskurs um künstliche Intelligenz. Social Science Open Access Repository.

Ausgewählte Vorträge

  • Bachmann (2019): Von Zombies, Cookies & Bewusstseinstransplantationen. Die Serie „Black Mirror“ als Gedankenexperiment des phänomenalen Bewusstseins. Gehalten im Rahmen der Fachdidaktischen Tagung: Bielefelder Fachtag Philosophie. „Von Fledermäusen und Zombies. Probleme des phänomenalen Bewusstseins“. Bielefeld.
  • Bachmann (2018): Gedankenexperimente als Vermittlungsinstanzen im Diskurs um künstliche Intelligenz. Gehalten im Rahmen der INSIST-Nachwuchstagung: „Von Menschen und Maschinen. Interdisziplinäre Perspektiven auf das Verhältnis von Gesellschaft und Technik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Karlsruhe.