Integrative Biophilosophie

Methodologische Signaturen von Forschungsansätzen in der Tierforschung

Projektleitung: Dr. des. Martin Böhnert

Projektbeschreibung

Wie wissen wir, ob Tiere denken können? In Erweiterung der bisherigen Debatte um Mensch-Tier-Verhältnisse analysiert das Projekt die Bedingungen und Kontexte der naturwissenschaftlichen Gewinnung unseres Wissens von Tieren.

Die aktuellen Diskussionen innerhalb der Tierphilosophie und auch verschiedener Zweige der sogenannten Human-Animal-Studies drehen sich um die drei zentralen Fragen, ob wir Tieren einen Geist zuschreiben können, worin der Unterschied zwischen Menschen und Tieren besteht und wie sich Menschen gegenüber Tieren (moralisch richtig) verhalten sollen. Bisher jedoch erfährt bei dem Versuch, Antworten auf diese Fragen zu finden, der vermittelte Charakter unseres Wissens über Tiere kaum oder gar keine Berücksichtigung. Vermittelt ist unser Wissen zunächst insofern, als wir unser Wissen über Tiere meist von der naturwissenschaftlichen, empirisch verfahrenden Forschung übernehmen, ohne die Bedingungen und die Kontexte der Produktion dieses Wissens zu reflektieren. Vermittelt ist es aber auch insofern als die Naturwissenschaften selbst ihre Einsichten nur in jeweils methodisch vermittelter Form erlangen.

Diese Methoden, aber auch die sie begleitenden Theorien, Konzepte und Modelle der empirischen Erforschung der Tiere wurden in dem oben genannten Forschungsfeld der Tierphilosophie bislang nicht zum Gegenstand gemacht. Genau diese Lücke soll das Projekt schließen. Das Projekt folgt dazu einem eigenständigen Ansatz, der einen neuen Gegenstandsbereich erschließt, ganz eigene Fragestellungen aufwirft aber auch fruchtbare neue Einsichten vermittelt. Entsprechend der oben angeführten drei zentralen Fragen der aktuellen Debattenlage der Tierphilosophie ließe sich das Anliegen des Projekts auch als eine übergreifende vierte Frage knapp so formulieren: „Wie wissen wir, ob Tiere denken können?“

Konkreter gesprochen, geht es darum, anhand exemplarisch ausgewählter Streitpunkte und Kontroversen in der genannten Forschung die methodologischen, ontologischen und epistemologischen Vorannahmen einzelner Forschungsansätze zu identifizieren. Das hierfür eingesetzte Analysewerkzeug wurde unter enger Rückbindung an die Konfliktpunkte der empirischen Forschung entwickelt. Es erlaubt, individuelle Forschungsansätze anhand der Summe ihrer jeweiligen Vornahmen – ich nenne diese ihre jeweilige methodologische Signatur – zu identifizieren und systematisch zu vergleichen.

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Böhnert, Martin (im Druck): Methodologische Signaturen – Ein philosophischer Versuch zur Systematisierung der empirischen Erforschung des Geistes von Tieren. Paderborn: Mentis.
  • Böhnert, Martin; Hilbert, Christopher (2018): „»Other minds than ours« – A controversial discussion on the limits and possibilities of comparative psychology in the light of Lloyd Morgan’s work“. In: History and Philosophy of the Life Sciences, 40(3), 27.07.2018, doi: 10.1007/s40656-018-0211-4
  • Köchy, Kristian; Wunsch, Matthias; Böhnert, Martin (2016): „Philosophie der Tierforschung. Die methodologische Signatur von Forschungsprogrammen“. In: Böhnert, Martin; Köchy, Kristian; Wunsch, Matthias (Hrsg.): Philosophie der Tierforschung. Bd. 1: Methoden und Programme. Freiburg: Karl Alber, S. 9-21.

Ausgewählte Vorträge

  • „Zur Plausibilität wissenschaftlicher Tatsachen am Beispiel der Erforschung des Geistes von Tieren“, Forschungskolloquium der Moritz-Schlick-Forschungsstelle, Universität Rostock, 25.06.2019
  • „Methodologische Signaturen – Ein philosophischer Systematisierungsversuch von Forschungsansätzen in der kognitiven Verhaltensforschung“, CAST-Kolloquium (Centre for Anthropological Knowledge in Scientific and Technological Cultures), Ruhr-Universität Bochum, 20.12.2018