Integrative Biophilosophie

Schwerpunkt des Fachgebiets für Theoretische Philosophie

Projektleiter: Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy

Projektmitarbeitende "Integrative Biophilosophie" Foto: Aleksandra Czajkowska
Projektmitarbeitende "Integrative Biophilosophie" Foto: Aleksandra Czajkowska

Das Programm der Integrativen Biophilosophie umgreift heterogene Zugänge der philosophischen Auseinandersetzung mit Phänomenen des Lebendigen. Insofern steht die Integrative Biophilosophie nicht für eine Alternative zum weit verbreiteten Ansatz der Philosophie der Biowissenschaften, sondern versteht sich vielmehr als dessen Ergänzung und Erweiterung. Einerseits sind deshalb die gängigen Themenfelder und Fragestellungen zu Verfahren, Begriffen und Konzepten der Biowissenschaften wie sie die etablierte Philosophie der Biowissenschaften stellt durchaus auch Teil des Programms der Integrativen Biophilosophie. Andererseits erweitert diese jedoch die methodologisch-formalen Fragen durch inhaltliche, historische und soziale Ansätze (insofern hat sie einen innigen Bezug zu den Disziplinen, Verfahren und Fragestellungen einer Historiografie oder Soziologie der Biowissenschaften) und beschränkt sich zudem nicht allein auf wissenschaftliche Zugänge zum Lebendigen, sondern gibt auch lebensweltlichen und leiblichen Zugängen Raum. Die Naturphilosophie (lebendiger Phänomene), die Philosophische Anthropologie und einzelne Subdisziplinen der angewandten Ethik (wie Umweltethik, Tierethik oder Bioethik) sind deshalb ebenfalls unter dem Dach der Integrativen Biophilosophie vereint. Auch Ansätze der Technoscience spielen in diversen Unterprojekten eine Rolle (etwa im Kontext von Natur-Technik-Vergleichen, Fragen zu dem Status von Biotechniken oder bei der Auseinandersetzung mit dem Maschinenmodell für Organismen). Der Projektverbund Integrative Biophilosophie an der Universität Kassel lässt diese Stränge der Reflexion nicht unverbunden oder beliebig, sondern sucht vielmehr nach innovativen und aussagekräftigen Synthesen. Dabei spielt auch die Auseinandersetzung mit historischen Vorbildern, etwa den Biophilosophien von Helmuth Plessner, Hans Jonas oder Maurice Merleau-Ponty eine wichtige Rolle.

Integrative Biophilosophie ist Erweiterung und Ergänzung der  Philosophie und Geschichte der Biowissenschaften. Sie verbindet  heterogene Zugänge der philosophischen Reflexion über Phänomene des  Lebendigen (Bios) und ihrer wissenschaftlichen Erforschung (Logos).  Methodologisch-formale Ansätze werden durch inhaltliche, historische  und soziale ergänzt. Die materiale Dimension der Biologie erlangt  Bedeutung und zwar nicht nur als Berücksichtigung von Apparaten oder  räumlichen Konstellationen, sondern auch als Reflexion über die  Lebewesen in ihrem Leben. Wichtiges Glied solcher Konstellationen sind  die Biologen als Mitglieder von Denkkollektiven oder verantwortliche  Akteure, aber auch als ebenfalls lebendige Wesen. Historische  Vorbilder der Integrativen Biophilosophie sind die Biophilosophien von  Whitehead, Plessner, Jonas oder Merleau-Ponty.