Sektion 13

Linguistische Variation und die Rolle der Schnittstellen in den romanischen Sprachen

Sektionsleitung: Martin Elsig (Frankfurt), Ingo Feldhausen (Frankfurt), Melanie Uth (Köln), Maria del Mar Vanrell (Illes Balears)

Ansprechpartner: Ingo Feldhausen (feldhausen@em.uni-frankfurt.de)

 

Auch wenn es aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit erstaunlich ist, erscheint die sprachinterne Variation oft als eine besondere Herausforderung für die linguistische Theoriebildung, dies vor allem im Bereich formaler Ansätze wie der Generativen Linguistik. Demgegenüber zeichnet sich die variationistische Soziolinguistik Labovscher Prägung durch eine besondere Berücksichtigung sprachinterner Variation aus. Ein Grund für diesen Unterschied findet sich in den unterschiedlichen Vorstellungen beider Theorien bezüglich des Gegenstands linguistischer Forschung (Honeybone 2011): Die Variationslinguistik konzentriert sich primär auf Sprache als gesellschaftliches Objekt und geht davon aus, dass Sprache inhärent heterogen ist. Die Generative Linguistik konzentriert sich auf Sprache als mentales Objekt (internalisierte Sprache, I-language, im Sinne Chomskys 1986) und geht davon aus, dass einzelne Sprachsysteme in sich homogen sind.

            Im Minimalistischen Programm (Chomsky 1995) beispielsweise wird die sprachliche Variation u.a. verstanden als ein Resultat der Interaktion zwischen der zentralen Strukturbildungskomponente einerseits und den externen Schnittstellen, d.h. der artikulatorisch-perzeptuellen (A-P) und der konzeptuell-intentionalen (C-I), andererseits (vgl. Demonte 2014 und Bidese et al. 2016). Diese Idee steht im Einklang mit der Interface-Hypothese (Sorace & Serratrice 2009, Sorace 2011), nach welcher linguistische Phänomene im Bereich der externen Module/Schnittstellen zu Phonetik und Pragmatik im Zweitspracherwerb besonders vulnerabel und entsprechend anfällig für linguistische Variation sind. Nach Bidese et al. (2016:5) stellt ebenfalls die Interaktion der internen Schnittstellen einen Ort der sprachlichen Variation dar. Unter internen Schnittstellen verstehen sie die verschiedenen Module der Grammatik (Syntax, Morphologie, Semantik und Phonologie).

            Die theoretischen Unterschiede zwischen variationistischer Soziolinguistik und Generativer Linguistik ziehen eine hohe Divergenz im Bereich der Forschungsmethoden nach sich. So werden linguistische Daten in generativen Ansätze meist durch Introspektion und Akzeptabilitätsstudien gewonnen, wohingegen die Ergebnisse der variationistischen Ansätze vor allem auf Spontansprache, soziolinguistischen Interviews und Korpusdaten beruhen.

            Ziel dieser Sektion ist es, SprachwissenschaftlerInnen unterschiedlicher theoretischer Orientierungen zusammenzubringen und die linguistische Variation und die Rolle der internen sowie externen Schnittstellen in den romanischen Sprachen zu untersuchen und zu diskutieren. Willkommen sind Untersuchungen zur Variation auf allen sprachlichen Repräsentationsebenen (Syntax, Morphologie, Phonologie, Semantik, Pragmatik etc.) in den romanischen Sprachen, aus theoretischer oder methodologischer Perspektive, die folgende Forschungsfragen berühren:

(i)     Wie/inwieweit kann und sollte sprecherinterne und/oder varietäteninterne Variation theoretisch modelliert werden?

(ii)   Auf welchen sprachlichen Repräsentationsebenen tritt die attestierte Variation auf und (inwiefern) spielen die oben genannten internen und externen Schnittstellen hierbei eine Rolle?

(iii)  Gibt es besonders (wenig) "variationsanfällige" sprachliche Charakteristika und wenn ja, warum?

(iv)  Welche Methoden eignen sich am besten, um Daten zur Untersuchung der linguistischen Variation zu erheben?

(v)   Gibt es Phänomene, die eher generativ, und andere, die eher variationistisch untersucht werden sollten? Wenn ja, wie kann man dies begründen?

Abstracts in einer romanischen Sprache, Englisch oder Deutsch, mit max. 300 Wörtern exklusive Literaturverzeichnis, können bis zum 02.01.2019 an die SektionsleiterInnen gesendet werden (M.Elsig@em.uni-frankfurt.de, feldhausen@em.uni-frankfurt.de, melanie.uth@uni-koeln.de, und/ oder mm.vanrell@uib.cat). Wir bitten alle Interessenten, zu Beginn des Abstracts in 1-2 Sätzen anzugeben, auf welche der obigen Fragen die Einreichung Bezug nimmt und was der zentrale Beitrag zu der entsprechenden Diskussion ist.