Sektion 16

Rekonstruktion und Erneuerung romanischer Regional- oder Minderheitensprachen im Zeitalter der Digital Humanities

Sektionsleitung: Robert Hesselbach (Würzburg), Benjamin Meisnitzer (Leipzig)

Ansprechpartner: Robert Hesselbach
(robert.hesselbach@uni-wuerzburg.de)

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit romanischen Regional- oder Minderheitensprachen hat in den letzten Jahren beständig an Fahrt aufgenommen, wovon Publikationen zur Frage der Methodik, zur Sprachdokumentation und -beschreibung, zur Beschreibung von Regional- oder Minderheitensprachen in realen und virtuellen Räumen, zu sprachnationalistischen Bewegungen
oder zur Sprachpolitik des Europarats im Allgemeinen zeugen. Die fortschreitende Digitalisierung kann in diesem Zusammenhang von doppelter Bedeutung für die Rekonstruktion und Erneuerung (romanischer) Regional- oder Minderheitensprachen sein: In Bezug auf die Allgemeinheit kann sie zum einen die Möglichkeit der erhöhten öffentlichen Präsenz und Wahrnehmung eröffnen, wobei der Begriff der ‘Öffentlichkeit‘ ebenfalls kritisch zu sehen ist; auf der anderen Seite erlauben digital zugängliche Forschungsrepositorien ForscherInnen einen leichteren Zugang und ermöglichen transnationale Forschungskooperationen. Gerade im Bereich der romanischen Regional- oder Minderheitensprachen sind hier exemplarisch das VerbaAlpina-Projekt zu den romanischen Idiomen in den Alpengebieten (https://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de/), das inzwischen sogar nur noch online vorliegende Wörterbuch der altokzitanischen Sprache (DOM: Dictionnaire de l’occitan médiéval; www.dom-en-ligne.de/), die multimediale Datenbank des Institut d’Études Occitanes du Limousin (https://la-biaca.org/) oder auch der internationale Forschungsverbund des Interdisciplinary Centre for Social and Language Documentation (CIDLeS) in Portugal (http://www.cidles.eu/) zu nennen. Trotz bestehender Projekte und eines gestiegenen Forschungsinteresses in den letzten Jahren bietet gerade die Romania noch viele Herausforderungen auf dem Gebiet, angesichts der sprachlichen Vielfalt und Diversität der umfassten Gebiete. Ziel der Sektion ist es, ForscherInnen, die zu romanischen Regional- oder Minderheitensprachen arbeiten, zusammenzubringen und dabei die Möglichkeiten der Rekonstruktion und Erneuerung dieser Idiome durch die Digitalisierung zu diskutieren. Konkret sollen folgende Fragen methodischer aber auch praktischer Art dabei im Zentrum der Sektionsarbeit stehen: 

–       Welche digitalen Methoden nutzen LinguistInnen bei der Untersuchung von Regional- oder Minderheitensprachen? Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich durch deren Status als Regional- oder Minderheitensprachen?

–       Welche Korpora, Forschungsdaten und -ressourcen bestehen bereits und welche Vor- und Nachteile bieten diese?

–       Welche besonderen Herausforderungen und welche Probleme ergeben sich bei der Beschäftigung mit Regional- oder Minderheitensprachen? Welche für die Erforschung relevanten Besonderheiten weisen diese auf (z.B. restriktive Sprachpolitik etc.)?

–       Welche Chancen zur Erneuerung bzw. Rekonstruktion ergeben sich für die betroffenen Sprachen?

–       Welche digitalen Möglichkeiten der Sprachdokumentation (z.B. durch die Politik gefördert) existieren?

Am Ende möchten wir einen umfangreichen Überblick über die Möglichkeiten der Rekonstruktion und das Potenzial für Erneuerungen, die sich im Rahmen der Digital Humanities für romanische Regional- oder Minderheitensprachen ergeben, liefern. Wir begrüßen Beiträge aus allen Bereichen der Romania, sowohl empirischbasierte als auch theoretische oder Arbeiten mit modellbildendem Charakter. Wir möchten auch besonders Nachwuchswissenschaft­­lerInnen ermuntern, Vortragsvorschläge einzureichen.