Sektion 6

Tragödie, Komödie und...? Dramengattungen im romanischen Sprachraum von 1968 bis heute

Sektionsleitung: Rolf Lohse (Bonn), Christiane Müller-Lüneschloß (Hamburg)

Ansprechpartner: Christiane Müller-Lüneschloß (mueller.lueneschloss@gmail.com)

Die Gattungen des Sprechtheaters entstehen und verändern sich seit der Renaissance kontinuierlich in einem spannungsreichen Prozess der Erneuerung und der historischen Rekonstruktion. Einer rekonstruierenden Tendenz, die auf einen Grundbestand an poetologischen Regeln, Strukturmerkmalen, Inhalten und Aufführungsweisen rekurriert, steht besonders seit dem 20. Jahrhundert eine radikal innovatorische gegenüber, die die dramatischen Gattungen neu ausrichtet oder deren weitverzweigte Traditionen zu neuen Ansätzen nutzt. Diese Trends, die sich auch überlagern können, prägen die zeitgenössischen Aufführungen vom Staatstheater bis zur Kleinbühne – aber auch Produktionen in ‚neuen’ Medien (u.a. Film, Hörspiel), welche ihrerseits wiederum das Theater herausfordern.

Die Sektion strebt eine Systematisierung der jüngsten Entwicklungen der dramatischen Gattungen in den romanischen Sprachräumen an. Dabei ist auch die – u.a. der unübersichtlichen Forschungslage geschuldete – Auffassung des "anything goes" kritisch zu betrachten. Neben ‚Tragödien’ und ‚Komödien’, deren Bezeichnung durchaus hinterfragt werden kann, besteht eine Anzahl weiterer, teils experimenteller dramatischer Gattungen, deren Verhältnis zu den klassischen Gattungen zu bestimmen ist.

Folgende Problemfelder (und sicherlich weitere) bilden die Sektionsarbeit:

Genese, Status quo und ‚Rahmenbedingungen’ der traditionellen Gattungen: dramatische Formen und ‚Anti-Formen’ (z.B. Sprechtheater vs. avantgardistisches oder postdramatisches Theater), Grenzen der Gattungsbegriffe, kulturelle Differenzen innerhalb des romanischen Sprachraums

Dramentheorie, Regelpoetik(en) vs. empirische Poetik(en): Stand der Dramenforschung, Spannungsfeld von Literatur- und Theaterwissenschaft (Balmas, Ubersfeld), Chancen und Grenzen der Theorie in der konkreten Analyse und, vice versa, der Einzeltexte/-aufführungen für die Theoriearbeit

Drama als gesellschaftlicher Spiegel? Re-, De- und Konstruktion klassischer Figurenkonstellationen vs. ungeahnte Konstellationen; z.B. Statik und Dynamik tradierter Komödientypen und Tragödienfiguren, Darstellung von Familienbeziehungen post-68

Materieller Rahmen: mediale Differenz vs. Verzahnung von Drama, Film, Hörfunk und anderen Medien (z.B. Strukturen und Elemente von Tragödien und Komödien im Film), Aufführungsbedingungen, ökonomischer Druck vs. Kunstanspruch

 

Vorschläge sind in Form eines Abstracts (max. 300 Wörter, PDF) bis zum 15.12.2018 mit dem Betreff "Sektion romanisches Theater" an die Ansprechpartnerin Christiane Müller-Lüneschloß zu richten: mueller.lueneschloss@gmail.com