Willkommen im FB 02 Geistes- und Kulturwissenschaften

Der am 1. Januar 2011 gebildete Fachbereich „Geistes- und Kulturwissenschaften“ vereint die Institute für Anglistik/Amerikanistik, Romanistik und Germanistik mit Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) mit den Instituten für Evangelische Theologie, Katholische Theologie und Philosophie.

Damit umfasst der Fachbereich die Disziplinen, die aufgrund ihrer Herkunft und Forschungsausrichtung traditionell in einer Universität zusammengehören: Philosophie, Theologie und die Philologien. Einigendes Band ist ihr Sprach- und Textbezug. Bearbeitet werden die verschiedensten Aspekte der modernen und alten Sprachen wie auch die schriftlichen Überlieferungen, die identitätsstiftend auf den von der griechischen, jüdischen und christlichen Antike geprägten Kulturraum Europas und Nord-, Mittel- und Südamerikas wirkten und nach wie vor wirken. Sie werden sowohl unter historischer Perspektive als auch unter Fragen nach ihrer in der Gegenwart sich entfaltenden, die Gesellschaft formenden Kraft bearbeitet. In Bezug auf die Bildung und die didaktische Ausbildung der Studierenden ist der Kontext der Schulen relevant, in denen das in den Texten erhaltene Potential zur Wirkung gelangen und auf diesem Weg neu in die Gestaltung des Gemeinwesens zurückkehren kann.

Doch nicht nur die Vermittlung, sondern ebenso die Grundlagenforschung ist ein Schwerpunkt der im Fachbereich vereinten Disziplinen. Denn Sprachen, Gebrauchstexte, Literatur, Filme und andere mediale Darstellungen bilden die Realität nicht einfach nur ab, sondern gestalten sie auch. Dabei verhalten sie sich – bewusst oder unbewusst und oft durchaus ambivalent - zu dominanten Strömungen der Gesellschaft, zum sogenannten Zeitgeist und zu Leitbildern einer Kultur.

Eine kritische, geistes- und kulturwissenschaftliche Analyse vermag daher in den Texten aufscheinende Aspekte der kulturellen Verfasstheit, des Zusammenlebens und der individuellen Persönlichkeit aufzudecken. Das schließt die Wirkmächtigkeit und Relevanz der Gestaltung der Gesellschaft, von ethischen Fragen, von Geschichte und Geschichtlichkeit, von philosophischen Fragen der Lebenskunst, aber auch von Wissensbeständen und Textkompetenz ein.

Philosophie und Theologie befassen sich mit der Frage nach dem gelingenden menschlichen Leben. Als wissenschaftliche Disziplinen stehen beide Fächer in einem Jahrhunderte umgreifenden Diskurs über die Voraussetzungen und Inhalte, die Ziele, Handlungen und Rahmenbedingungen, die mit der Idee eines gelingenden Lebens verbunden sind. Ebenso befassen sie sich mit den Gefährdungen, die in anthropologischer, sozialer und religiöser Hinsicht seiner Verwirklichung entgegenstehen.

Beide Disziplinen halten die in der Antike gelegten geistigen Voraussetzungen des europäisch-amerikanischen Kulturraums im Bewusstsein. Sie rekurrieren auf das griechisch-philosophische bzw. das jüdisch-christliche Erbe, reflektieren die Folgen der Verschmelzung dieser beiden Stränge der Geistes-, Kultur- und Religionsgeschichte, zeigen, wo die Grenzen zwischen beiden Bereichen liegen und wie sich – am deutlichsten seit der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts - auch wieder Trennungsprozesse vollzogen haben. Auf diese Weise werden in historischer und systematischer Absicht theoretische und praktische Fragen reflektiert, die für die gegenwärtige Lebens- und Gesellschaftsgestaltung bedeutsam sind und auf die Gewinnung und Vermittlung von Orientierungswissen zielen.

Anglistik/Amerikanistik, Germanistik und Romanistik eint ihr Interesse an gesprochener und geschriebener Sprache: Geschichtliche Entwicklungen, Theorien und Praktiken ihrer Deutung und Vermittlung sowie mediale Grenzgänge (z.B. Computernutzung, Literaturverfilmungen) stehen im Vordergrund. Die FachvertreterInnen bilden Studierende aus, die größtenteils an Schulen und in den Medien, in Kunst und Kultur, in nationalen und internationalen Firmen und Gesellschaften tätig sein werden. Die Vertiefung der Fremdsprachenkenntnisse bzw. die Förderung der individuellen Sprachkompetenzen ist dabei eine entscheidende Grundlage.

Andere Aspekte zielen auf die Vermittlung von im weitesten Sinne sprach- und literaturwissenschaftlicher Methodik im kulturwissenschaftlich reflektierten Kontext der jeweiligen Sprachräume. Dabei bedienen sich die Einzeldisziplinen der unterschiedlichsten Erkenntnisse aus Philosophie, Theologie, Kunstwissenschaft, Komparatistik, Geschichte, Gender-Forschung, Soziologie, Psychologie, Pädagogik und anderen Fachwissenschaften.

Jenseits solcher sachlich gebotenen Spezialisierungen der einzelnen Fachgebiete und Forschungsrichtungen eint den Fachbereich „Geistes- und Kulturwissenschaften“ sein Interesse an interdisziplinär verknüpften Fragestellungen, wie sie z.B. im Promotionskolleg GeKKo oder in wechselnden Forschungsverbünden verfolgt werden. In solchen „Grenzüberschreitungen“ können in Forschung und Lehre, in lebendigen Diskussionen und in philologisch exakter Arbeit an und mit Texten Erkenntnisse gewonnen werden, die eine einzelne Fachrichtung allein nicht liefern könnte. Die im Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften vereinigten Fächer sind also sowohl in ihren Spezialdisziplinen verankert als auch im besten Sinne des Wortes inter- und transdisziplinär orientiert und damit weit mehr als nur die Summe seiner Teile.

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