Für Studieninteressierte

WAS sind „Methoden der empirischen Sozialforschung“?

 Was unterscheidet eigentlich die Wissenschaft vom Alltagswissen, einem Laienverständnis? - Richtig: Die Methode, die Herangehensweise.

Während sich Sozialwissenschaftler einem gesellschaftlichen Phänomen – zum Beispiel Bildungsungleichheit – systematisch und analytisch nähern, schöpfen „Laien-Soziologen“ (häufig) aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz – zum Beispiel den schwierigen Leistungskontrollen des Mathematiklehrers in der 12. Klasse. Da sich Gesellschaftswissenschaftler jedoch in der Regel nicht mit Einzelfällen und persönlichen Erfahrungen, sondern mit Gruppen von Personen beschäftigen, benötigen sie verlässliche Verfahren zur Sammlung von Informationen über eine Vielzahl von Personen und deren anschließender Auswertung. In der Soziologie haben sich deshalb die sogenannten „Methoden der empirischen Sozialforschung“ als eigenes Fachgebiet etabliert. Dabei handelt sich um „eine Sammlung von Techniken und Methoden zur korrekten Durchführung der wissenschaftlichen Untersuchung menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Phänomene“ (Schnell/Hill/Esser 2013: 1). Sie sind gewissermaßen der Werkzeugkoffer eines jeden Sozialforschers, aus diesem er sich für die Beantwortung einer konkreten Fragestellung bedienen kann. Übergeordnete Zielsetzung ist dabei immer die Generierung von neuem Wissen über „die Gesellschaft“ als Untersuchungsgegenstand für Soziologen.

Diese Sammlung an Techniken und Methoden umfasst dabei Verfahren der Datensammlung – wie beispielsweise mündliche oder schriftliche und Online-Befragungen, Beobachtungsmethoden, Erfassung von Medieninhalten – sowie Verfahren der anschließenden Datenauswertung. Ob sich eine Methode für die Untersuchung eines sozialen Phänomens eignet, hängt von der Forschungsfrage ab und muss bei jedem Forschungsprojekt neu entschieden werden. Wahl und Durchführung der Methode entscheiden schließlich darüber, ob ein Forschungsergebnis die Realität abbildet und damit aussagekräftig ist, oder ob es im schlechtesten Fall ein Produkt der Methode selbst ist. Grundlegende Methodenkenntnisse sind jedoch nicht nur für den Forschungsprozess selbst sehr von Vorteil, sondern helfen auch bei der Interpretation anderer, sogar fachfremder, Forschungsarbeiten. Verwandte Disziplinen wie etwa die Wirtschafts- und Politikwissenschaften bedienen sich zu einem Großteil desselben Methodenrepertoires. Darüber hinaus bleibt der Anwendungsbereich von „Methoden der empirischen Sozialforschung“ nicht auf den Wissenschaftsbetrieb begrenzt: Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Einrichtungen bzw. Verwaltungen sammeln laufend Daten, deren Potenzial – zum Beispiel für die Steuerung von Organisationen – erst nach angemessener Auswertung und korrekter Interpretation genutzt werden kann.

Empfohlene Einführungsliteratur:

Schnell, Rainer / Hill, Paul B. / Esser, Elke (2013): Methoden der empirischen Sozialforschung. München: Oldenbourg Verlag. 10., überarbeitete Auflage.