Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen Sommer-Semester 2017

 

 

„Wir denken nicht, wir googeln“ – Politisieren und Theoretisieren in einer herrschaftskompatiblen Bildungslandschaft

Motivation für diese Lehrveranstaltung sind Erfahrungen, Begegnungen, „Stolpersteine“ und Bildungserlebnisse im Lern- und Forschungsgeschehen, die über Stuktur“macken“ nachdenken lassen. – Vor allem aber nachdenken lassen über veränderte „Kultur“-Techniken, Strukturen, formal definierte Ordnungen, die in ihrer durchdringenden Wirkung auf der Ebene von Handlungs- und Entscheidungsvollzügen häufig unterschätzt, nivelliert und wegtabuisiert werden. Mit Blick auf die unterschiedlichsten Akteure und Strategien im Bildungsgeschehen soll analysiert werden, welcher Typus von Lernenden, Studierenden, Schülern, welcher Typus von Lehrer als verantwortungsvollem Träger von Bildung begünstigt oder auch in den Hintergrund stigmatisiert wird. Welches Publikum verstummt zunehmend und welche Stimmen werden lauter. Wer kann sich in welcher Weise zwischen Macht und Ohnmacht positionieren? Sowohl Schule als auch Hochschule spielen als institutionalisierter Dichtepunkt eine wesentliche Rolle, wenn es um die Interpretation des strukturimmanenten Geschehens geht. – Welche Rolle spielen sie als Ideengenerator und im Sog von Definitionsmächten? Welche Rolle spielen sie als Anbahnungs- und Abwehrsystem für die Formierungen von „Gesellschaft“ und „Wissen“? Die Geschichte und Geschichten zwischen „Bildung“, „Halbbildung“ und „Unbildung“ werden vor dem Hintergrund unterschiedlicher Formierungen von Gesellschaft herausgearbeitet – eine internettisierte Gesellschaft wird dabei genauso eine Rolle spielen wie eine (selbsternannte) Wissensgesellschaft. Die Entfaltung verschiedener Wissenärchologien und fachimmanenter Begehrlichkeiten soll in dieser Veranstaltung vor dem Hintergrund konkreter Lern- und Forschungsszenarien erfolgen. Die entsprechenden Studien und Projekte beziehen sich in diesem Kontext auf inhaltliche Schwerpunkte aus den Bereichen „Umwelt – Gesellschaft – Technik“, „Kultur – Macht – Raum“ und „Sprache – Macht – Raum“. Die konkreten forschungsleitenden Fragestellungen, die aus dem naturwissenschaftlich—technischen, aus dem human- und kulturanthropologischen oder aus einem sozial-, geisteswissen-schaftlichen Zusammenhang stammen, werden zwischen Entpolitisierung und (Wieder-)Politisierung und zwischen Theoriefeindlichkeit respektive theoriegeleitetem Interesse diskutiert.

Wechselbilder von Schulhöfen. Über Schulhöfe und ihre Umgebungen als Spiegel der Gesellschaft

Das, was sich über Landschaften („landscapes“), Räume („Spaces“) und Orte („Places“) sagen läßt, ist strukturell auch auf kleinsten Maßstabsebenen – beispielsweise auch an Schulhöfen – nachzuvollziehen. Sie sind als „Registrierplatte“, als eine Art Archiv von Zeichen und Spuren von Gesellschafts-„Spielen“ unterschiedlichster Ausprägung zu deuten: Zeichen und/od. Spuren von Identitätszuschreibung, -suche, -flucht, von verorteten Normen, von An- und Enteignung (Territorialität); Zeichen u./od. Spuren von Anschauungen, von Weltbildern, von Selbst- und Fremdwahrnehmung, von Gewalt, Übergriff und Unterwerfung, von Hierachisierungen, von Ungerechtigkeiten, […],[…],[…]; aber insbesondere auch von Ideen eines Lernens zwischen „Bildung“ und „Unbildung“. Oft sind es gerade die alltags- und erfahrungsweltlichen Dinge, die uns sehr viel über die oben genannten Dimensionierungen „sagen“ (allerdings nicht eindeutig, sondern mehrfach codiert). Vor dem Hintergrund von Deutungs- und Interpretationskünsten geht es sowohl um Innenwelten in der Außenwelt, als auch um außenweltliche Erscheinungen als Spur zu jeweiligen Innenwelten. In diesem Sinne spielen auch im-materielle Räume, die auch die Schulhofgrenzen überschreiten, eine wichtige Rolle – vor allem dann, wenn es um Selbstverortungen und Selbstreflexion geht.

Zwei Dimensionen, die im Rahmen interkulturellen Geschehens Wahrnehmungen bedingen und die Schulhöfe als „spontane“ Orte interkultureller Bildung erscheinen läßt. An die Schulhöfe in ihren Ortsqualitäten als Kulturraum der besonderen Art und auch an die oben erwähnten Interpretationskünste möchte ich in diesem Seminar auf verschiedenen Ebenen heranführen: auf der Ebene einer Theoriebildung im Sinne innovativer kulturwissenschaftlicher und raumsoziologischer Ansätze, aber auch auf einer empiriebezogenen Ebene, auf der ich sowohl mit Schülern als auch mit Studierenden Momentaufnahmen von soziokulturellem und gesellschaftlich bedeutsamen Geschehen auf und um Schulhöfe herum in unterschiedlichster Weise festgehalten habe („Protokolle“ unterschiedlichster Art spielen hier eine Rolle: Kartierungen, Filmsequenzen, Transkriptionen von Interviews, Beobachtungsprotokolle unterschiedlichen Kalibers zwischen „Objektivierung“ und Selbstreflexion).

urban evolution - STÄDTE erLEBEN

75% der in Deutschland lebenden Bevölkerung wohnt in Städten und noch viel mehr arbeiten in ihnen. Städte sind somit in den letzten 2000 Jahren immer mehr zum Mittelpunkt unserer Gesellschaft geworden und stehen so auch im Zentrum der Erfahrungs- und Bildungswelt von Schülerinnen und Schülern. Dabei stellen Städte selbst einen lebenden und lebendigen Organismus dar, welcher sich entwickelt, einer ständigen Veränderung und Anpassung unterliegt und dennoch nie seine Vergangenheit und Herkunft verleugnen kann. Hierbei ist der Name „urban evolution“ ganz bewußt gewählt, denn es soll vordergründig nicht die reine Stadtentwicklung (urban development) oder um die Stadtplanung (urban planning) gehen, sondern es soll vielmehr um die Frage gehen, warum sich die (deutschen) Städte in den 2000 Jahren so entwickelt haben und zu dem geworden sind, wie wir sie nun heute vorfinden, was für „Trends“ es in der Stadtentwicklung gibt und was wir konkret für Ideen haben, wie unsere Städte denn eigentlich aussehen sollten.

In diesem Seminar wollen wir uns also auf eine Spurensuche nach eben diesen Ursprüngen unserer Städte begeben. Dabei wollen wir zum Beispiel herausfinden, wie viel Rom selbst heute noch in Köln zu finden ist oder warum Kassel gerade genau so aussieht, wie wir es nun vorfinden. Die dahinterstehende Idee ist die Frage nach der Alltagswahrnhemung, der Identifikation und der Aneignung von unserem Nahbereich, der Stadt. Auf diese Weise können wir Schülerinnen und Schüler bei ihrer Entwicklung zu mündigen Bürgern in unserer Gesellschaft untersützen und sie zur aktiven Teilnahme am kommunalen Meinungsbildungsprozess ermutigen.

Gerade die Konstituenten städtischer Lebensdimensionen – und dazu gehören auch Widerstände, Spannungsgradienten zwischen Nähe und Distanz, Formen zwischen Gemeinschaft und Zwangvergemeinschaftung, Ideen von Freiheit und Abhängigkeit – sollen Stadt/städtische Szenarien in vielschichtiger Weise schillern lassen. An dieser Stelle erweist sich Stadt als besondere Herausforderung für kulturelle Bildung und Bildungskulturen. – Perspektiven subjektorientierter Didaktiken (vgl. etwa E. Kösel) und Besinnung auf subjektorientierte Bildungs Erlebnisse warten auf Konkretisierung.

Bildungsinstitutionen als Generator von Humankapital - oder wie viel Neoliberalisierung die moderne Seele verträgt

Im Zentrum dieser Veranstaltung steht die Universalformel/-anpruch „Nachhaltige Bildung“ und damit auch Verständnisse und Bedeutungshöfe, die sich dahinter verbergen. Kritisch analysiert werden sollen Normierungen und Standardisierungen, die sich zeitgeistbedingt u.a. in geforderten und erwünschten  Wissensformaten zeigen. Es handelt sich dabei nicht selten um Formatierungen, die die unterschiedlichen Akteure im Lern- und Lehrgeschehen  im Sinne einer Auftraggeber/Auftragnehmermentalität begünstigen. In Sprachspielen und Sprachräumen finden wir Begriffe wie „Effizienzsteigerung“ und “ Optimierung“. Welche Bezüge und Referenzflächen dabei diese Hochidealisierung vom Optimieren haben, wird dabei gerne vergessen, verdrängt oder wegtabuisiert. Häufig stehen hinter Idealen dieses Kalibers Kürzungen, Verflachungen, Mechanisierungen, Entwürfe von Beschleunigung, die eine Verweildauer eines Reflektierens und Nachdenkens stark einschränken oder gar nicht mehr zulassen. Theorie- und empiriebasiert soll eine solche Kette strultureller Verunmöglichungen analysiert und durchdrungen werden.

Angesichts pluralistischer Gesellschaften und multikultureller Gegensätze sollen Perspektiven von „Bildung“ und „Nachhaltigkeit“ und die damit verknüpften Dimensionen von „ökonomischen Wachstum“, „sozialer Gerechtigkeit“ bzw. „Sozial-verträglichkeit“ und „erfolgreichem Lernen“ in einem relativistischen Sinne neu kontextualisiert werden. D.h. es stehen Fragen im Zentrum wie:  Ziele, Werte und Normen im Bereich von „nachhaltiger Bildung“ sind bezogen , auf welche Ideen von Mensch- Umwelt-Verständnissen, bezogen auf welche Art von Erfolgsgradienten, bezogen auf welche Ideen vom „Anderen“, vom „Fremden“, […].

 

 

Risse in der Natur- und Kulturgeschichten des Wassers - Analytische Impulse aus der politischen Ökologie

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Risse in der Natur- und Kulturgeschichten des Wassers - ästhetisches lernen und forschen im Sachunterricht

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Vergangene Lehrveranstaltungen

 

 

Zurück zum Citoyen! Sozialplanung als Mittel der Redemokratisierung auf kommunaler Ebene

Städte sind geprägt von ihren heterogenen Gesellschaften. Dieses Durcheinander von Lebensmodellen, Herkünften und Gleichzeitigkeiten macht die Stadt erst zu dem, was sie ist: Der Schmelztiegel der Kulturen. Hierbei entwickeln die unterschiedlichen Gruppen verschiedenste Interessen, Wünsche und Bedürfnisse, welche es gilt zu artikulieren. Auf Grund unterschiedlichster Faktoren ist die Artikulationsmöglichkeit von eben diesen Wünschen und Bedürfnissen innerhalb einer Gesellschaft unterschiedlich verteilt.

An diesem Punkt setzt das Seminar "Zurück zum Citoyen! Sozialplanung als Mittel der Redemokratisierung auf kommunaler Ebene" an.

Wir wollen mit Hilfe einer integrierten Sozialplanung die Hürden der unterschiedlichen Artikulationsmöglichkeiten einreißen und so eine Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen am Gemeinwesen erreichen. Auf diese Weise soll ein Zurück zum Citoyen, also ein Zurück zum mündigen Bürger, der an politischen Prozessen teilnehmen und seine Bedürfnisse nicht nur artikulieren, sondern bestenfalls auch durchsetzen kann, erreicht werden. Empiriebezogene und handlungsorientierte Projekte sind stellen somit im Rahmen dieses Seminars eine wesentliche Basis dar.

Quartiersmanagement in Kassel "Brennpunkte" erkennen und Handlungsoptionen entwickeln

Städte stehen im Mittelpunkt unseres heutigen Zusammenlebens in Deutschland, sie sind Schmelztiegel unserer heterogenen Gesellschaft und gleichzeitig Ausdruck dieser. Wir beobachten jedoch eine immer größere Segregation auf Grundlage unterschiedlichster Indikatoren bis hin zur Bildung von sogenannten "Brennpunkt-Stadtteilen". An dieser Stelle soll dieses Seminar ansetzen. Wir wollen gemeinsam der Frage nach diesen ominösen "Brennpunkten" nachgehen, herausarbeiten wer und vor allem auf welcher Basis diese definiert werden. In einem weiteren Schritt sollen diese Erkenntnise bezüglich der Segregation und "Brennpunktentwicklung" auf Kassel angewendet werden, um darauf aufbauend Ideen einer gezielten "Sozialen Arbeit" im Stadtteil in Form eines Quartiersmanagements entwickeln zu können. Dafür wollen wir ein Stadtteilmanagement in Kassel näher betrachten, deren Arbeit begleiten und weitere Ideen für eine aktive Stadtteilarbeit entwickeln.

Raumpioniere und ihre "Tatorte"

„Tatorte“ – in diesem Zusammenhang sind Stadtlandschaften, Szenarien aus dem landschaftsökologischen Bereich und ebenso auch politische Gesinnungslandschaften gemeint. Stadtgesellschaften können sich sehr unterschiedlich in solchen Gesinnungstopologien verorten: Sie können sich darin einrichten, sich an Versatzstücken jener Landschaften stoßen oder auch widerständig darauf reagieren. Gerade wenn es zeitgeistbedingt um interkulturelle und auf Integration angelegte Projekte geht, wartet ein Korridor zwischen wissenschaftlichen Begehrlichkeiten, künstlerischer Praxis und alltagsweltlichen Kompetenzen auf (Wieder-)belebung.

Viele der kursierenden Definitionen um „Raumpioniere“ legen ein Verständnis nahe, das im Sinne einer Hauruck-Rationalität schnell missverstanden werden kann: Hier das „sozialräumliche Problem“, da die „Lösung“ durch den Raumpionier, der gleichzeitig einen innovativen Schub in Richtung „Kultur“ und „Technik“ leistet. – Damit wäre ein Verständnis in die Welt gesetzt, das einigen Raumpionieren in ihrem kreativen und politisch-kritischem Anspruch nicht gerecht wird. Die Kontexte dieser Lehrveranstaltung sollen Perspektiven bieten, ein derartig verengendes Verständnis zu öffnen für die Komplexität und Widersprüchlichkeit von Welt. - Komplexität und Widersprüchlichkeit sind entscheidende Triebfedern für die thematischen Schwerpunkte dieser Veranstaltung. Interpretationswürdig sind in diesem Kontext u.a. auch die Techniken der Sichtbarmachung und des Unsichtbarmachens, also auch des Verschweigens, des Nivellierens „sozialräumlicher“ oder auch kulturpolitischer Probleme, aber auch die Frage danach, welche Sprachen und Techniken überhaupt geeignet sind, auf eine entscheidungsrelevante Ebene zu gelangen. Kulturwirtschaftliches Treiben ist stets nur im Sinne eines jeweiligen Verständnisses von „Kulturpolitik“ zu verstehen. Über das, was „Kulturpolitik“ sein kann, lässt sich trefflich streiten – genauso wie über die „Werte“, „Wertigkeiten“ und „Wertschätzungen“ um Kultur, Macht und Raum.

Um diesen Streit fundiert führen zu können, werden selbst- und fremdernannte „Raumpioniere“ als Gattungswesen der besonderen Art – schillernd zwischen einem Robin Hood, geschickt-strategischem Manager, kulturpolitisch-kritischem Ideengenerator und auch von kulturwirtschaftlichen Maschinerien gepeinigten Kämpfern - in dieser Veranstaltung porträtiert und z.T. auch leibhaftig präsent sein. Um sich diesen komplexen Szenarien um Kulturpolitik auch auf einer analytischen Ebene gebührend nähern zu können, werden in dieser Veranstaltung im Bereich der Wissenschaftstheorie leitmotivisch immer wieder

Seminar zur Strukturierung wissenschaftlicher Arbeiten: Über Studierende als Forschungsreisende in eigener Sache (2016)

Die Strukturierung eines Themenschwerpunktes für eine wissenschaftliche Arbeit stellt sich nicht erst mit dem Beginn der Abschlussarbeit (BA-, MA- oder Staatsexamens-Szenarium) als eine besondere Herausforderung dar, sondern bereits während des Konzipierens von Seminararbeiten. – Eine Selbstverortung erscheint angesichts einer forschungslogischen, methodischen und methodologischen Vielfalt und vor dem Hintergrund eines mechanisierendem Modulgestöbers schwierig. Wichtig sind dabei jeweilige theorieorientierte Basiselemente als auch der jeweilige empirie-bezogene Kern eines Themenschwerpunktes. Vor allem wird es darum gehen, sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Theoriebildungen als konstitutives Element für forschungsleitende Fragestellungen zu begreifen. Begleitend werden grundsätzliche Einsichten und Perspektiven wissenschaftlichen Arbeitens reflektiert, wie etwa: Was taugen unsere Axiome (aus natur-, kultur- und geisteswissenschaftlichen Bereichen), wenn es um „Welt“-Erkundungen geht?; Welche Realitätskonstruktion wird durch welche Methodik begünstigt, in den Hinter- oder in den Vordergrund gerückt? – In welcher Weise hat Forschung sowohl mit Gegenstands- als auch mit Selbsterkenntnis zu tun?

Entsprechend eines sich wechselnden Publikums, das sich in jedem Semester aus Teilnehmern unterschiedlicher Studiengänge (aus dem gesellschaftswissenschaftlichen, erziehungswissenschaftlichen oder dem planungspolitischen Bereich) rekrutiert, werden spezifische Themenschwerpunkte herausgearbeitet.

Sprache - Macht - Raum: Impulse aus der Soziolinguistik zur Analyse herrschaftskompatibler Sprachspiele

Auf verschiedenen Ebenen wird in dieser Veranstaltung Sprache als konstituierendes Element betrachtet und analysiert, wenn es um die Produktionsstätten von Weltbildern/-sicht, von Gesellschafts- und Wissensformierungen geht. Sprache fungiert als wesentlicher Generator, wenn es um die Dimensionierung von Wahrnehmung und Wahrnehmbarmachung (aber auch Unsichtbarmachung) von Bedeutungen geht.

Der Kerneinsicht folgend, daß wir etwas mit Sprache machen und gleichsam Sprache/Sprachspiele etwas mit uns, mit unserem Denken machen, werden interdisziplinäre Forschungsfelder eröffnet (aus den Bereichen Raumbildung-Bildungsräume, Raumsoziologie, …, …, …). Empiriebezogene, konkrete Kontexte des öffentlichen, administrativen, institutionalisierten Sprachgebrauchs sollen in dieser Veranstaltung genauso eine Rolle spielen wie „private“, innenweltliche und individuell geprägte Sprachspiele. In diesem Zusammenhang werden auch nonverbale Ausdrucksformen interessant, die sich zunächst als schwierig erweisen, wenn es um Formen der Versprachlichung geht. An dieser Stelle geht es auch um die Suche nach einem „geschützten Raum“ für das Nicht-Sagbare (das Nicht-Diskursfähige). – Welche Sprache(n) ist/sind geeignet, um auf eine Ebene von Entscheidungsfindung zu gelangen, welche Sprache(n) werden dagegen „ausgebremst“? – Wer/wessen Sprache wird unter welchen Bedingungen weshalb nicht mehr gehört, nicht mehr hörbar? Welche Handlungsspielräume bieten sich angesichts inkommensurabler Sprachspiele? – Welche Verortungen eröffnen sich für Stimmen des politischen Einspruchs, für Widerstände allgemein (etwa auch im Cyberspace)? –

Vor dem Hintergrund solcher Impulsfragen soll im disziplin- und paradigmengeschichtlichen Zusammenhang analysiert werden, was sich in jeweiligen Forschungszusammenhängen hinter einem viel berufenen und viel-sagenden (aber ebenso inflationär verwendeten) „linguistic turn“ (häufig in einem engen Verbund mit einem „cultural turn“) verbirgt.  Auf der methodischen Ebene sollen text- und inhaltsanalytische Verfahren im Sinne einer verstehenden-, aporetischen Hermeneutik und einer Tiefenhermeneutik „geprüft“ werden.

 

 

Impulse aus der qualitativen Bildungs- und Unterrichtsforschung Über Schüler als "Experten" ihrer eigenen Lebenswelten

Ausgangspunkt der Veranstaltung und auch Ausgangspunkt der Projekte im Rahmen meiner qualitativen Bildungs- und Unterrichtsforschung ist die Analyse verschiedener Reproduktionsstätten von „Wissen“. Und vor allem auch die Frage danach, was machen wir mit jeweiligen Wissens-„Archiven“ machen und was machen sie umgekehrt mit uns. Wie sehen gesellschaftspolitische Bedingungen aus, die bestimmte Wissensformierungen begünstigen und andere dafür in den Hintergrund drängen? – Welche Rolle spielen dabei jeweilige Zeitgeister und wie lassen sie sich überhaupt beobachten und analysieren? – Eine der möglichen Annäherungen, die diesbezüglich eine Rolle spielen werden, sind transkribierte narrative Leitfadeninterviews mit SchülerInnen und Studierenden - als Seismogramm für sich autonomisierende Zeitgeister in aktuellen Bildungslandschaften.

Schulen (ebenso wie auch Hochschulen) stellen einen institutionalisierten Dichtepunkt dar, der als solcher leitmotivisch Gegenstand der Interpretation sein muß. Schulisch angebahnte Wissens-, Informations- und /oder Denkofferten finden sich zwischen formal definierten Hierachien und jeweiligen Ordnungsmodellen von Welt und jeweiligen Korridoren von Denkmodellen, die auf Öffnung angelegt sind.

„Qualitative Unterrichtsforschung“ und entsprechende Kondensate aus der Unterrichtsforschung sind in diesem Zusammenhang nicht zu verstehen als eine Effizienz-Überprüfungsmaschinerie, in der „Didaktik“ im Sinne einer Verpackungskunst oder eines bloßen Vermittlungsgeschehens bezogen auf bereits Vorgegebenes zugrundeliegt, sondern die Projekte der qualitativen Unterrichtsforschung sind in diesem Kontext darauf angelegt, nach „geschützten Räumen“ zu fahnden, nach Denkräumen, in denen jeweilige Schulbuch“wahrheiten“ mit Erfahrungswissen von Schülern konfrontiert und über diese neu-kontextualisiert werden können.

Die exemplarisch ausgewählten Schwerpunkte jeweiliger Unterrichtseinheiten sind interdisziplinär und auf integrative Fragestellungen ausgerichtet. Sie berühren thematische Schnittstellenbereiche aus einem Kanon gesellschaftswissenschaftlicher Interessen (wie etwa „Kultur-Technik – Macht – Raum“, „Natur – Mensch – Technik“, „interkulturelles Lernen“, „politische Umweltbildung“ „Territorium – Territorialität – Terror“, „Ökologie und Territorialität“).

Schule als Generator von Humankapital in Zeiten "nachhaltiger Bildung"

Im Zentrum dieser Veranstaltung steht die Universalformel/-anpruch „Nachhaltige Bildung“ und damit auch Verständnisse und Bedeutungshöfe, die sich dahinter verbergen. Kritisch analysiert werden sollen Normierungen und Standardisierungen, die sich zeitgeistbedingt u.a. in geforderten und erwünschten  Wissensformaten zeigen. Es handelt sich dabei nicht selten um Formatierungen, die die unterschiedlichen Akteure im Lern- und Lehrgeschehen  im Sinne einer Auftraggeber/Auftragnehmermentalität begünstigen. In Sprachspielen und Sprachräumen finden wir Begriffe wie „Effizienzsteigerung“ und “ Optimierung“. Welche Bezüge und Referenzflächen dabei diese Hochidealisierung vom Optimieren haben, wird dabei gerne vergessen, verdrängt oder wegtabuisiert. Häufig stehen hinter Idealen dieses Kalibers Kürzungen, Verflachungen, Mechanisierungen, Entwürfe von Beschleunigung, die eine Verweildauer eines Reflektierens und Nachdenkens stark einschränken oder gar nicht mehr zulassen. Theorie- und empiriebasiert soll eine solche Kette  strultureller Verunmöglichungen analysiert und durchdrungen werden.

Angesichts pluralistischer Gesellschaften und multikultureller Gegensätze sollen Perspektiven von „Bildung“ und „Nachhaltigkeit“ und die damit verknüpften Dimensionen von „ökonomischen Wachstum“, „sozialer Gerechtigkeit“ bzw. „Sozial-verträglichkeit“ und „erfolgreichem Lernen“ in einem relativistischen Sinne neu kontextualisiert werden. D.h. es stehen Fragen im Zentrum wie:  Ziele, Werte und Normen im Bereich von „nachhaltiger Bildung“ sind bezogen , auf welche Ideen von Mensch- Umwelt-Verständnissen, bezogen auf welche Art von Erfolgsgradienten, bezogen auf welche Ideen vom „Anderen“, vom „Fremden“, […].

Aktuelle Perspektiven der Kultur- und Stadtgeographie als Impuls für interkulturelles Lernen

In dieser Veranstaltung soll keine allumfassende und enzyklopädische Einführung in die Humangeographie geboten werden, sondern vielmehr geht es darum, gezielt aktuelle Kernfragen aus dem Bereich der Kultur- und Stadtgeographie in lern-/unterrichtsspezifischen Kontexten und Szenarien zu konkretisieren und zu entfalten. Davon ausgehend, dass „Kultur“ wesentlich mehr ist als eine nationalitäts- und herkunftbezogene Etikettierung, sondern „Kultur“ vielmehr ein komplexes Inventar an Bedeutungen, Bedeutungszuweisungen umfasst, das sich in Erfahrungs-, Alltagspraktiken und auf Ebenen der symbolischen Repräsentation vielgestaltig zeigt, werden auch gesellschafts-wissenschaftlich relevante Kategorien wie „Gesellschaft“, „Macht“, „Zeit“ , „Raum“ und „Identität“ im Sinne jeweils unverwechselbarer Systemzusammenhänge entfaltet. Angesichts einer solchen Komplexität könnte jemand, der zwischen Lernen und Lehren agiert, erschrecken und verzweifeln oder aber beginnen, in eine gedankliche Euphorie zu fallen. – Vor allem deshalb, weil Bildung wieder in die Nähe von „Abenteuer“ rückt und die „Wahrnehmung“ als erkenntnisleitende Kategorie im Vordergrund steht.
Wesentliche Theorien/Ideen aus dem Bereich der „New cultural geography“ werden in diesem Zusammenhang vor dem Hintergrund konkreter Kulturlandschaften, Stadtlandschaften als Prägestock für Reisegradienten von Exkursionen veranschaulicht, um Ansichten/Einsichten dieser spezifischen und exklusiven Forschungsgemeinschaft der Kulturgeographen zwischen „Ergebnis“ und „Erkenntnis“ zu sichern. Anhand von Schülerprotokollen aus dem Bereich der qualitativen Unterrichtsforschung soll nachvollzogen und analysiert werden, inwiefern Lerngemeinschaften Impulse für fachwissenschaftlich orientierte Denkmodelle liefern und wie verblüffend nahe sie zuweilen(!) einer Phänomenologie und einer postmodernen Geographiedidaktik als Sonderformen des gesunden Menschenverstandes sind.

Weltbilder und ihre soziokulturellen Produktionsstätten als Herausforderung im Sachunterricht

Die Geographie wird sehr rasch als auf Visualisierung basierende Disziplin mit länderkundlichen Prinzipien, mit flächendeckenden Darstellungen und mit („Welt“)-Karten-Produktion assoziiert. – Ein Teil der Paradigmen- und Ideengeschichte der Geographie als Raumwissenschaft liefert mit der entsprechenden Vorrangstellung von Prinzipien der Deskription, des Kausalitätsprinzips, des morphogenetischen Ansatzes auch einen entsprechenden Nährboden: Genauigkeit, Vollständigkeit und auch Naturähnlichkeit wurden und werden als beispielhafte Kategorien einer jeweiligen „Objektivität“ gehandelt. – Dabei sind bereits Karten in ihren jeweiligen Repräsentationen von Zeit und Raum Welt-Bild-Generatoren und nicht einfach „nur“ Werkzeug zur bloßen Weltdarstellung. Bereits bei der Erstellung einer jeweiligen Karte begegnen sich unvermeidbare (!) Subjektivität und Standardisierungsmechanimen. Angesichts dieser Erkenntnis gilt es nicht, in Verzweiflung auszubrechen, sondern vielmehr darum, eine solche Einsicht als Impuls für neue Fragestellungen heranzuziehen. Denn die Kartenproduktion ist nur eine von vielen Produktionsstätten jener Weltbilder: Schulbuch“wahrheiten“, Kinderspielfilme,- erzählungen, -hörspiele, Glanzpapierbroschüren, aber auch außerschulische Lernorte, musealisierte Szenarien, …, …, ….spielen eine erhebliche Rolle bei den Zuschreibungen von „erfolgreich“ und „gescheitert“, „krank“ und „gesund“, „stark“ und „schwach“, „schmutzig“ und „sauber“, „fair“ und „gemein“, …, …. Das Spektrum der Generatoren für Weltbilder ist breit, ebenso breit wie das Spektrum von dem, was sich bei den geistigen Repräsentationen von Orten, Räumen, Kulturen in den Köpfen manifestiert. Es sind vielmehr diese „Bilder“, die Ideen von einem Zusammenleben, die eventuelle Gradienten des Bösen, die letztendlich auch Handlungen, Widerstände, Fragen oder auch ein Verstummen von Menschen bedingen. In dieser Veranstaltung werden nicht nur exemplarisch die unterschiedlichen Produktionsstätten betrachtet und analysiert, sondern auch konkrete Studien- und Lernprojekte entworfen, die Bild-Archäologien unterschiedlicher Art ins Zentrum stellen, um sie zu kontextualisieren, auf Paßgenauigkeiten, aber auch Bildstörungen hin zu betrachten, mögliche Gegenbilder zu entwerfen und nicht zuletzt der Frage nachzugehen, was diese Bilder mit uns und was wir mit ihnen machen.

Sprache – Macht – Raum: herrschaftskompatible Sprachspiele – soziolinguistische Studien und ihre Impulse für gesellschaftswissenschaftliche Analysen

Auf verschiedenen Ebenen wird in dieser Veranstaltung Sprache als konstituierendes Element betrachtet und analysiert, wenn es um die Produktionsstätten von Weltbildern/-sicht, von Gesellschafts- und Wissensformierungen geht. Sprache fungiert als wesentlicher Generator, wenn es um die Dimensionierung von Wahrnehmung und Wahrnehmbarmachung (aber auch Unsichtbarmachung) von Bedeutungen geht.

Der Kerneinsicht folgend, daß wir etwas mit Sprache machen und gleichsam Sprache/Sprachspiele etwas mit uns, mit unserem Denken machen, werden interdisziplinäre Forschungsfelder eröffnet (aus den Bereichen Raumbildung-Bildungsräume, Raumsoziologie, …, …, …). Empiriebezogene, konkrete Kontexte des öffentlichen, administrativen, institutionalisierten Sprachgebrauchs sollen in dieser Veranstaltung genauso eine Rolle spielen wie „private“, innenweltliche und individuell geprägte Sprachspiele. In diesem Zusammenhang werden auch nonverbale Ausdrucksformen interessant, die sich zunächst als schwierig erweisen, wenn es um Formen der Versprachlichung geht. An dieser Stelle geht es auch um die Suche nach einem „geschützten Raum“ für das Nicht-Sagbare (das Nicht-Diskursfähige). – Welche Sprache(n) ist/sind geeignet, um auf eine Ebene von Entscheidungsfindung zu gelangen, welche Sprache(n) werden dagegen „ausgebremst“? – Wer/wessen Sprache wird unter welchen Bedingungen weshalb nicht mehr gehört, nicht mehr hörbar? Welche Handlungsspielräume bieten sich angesichts inkommensurabler Sprachspiele? – Welche Verortungen eröffnen sich für Stimmen des politischen Einspruchs, für Widerstände allgemein (etwa auch im Cyberspace)? –

Vor dem Hintergrund solcher Impulsfragen soll im disziplin- und paradigmengeschichtlichen Zusammenhang analysiert werden, was sich in jeweiligen Forschungszusammenhängen hinter einem viel berufenen und viel-sagenden (aber ebenso inflationär verwendeten) „linguistic turn“ (häufig in einem engen Verbund mit einem „cultural turn“) verbirgt.  Auf der methodischen Ebene sollen text- und inhaltsanalytische Verfahren im Sinne einer verstehenden-, aporetischen Hermeneutik und einer Tiefenhermeneutik „geprüft“ werden.

Kultur – Macht – Raum: „Raumpioniere“ und ihre Strategien in planungspolitischen Szenarien

In dieser Veranstaltung stehen konkrete politisch brisante Szenarien aus der Stadt- und Landschaftsplanung im Zentrum. Im Bereich des „Experten“-Jargons kursieren um „Kultur“ und „Raum“ einige Begriffe mit sehr breiten semantischen Höfen (der Begriff der „Raumpioniere“, Spezialterminilogien um „kreative Milieus“, …, …, …). Gleichzeitig werden diese deutungs- und erklärungsbedürftigen Begriffe relativ unbekümmert in planungspolitischen Entscheidungsfindungsprozessen und im Rahmen wertschöpfungsorientierter Raumstrategien operationalisiert, parametrisiert und skaliert. –  Sowohl in raum- als auch in gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen ist von „kulturwirtschaftlichen“ Aspekten, Potentialen von „Kreativität“, von „vitalen“ Landschaften die Rede. Vor dem Hintergrund verschiedener akteurstheoretischer Analysen soll in konkreten Planungsszenarien die Frage nach Diagnostikern (Experten), Patienten (Planungsbetroffene) und Machern neu gestellt werden. Ins Rampenlicht geraten in diesem Zusammenhang auch (selbsternannte und „fremd“ernannte) „Raumpioniere“ unterschiedlichster Art, die in dieser Veranstaltung so konkret wie möglich portraitiert und bezüglich ihres Selbstverständnisses befragt werden sollen. – Interessant wird auch die Frage: Welche Kulturpraktiken sedimentieren sich überhaupt in Stadtlandschaften (was die Kreativitätsförderung, die Ökologisierung, die Versportisierung, die Ökonomisierung, die …,…,…angeht)?

Begleitend sollen in dieser Veranstaltung theorieorientierte Referenzebenen um „Kultur“, „Macht“ und „Raum“ entfaltet werden, um Perspektiven aus den Bereichen „Kulturpragmatismus“, „Kulturtechnik“ und „Kulturkritik“ (ein Genre, zu dem sich viele „Experten“ nicht gerne bekennen) diskutierbar zu machen.

Das Unsichtbare sichtbar machen - geographiedidaktische Ansätze und ihr Potential im Sachunterricht

In dieser Veranstaltung werden geographiedidaktische Ansätze vorgestellt, diskutiert und im Zuge der konkreten Konzeption von Unterrichtsstunden und Unterrichtseinheiten kontextualisiert. Der Passus „das Unsichtbare sichtbar machen“ ein Verweis auf didaktische Denkansätze, die vor allem im Rahmen wahrnehmungsgeographischen Studien entwickelt wurden. Eine besondere Rolle spielt das „ästhetische Lernen“. („Ästhetik“ in diesem Kontext nicht verstanden als decorativer Mehrwert, sondern vielmehr im Sinne von „Wahrnehmung“ und Wahrnehmbarmachung.) Gerade in Erkenntnis- und Lernprozessen tauchen Fragen nach Dingen, Phänomen und Prozessen auf, die sich der Wahrnehmung entziehen, was sowohl gesellschaftswissenschaftliche als auch naturwissenschaftliche Erscheinungen betreffen kann. Die Frage danach, warum der Himmel blau ist, stellt dabei ebenso eine Herausforderung dar, wie die Frage danach, wieso der eine bestimmen darf und der andere nicht. Und ebenso herausfordern ist die Erforschung und auch Sichtbarmachung im Sinne ästhetischer Praktiken.

Raum- und Zeitkonstruktionen in sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Kontexten

Im Zentrum dieser Veranstaltung stehen „Wissensräume“ der Disziplinen, die analytisch mit den Kategorien „Raum“, „Zeit“, „Macht“ , „Gesellschaft“ und „Identität“ agieren. Dahinterstehende Paradigmen-/Ideengeschichten von Raum und Zeit, aber auch gesellschaftspolitisch sich etablierende Zeitgeister sind ausschlaggebend dafür, welche Fragen von jeweiligen Forschungsgemeinschaften in den Vordergrund gestellt, andere in den Hintergrund katapultiert werden. Welche Fragen werden überhaupt gestellt? Welche Denkräume verstummen? Wie werden Verständnisse und Verhältnisse um Theorie und Empirie konstruiert? Welche Methoden werden bevorzugt und warum erkennen wir dies und das? Vor dem Hintergrund raum-, sozial- politikwissenschaftlicher Problemfelder und Forschungsschwerpunkte sollen in dieser Veranstaltung Zeitreisen angestimmt und Denkräume ermöglicht werden.

Raumentwicklungskonzepte zwischen Dynamik und Stillstand

Im Zentrum dieser Veranstaltung stehen Raumentwicklungskonzepte aus unterschiedlichen Bereichen: Aus Kontexten der Stadt- und Kulturraumforschung, aus Kontexten der Landschaftsplanung, Landschaftsökologie (Naturschutzfachplanung, Biospärenreservate), aus Bereichen der „Nachhaltigen Raumentwicklung“ und nicht zuletzt aus Entwicklungskonzepten auf internationaler Ebene (NGO´s, Ansätze zur Syndromisierung von Welt, …). In dieser Veranstaltung sollen Raumentwicklungskonzepte dieser Art auf ihre verborgenen politischen, ökonomischen und sozialen Agenden hin befragt und analysiert werden. Bei Konzepten dieses Kalibers sind die jeweiligen akteurstheoretischen Hintergründe von besonderem Interesse. Diese Konzepte sind mehr als ein Instrument zu vermeintlicher Entwicklung, zur „Opitmierung“, zur vermeintlichen Steigerung von „Vielfalt“ u.s.w. . Sicherlich werden sie derartig positiv konnotiert gehandelt – zumindest in Sonn- und Feiertagsreden. Nicht selten zeigt ein Blick hinter die Kulissen, wie entscheidend die Frage nach Bezügen und Referenzflächen ist: Wer definiert vor welchem Hintergrund mit welchem Interesse soetwas wie „Vielfalt“, wie „Entwicklung“, „Dynamik“ für wen? Kann eine propagierte „Vielfalt“ für den einen nicht Einengung für den Anderen sein, eine propagierte „Dynamik“ für den anderen Stillstand und Stillstellung bedeuten? Woran werden Entwicklung, Vielfalt usw. gemessen? Und vor allem: Wer sucht die Meßlatte aus?

Auf der Basis sehr unterschiedlicher Materialien und Dokumente (Textanalysen, Kartierungen, Transkriptionen von Interviews mit beteiligten Akteuren) sollen die entsprechenden Entwicklungsszenarien konkret analysiert werden, um diese Projekte in einer gesellschaftswissenschaftlichen und gesellschaftskritischen Dimensionen interpretieren zu können. Wie bedingen sich in den entsprechenden Konstellationen die Rolle von „Diagnostikern“, „Patienten“ und „Machern“?; Welche Rolle spielt ein jeweiliger „Experten“-Jargon? Welche Sprache ist aus der Perspektive der Betroffenen und Beplanten geeignet, um auf eine entscheidungsrelevante Ebene zu gelangen?


Physisch-geographische Gegenstände/Phänomene zwischen Natur- und Kulturwissenschaft – Perspektiven der Umweltbildung im Sachunterricht

Den forschungslogischen Kern der Physischen Geographie stellt die „Landschaft“ dar. Ein sehr komplexes Kompendium, dessen Bedeutungshöfe – je nach Kontext und Systemzusammenhang – sehr unterschiedlich konstruiert werden: Etwa im Sinne eines auf Totalität angelegten „Sphärenmodells“ (Lithosphäre, Pedosphäre, Hydrosphäre, Biospähre, […]), im Sinne biologistisch geschlossener Systeme und Kreisläufe, im Sinne der Ordnungsprinzipien und Syntaxonomien der einzelnen naturwissenschaftlichen Teildisziplinen der Physischen Geographie (Vegetations-geographie, Geologie, Geomorphologie, Hydrogeographie, …), […], […], aber ebenso auch „Landschaft“ als Seismogramm und bildliches Archiv von Gesellschaft, in dem sich auch soziokulturelle Praktiken sedimentieren. An diesen zuletzt genannten Entwurf von „Landschaft“ knüpft die Ideenwelt der „Politischen Ökologie“ an. Die analytischen und verstehenden Zugänge der „Politischen Ökologie“ sind darauf angelegt, die in erster Linie naturwissenschaftlich designten Sichtweisen auf „Landschaft“ (häufig auch synonym und stellvertretend formuliert für „Umwelt“, „Natur“ und „Raum“) zu kontextualisieren und auf verborgene ökonomische, soziale und politische Agenden hin zu befragen.
Vor dem Hintergrund konkreter Landschaftsszenarien (Gebirgslandschaften, Riedlandschaften, Küstenlandschaften, stadtökologisch interessante Szenarien[…]) soll in dieser Veranstaltung sowohl eine Annäherung an die Arbeitsweisen der klassischen Physischen Geographie geboten werden (etwa Arbeiten mit geomorphologischen Karten, mit einem Gesteinsbestimmungsschlüssel, der Umgang mit pflanzensoziologischen Syntaxonomien,[…], […], […]), aber ebenso auch eine Annährung an analytische und verstehende Instrumentarien einer Politischen Ökologie. Beide Zugänge sind im Sinne einer kritischen Umweltplanung und Umweltbildung wichtig, um sowohl die naturwissenschaftlich-kausalen Rationalitäten (z.B. ökologische Standortanalysen) nachvollziehen zu können, aber genauso auch ihre Entstehungsagenden und Kontexte, in denen Akteure aus Wissenschaft, Politik, Medien und nicht zuletzt auch die Akteure hinter der Produktionsstätte von Schulbuch“wahrheiten“ bedingend wirken. – Die Fragestellungen, die im Sinne einer kritischen Umweltbildung dann auftauchen, haben enormes didaktisches Potenzial und sind vor allem auch als Stolperstein und Denkimpuls für den Sachunterricht bzw. allgemein für Lern- und Verstehenskontexte wesentlich. Der Sachunterricht ist nicht dazu verdammt, physisch-geographische Inhalte (fachlich häufig eng liiert mit der Wirtschaftsgeographie) im Sinne einer mittigen Belanglosigkeit zu verhandeln. Anhand der Konzeption konkreter Unterrichtseinheiten für den Sachunterricht sollen Perspektiven einer Umweltbildung im Sinne der politischen Ökologie gezeigt und z.T. erarbeitet werden.

(Stadt)Landschaften als „Archiv der Gesellschaft“(en) – geographische/sozialräumliche Instrumentarien entfaltet im Sinne einer Dechiffrierungskunst

Im Zentrum dieser Veranstaltung steht ein ebenso dynamischer wie komplexer Ansatz zum Verstehen und Interpretieren von Stadtlandschaften: die (Stadt-)Landschaft als „Text“ zu begreifen. Der Kerneinsicht folgend, daß wir es sowohl mit komplexen als auch mit hochgradig widersprüchlichen Welten zu tun haben, soll das Erkenntnispotenzial eines Ansatzes in Szene gesetzt werden, der Spannungsfelder und Aporien nicht zu glätten versucht, sondern vielmehr sie im Sinne einer Kontextsuche erklären und analysieren möchte. Bei dieser Spezialform des Landschaft-als-Text-Verstehens wird davon ausgegangen, daß sich sehr vielfältige Geschichten in einer ebenso vielfältigen Weise in einer Stadt sedimentieren. Entsprechend werden Stadtlandschaften auf der Ebene einer symbolischen Repräsentativität – im Sinne jeweiliger Sehgewohnheiten und im Sinne einer jeweiligen Decodierungsbereitschat/-kunst „gelesen“ bzw. auch übersehen, zu flüchtig oder gar nicht gelesen oder aber auch nach sinnstiftenden Impulsen „zwischen den Zeilen“ gefahndet. Häufig sind es komplexe, häufig auch zunächst undurchsichtige Strategien einer An- und Enteignung von Raum, nicht offenkundige Insignen von Macht- oder Demokratieverständnissen oder Hinterlassenschaften fragwürdiger Entwürfe von Demokratie oder allgemein sehr kryptisch in Erscheinung tretende Spuren von Werten und Wertschätzungen.– Stadtlandschaften werden interessant in ihren jeweils unterlegten Gesinnungstopologien. Die Wahrnehmung als erkenntinisleitende Kategorie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ebenso wie die Frage nach Strategien der Sichtbarmachung und Unsichtbarmachung kultur- und sozialräumlicher Probleme, sind Praktiken des Kommunizierens, des Inszenierens und Theatralisierens bedeutsam. Anhand sehr unterschiedlich gestalteter Momentaufnahmen aus meinen „Gelände“praktika und Exkursionen soll zum einen eine Annäherung an diese Art der „Dechiffrierungskunst“ erfolgen und zum anderen soll ausschnittweise an verborgene Gesinnungstopologien von Stadtlandschaften (insbesondere auch von Kassel) herangeführt werden. U.a. wird es in dieser Veranstaltung auch um Stadtlandschaften zwischen postulierten Integrationsprogrammen und desintegrativen Alltagspraktiken, zwischen Demokratie-/Partizipationsansprüchen und Entdemokratisierung, zwischen „Vielfalt“ als normierte Konstante und „Vielfalt“ im Sinne jeweils unverwechselbarer Systemzusammenhänge; zwischen Be- und Entschleunigungsprozessen.

Stadt- und Kulturpolitik zwischen Integration und Desintegration - zwischen Demokratisierung und Entdemokratisierung

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Umweltbildung im Sinne einer "Politischen Ökologie" - Impulse zur (Wieder)Politisierung ökologischen Wissens

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Über Räume und Zeiten von Kindern: Raum - Bildungs - Konzepte im Sinne wahrnehmungsgeographischer und erfahrungsweltlicher Perspektiven

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Die Geschichte und Geschichten zur Visualisierung von "Landschaft" - von der Ebstorder Weltkarte zu digitalisierten Topologien

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