Doktoranden/-innen
Nicole Heidel, M.A.
Transcodierungsprozesse und -strategien der jesuitischen Indienmission im 18. Jahrhundert (Arbeitstitel)
Gegenstand der Dissertation sind die wissenschaftlichen Forschungen und Aktivitäten der katholischen Ordensgemeinschaft der Gesellschaft Jesu in Indien im 18. Jahrhundert. Grundlage der Untersuchung sind die zahlreichen Darstellungen der jesuitischen Padres, die sie über Kultur, Gesellschaft, Geographie, Kartographie, Botanik und Zoologie sowie Medizin und Pharmazie in ihren vielfältigen Publikationen, sowie in zahlreichen Briefen und Berichten nach Europa sandten. In diesem Kontext soll untersucht werden, ob es in der Mission den zahlreichen Sprachforschungen analoge oder divergente Übersetzungsprozesse und –strategien gegeben hat. Fanden also Formen des Kultur- und Wissenstransfers statt, die sich im engeren Sinn als interkulturelle Übersetzungsvorgänge beschreiben lassen?
Katrin Jahn, M.A.
Idealisierte und gelebte Männlichkeit. Das Bild des Mannes in britischen Reiseschriften des 18. Jahrhunderts (Arbeitstitel)
Wann ist ein Mann ein Mann? Gezielt für den britischen Raum soll dieser Frage anhand von Reiseschriften des 18. Jahrhunderts nachgespürt werden. Gerade diese Quellengattung eignet sich besonders, da über die Abgrenzung zum Fremden das eigene, gesellschaftlich geprägte Ideal stärker in den Vordergrund tritt. Zur Herausarbeitung dieses Ideals sollen zur Publikation bestimmte Reisetagebücher und fiktive Reiseberichte den reinen Privatschriften wie Briefen und Tagebüchern gegenübergestellt werden, um so Gemeinsamkeiten und Unterschiede von idealisierter und gelebter Männlichkeit herauszustellen.
Christoph Reimann
Die Tagebücher des Grafen Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1687-1741) als Selbstzeugnis eines pietistischen Landesherrn (Arbeitstitel)
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die kleine, politisch völlig unbedeutende Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg zu einem Zentrum des Pietismus. Maßgeblich verantwortlich dafür war Graf Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der diese Entwicklung nicht nur tolerierte, sondern als Landesherr entscheidend beeinflusste, indem er religiös deviante Gruppen und Einzelpersonen in seinem Territorium ansiedelte und die pietistische Buchproduktion in Berleburg förderte. Casimirs pietistische Gesinnung kommt vor allem in seinen umfangreichen Tagebüchern zum Ausdruck, die tiefe Einblicke in sein Selbstverständnis ermöglichen, die ihrerseits wiederum Rückschlüsse auf die Motive seines politischen wie „privaten“ Handelns zulassen. In der Arbeit soll untersucht werden, wie einerseits der Pietismus Casimirs Regierung beeinflusste und wie sich andererseits seine landesherrliche Verantwortung auf sein Selbstverständnis auswirkte. Darüber hinaus bietet die Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg die Möglichkeit, am Beispiel eines kleinen Territoriums zu untersuchen, inwiefern Kategorien wie „Orthodoxie“, „kirchlicher“ und „radikaler“ Pietismus dem Selbstverständnis der so Bezeichneten überhaupt gerecht werden und welche Möglichkeiten und Grenzen eine an philadelphischen Idealen orientierte Toleranz angesichts des Wahrheitsanspruches, mit dem die unterschiedlichen theologischen Positionen verfochten wurden, hatte.
Andreas Schymik, M.E.
Der kirchliche Repressionsapparat im Erzbistum Salzburg nach der großen Emigration
Dem in Europa lauter werdenden Ruf nach religiöser Toleranz zum Trotz dauerte die Verfolgung und Zwangsrekatholisierung devianter Gläubiger im Territorium des Salzburger Erzbischofs bis zum Vorabend der französischen Revolution an. Dabei stellte die Ausweisung zehntausender Protestanten in den Jahren 1732/33 bekanntermaßen den Höhepunkt, keineswegs jedoch den Abschluss dieser Repressionspolitik dar. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich unter der Regie der Salzburger Landesherren ein kirchliches, beinahe totalitäres Überwachungssystem, das die konfessionelle Identität möglichst jedes einzelnen Untertanen kontrollieren und über Familiengenerationen hinweg dokumentieren sollte. Die akribische Vorgehensweise der mit der Überwachung beauftragten Ordensgeistlichen, Hofbeamten und Pfleger brachte eine Vielzahl von Verhörprotokollen, Mandaten und auch Tagebuchaufzeichnungen hervor. Anhand dieser Dokumente werden Aufbau, Funktion und Grenzen des kirchlichen Überwachungssystems im Erzbistum Salzburg sowie die von der Bergbevölkerung entwickelten Verhaltensstrategien untersucht.


