Lehre

SS 2013

Die Grand Tour Wilhelms VII. von Hessen-Kassel (Projektseminar mit Exkursion ins Staatsarchiv Marburg)

Sa., 27.4., 10-14, R. 1207, NP 1 Vorbesprechung/Einführung
Mo., 13.5. ganztägige Exkursuion nach Marburg
Sa. u. So. (29./30.6.), 9-17 Block, R. 1207, NP 1

Während der Frühen Neuzeit (1500-1800) wurde in der Erziehung von Adelssöhnen eines immer wichtiger: Erfahrungen an ausländischen Höfen zu sammeln. Wichtigstes Instrument hierfür war die frühneuzeitliche Grand Tour, die die sogenannten Kavaliere an die tonangebenden Höfe in Frankreich, Italien und England führte. 1670 brach auch der 19-jährige Wilhelm VII., Landgraf von Hessen-Kassel, zu einer Grand Tour auf, während der er in Paris an einem Fieber starb. Im Staatsarchiv Marburg haben sich verschiedene Quellen erhalten, die diese Reise und insbesondere Wilhelms Krankheit und Tod dokumentieren und von der historischen Forschung noch weitgehend unbearbeitet sind. Nach einer allgemeinen Einführung zur Geschichte der frühneuzeitlichen Grand Tour werden wir uns im Seminar mit diesen Quellen beschäftigen. Während einer Exkursion ins Staatsarchiv Marburg, die zugleich eine grundlegende Einführung in die Archivarbeit darstellt, werden wir Gelegenheit haben, an den frühneuzeitlichen Originaldokumenten zu arbeiten, die Materialität historischer Quellen zu erfahren und erste Transkriptionsübungen vorzunehmen. Die Transkriptions- und Erschließungsarbeit soll dann in der Blockveranstaltung an Digitalisaten vertieft werden.


Historisches Propädeutikum
(zum TuK Gewalt und Gewalterfahrungen in der Frühen Neuzeit)
Di 12-14, AB 10, 1309

Affekte und Passiones: Emotionalität in der Frühen Neuzeit
Di 10-12, AB 2, 0402
Die Auseinandersetzung mit Emotionen wie Furcht, Liebe, Zorn, Hass oder Scham hat Konjunktur – so lässt sich mit Blick auf aktuelle Debatten und Forschungen über disziplinären Grenzen hinweg feststellen. Auch in den Geschichtswissenschaften setzt sich mehr und mehr die Auffassung durch, dass Emotionen sowohl Geschichte ‚machen’ als auch ihrerseits eine Geschichte haben.
Im Seminar wollen wir grundlegenden Modellen und Vorstellungen von Emotionalität in der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1800) nachspüren und anhand ausgewählter Aspekte nach den jeweiligen historischen bzw. kulturspezifischen Bedeutungen und Ausdrucksformen von Emotionen fragen. Entlang zentraler Forschungsarbeiten der Frühneuzeitforschung werden wir uns etwa mit der Rolle von Emotionen in politischen Theorien und dem praktischen Politikprozess beschäftigen sowie den persönlichen Umgang mit Emotionen in Selbstzeugnissen analysieren. Dabei werden wir danach fragen, wie Emotionen geschlechts- und altersbezogen sowie schichtspezifisch codiert und normiert werden.


Krankheit und Gesundheit in der Frühen Neuzeit
Zu allen historischen Zeiten und in verschiedenen Kulturräumen ist Krankheit bzw. Gesundheit für den einzelnen Menschen wie für die gesamte Gesellschaft existentiell. Doch trotz dieser universalen Grundbedeutung ist sowohl die Wahrnehmung von als auch der Umgang mit Krankheit und Gesundheit hochgradig kulturell verschieden. Im Seminar beschäftigen wir uns mit den zentralen Vorstellungen vom Funktionieren des Körpers in der europäischen Frühneuzeit (ca. 1500-1800). Dabei werden wir zeitgenössische Wissenskonzepte über die Entstehung von Krankheit (Humoralpathologie), die angemessene (ärztliche und heilkundliche) Behandlung sowie über die gesunde Lebensführung (Diätetik) kennenlernen. Im zweiten Teil des Seminars setzen wir uns anhand von frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen mit den Wahrnehmungen und Erfahrungen von kranken und gesunden Menschen auseinander. Die diskursiven Deutungs- und Sinnstiftungsprozesse im Angesicht von Krankheit und Gesundheit sowie die konkreten Praktiken des Umgang mit dem gesunden bzw. kranken Körper in den Selbstzeugnissen sollen dabei in Bezug zu zentralen beziehungs- und gesellschaftsstrukturierenden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Stand, Religion und Nation etc. gesetzt und somit im Hinblick auf ihre kulturspezifische Verortung interpretiert werden.


Interdisziplinäre Lehre

Dezember 2011 "Doing Gender. Zur Anwendung eines Konzepts in den Geschichts- und Literaturwissenschaften" gemeinsam mit Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB 2, Universität Kassel
im Rahmen der Einführenden Ringvorlesung "Ansätze der Geschlechterforschung. Eine interdisziplinäre Einführung" für Studierende des Studienprogramms der IAG Frauen- und Geschlechterforschung

Der Weg ist das Ziel? Reisebeschreibungen in Mittelalter und Früher Neuzeit
team-teaching-Seminar mit Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB02

Die Gesellschaften des europäischen Mittelalters und der Frühen Neuzeit gelten gemeinhin als undynamisch – das Leben der Menschen und die Räume, in denen sie sich bewegten, erscheinen statisch. Die kultur- und literaturhistorische Reiseforschung der letzten 30 Jahre hingegen hat die Bedeutung von räumlicher Mobilität für die Konstruktion kollektiver und individueller Selbst- und Fremdbilder in diesen Epochen deutlich herausgearbeitet. Im Seminar werden wir den Spuren dieser Forschungen folgen und anhand ausgewählter mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Reisebeschreibungen fragen, in welchem Verhältnis raumbezogene Identitätsbildungsprozesse zu anderen Kategorien wie etwa Stand und Geschlecht stehen. Das Spektrum der diskutierten Texte umfasst dabei sowohl Berichte über Reisen in den europäischen als auch in den außereuropäischen Raum sowie fiktionale und non-fiktionale Texte. Bei der Analyse der Reisebeschreibungen sollen methodische Ansätze und Fragestellungen aus der Literatur- und Geschichtswissenschaft miteinander kombiniert werden.

Anmerkung: Das Seminar ist für jeweils 15 Studierende der Germanistik und der Geschichte geöffnet.


Einführung in die Geschlechtergeschichte (Schwerpunkt Frühe Neuzeit)

Die Frauen- und Geschlechtergeschichte blickt nunmehr auf eine über 40 Jahre währende Forschungstradition zurück. Mehr und mehr hat sie in den letzten Jahren den Status einer Bindestrich- oder Teilgeschichte abgelegt und die Bedeutung von ‚Geschlecht‘ als Kategorie für die Erforschung historischer Gesellschaften und deren Funktionieren hervorgehoben.
Im Seminar wollen wir diesen Entwicklungen innerhalb der Geschlechtergeschichte nachgehen und Konzepte zum Verständnis der Kategorie ‚Geschlecht‘ aus anderen Disziplinen kennenlernen. Im zweiten Teil des Seminars soll die Fruchtbarkeit dieser Ansätze für die Analyse frühneuzeitlicher Quellen erprobt werden. Im Vordergrund der gemeinsamen Diskussion sollen daneben auch Fragen der gesellschaftlichen Relevanz sowie der Umsetzung von geschlechtergeschichtlichen Thematiken im schulischen Unterricht stehen.

Einstiegslektüre: Claudia Opitz-Belakhal, Geschlechtergeschichte, Frankfurt am Main 2010