Geschichte von Globalisierungsprozessen

Professur für Globalgeschichte / Geschichte von Globalisierungsprozessen

Die Globalgeschichte widmet sich der Untersuchung von globalen Verflechtungen, die stets im Geflecht von Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen zu analysieren sind. Anders als die frühere Kolonialgeschichte untersuchen globalhistorische Forschungen solche Konstellationen jedoch im Sinne wechselseitiger Einflüsse, Aneignungen, aber auch Abgrenzungen mit dem Ziel, eurozentrische Geschichtsbilder zu problematisieren. Koloniale Konstellationen z. B. werden in solchen Forschungen nicht nur dahingehend betrachtet, wie sie die Kolonien, sondern auch die vermeintlichen Metropolen prägten. Dabei müssen beide Begriffe – „Kolonie“ und „Metropole“ – und ihre binäre Opposition kritisch beleuchtet werden, da sie auf eben jenen Eurozentrismus verweisen, den Globalgeschichte überwinden muss. Ebenso müssen die Handlungsspielräume einer breiten Zahl von Akteuren Beachtung finden.

Anders als es der Begriff Globalgeschichte suggeriert, ist es nicht Ziel der Beschäftigung mit diesem Gegenstandsbereich, sich ein enzyklopädisches Wissen über den gesamten Globus anzueignen. Eher ist es Intention der Globalgeschichte, die Produktion eben solchen Wissens kritisch zu beleuchten und die Möglichkeiten zu erkennen, die sich durch eine Begrenzung des Untersuchungsrahmens ergeben. Bereits die Untersuchung einzelner kultureller Begegnungen und ihrer globalen Implikationen ist ein äußerst komplexes Unterfangen. Doch gleichzeitig kann sie es ermöglichen, tradierte Meistererzählungen, so etwa die Idee der Moderne als europäische Errungenschaft, das Konzept der Nation als quasi natürlicher Untersuchungseinheit historischer Forschung oder Vorstellungen von Globalisierung als linearem Diffusionsprozess kritisch in Frage zu stellen.

Globalgeschichte zu studieren und zu betreiben verlangt gleichermaßen die Auseinandersetzung mit europäischer und amerikanischer Geschichte wie auch mit den Forschungen benachbarter Disziplinen, v.a. der historisch orientierten Regionalwissenschaften. Insofern erfordert Globalgeschichte die Bereitschaft zu einem extensiven Lesepensum, oft in englischer Sprache, Freude daran, sich mit neuen Gegenstandsbereichen zu beschäftigen und eigene Gewissheiten zu hinterfragen sowie die Fähigkeit, sich über die Grenzen der eigenen Erkenntnis bewusst zu werden und sich in den Dialog mit anderen Perspektiven zu begeben. Auch die Kenntnis von Fremdsprachen, die über das Englische hinausgehen, ist von Vorteil. In diesem Sinne richtet sich Globalgeschichte auch und gerade an Studierende, die bereits über transkulturelle Kompetenzen verfügen oder sie erwerben möchten, und deren kritische Beiträge das Feld wesentlich voranbringen können.

In der Forschung beschäftigen sich die Mitglieder des Fachgebiets mit Themen des 19. und 20 Jahrhunderts, u.a. der Geschichte von Tourismus und Mission im Kontext kolonialer Bestrebungen im Osmanischen Reich sowie mit der Geschichte von Ernährung als Mittel sozialer, kultureller und politischer Transformation zwischen Europa, Südasien und anderen Teilen der Welt. In der Lehre werden regelmäßig Veranstaltungen zur kulturellen Verflechtungsgeschichte Europas und des Osmanischen Reichs bzw. seinen Nachfolgestaaten und Südasiens, Seminare zu theoretischen Zugängen, Überblicksvorlesungen zur Geschichte der Globalisierung im 19. und 20. Jahrhundert sowie zur Historischen Bildwissenschaft als Zugang zur Globalgeschichte angeboten.

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Global history is concerned with the analysis of global entanglements. These, however, always need to be looked at in the context of relations of power. Other than earlier versions of colonial history, studies in global history attempt to look at such constellations not as one-way transfers, but in terms of mutual influence, appropriations, but also the drawing of boundaries with the overall aim of challenging Eurocentric versions of history. Colonialism, for instance, is looked at not just in terms of how it shaped colonies, but also impacted the so-called metropoles, with a critical distance towards both terms and their binary opposition (reflecting as they do the very Eurocentrism global history ought to leave beind), and special attention to the agency of a broad range of actors.

Other than the term global history suggests, the pursuit of such lines of investigation does not entail the objective of amassing encyclopedic knowledge about the globe. The aim is rather to arrive at a critical analysis of such knowledge production, and to recognize the opportunities opened up by limiting rather than expanding one’s scope of investigation. Exemplary studies of individual cultural encounters and their global implications do not just confront us with plenty of complexity already. They may also enable us to critically re-assess received master narratives such as the idea of modernity as a European feat, the notion of the nation as a natural category of historical research, or the concept of globalization as a process of linear diffusion.

Delving into questions like these requires the willingness to acquire a certain familiarity with European and/or American history as well as  the research of neighbouring disciplines, most importantly area studies. As a consequence, studying global history requires extensive reading, much of it in English, enthusiasm for delving into new areas of study and questioning one’s own certainties, and the ability to recognize one’s limits and enter into dialogue with different perspectives. Finally, a command of foreign languages other than English is advantageous. Global history, therefore, may be attractive to, and certainly profits from, students holding, or wishing to acquire, transcultural competence, whose critical contriutions may further shape the field.

In their research, the members of the area are concerned with history of tourism and education in the context of colonial and local aspirations in the Ottoman Empire and its successor states as well as with the history of foodways as a means of social, cultural, and political transformation between Europe, South Asia, and other parts of the world during the nineteenth and twentieth century. Subjects taught on a regular basis include the cultural entanglement of Europe and the Ottoman Empire viz. the Middle East and South Asia, classes on theoretical approaches, survey lecture classes on the history of globalization during the nineteenth and twentieth century, and classes on visual history.
 

Prof. Dr. Julia Hauser