Geschichte der Mensch-Tier-Beziehungen (Human-Animal Studies)

Als interdisziplinäres Feld weisen die sogenannten Human-Animal Studies auf die Zentralität der Tiere für die Entwicklungen und Bestimmungen menschlicher Gesellschaften hin. Ihr erklärtes Ziel ist eine Neubetrachtung des Tieres, die gleichsam das Beschreiten neuer Wege einfordert, Tiere wissenschaftlich zu repräsentieren, seien diese Wege nun theoretisch oder methodisch fundiert. Die historisch orientierten Human-Animal Studies erhoffen sich über die Untersuchung von Tier-Mensch-Verhältnissen zudem neue Zugriffe auf menschliche Geschichte zu gewinnen.

mehr [...]

Dabei zeigt sich die Tier-Mensch-Geschichte anschlussfähig an weitere zentrale Unterfelder der Geschichtswissenschaften, vor allem der Umwelt- und Kolonialgeschichte, der Emotions- und Körpergeschichte, der Raum- und Stadtgeschichte, der  Geschlechtergeschichte und der Neuen Kulturgeschichte. Als Sozialgeschichte interessiert die historischen Human-Animal Studies, wie Tiere in der Strukturierung menschlicher Gesellschaften mitwirkten.

Allerdings steht auch das Tier selbst in der historischen Tierforschung im Mittelpunkt der Untersuchung. Der Zugriff auf das Tier als einem historischen Akteur läutet somit nicht bloß eine Neubetrachtung der Tier-Mensch-Geschichte ein, es ist vielmehr ein Perspektivenwechsel zu verzeichnen, von dem man sich ganz generell neue Ergebnisse für die historische Forschung verspricht. Der 2007 von der amerikanischen Umwelthistorikerin Harriet Ritvo ausgerufene „Animal Turn“ als kulturwissenschaftliche Wende hat damit auch die Geschichtswissenschaften erreicht. Als „Animal History”, also als Tiergeschichte, beschreibt sie den Gang der Geschichte, den Tiere aktiv mitbestimmt haben.

Die Tiergeschichte geht u. a. davon aus, dass den großen historischen Brüchen häufig auch sich ändernde Tier-Mensch-Beziehungen zugrunde lagen, so durch die Domestizierung, also der Nutzbarmachung von Tieren durch den Menschen. Fängt man in der Vor- und Frühgeschichte an, so wurde bereits mit der Neolithischen Revolution das Ende des menschlichen Nomadenlebens auch mit seiner Bindung zum Tier erklärt. Antike Imperien bauten auf Tiere als omnipotente Lasten- und Kriegsgeräte. Tiere fungierten aber auch immer – in nahezu allen Gesellschaften, die Objekte historischer Untersuchung waren – als das omnipräsente Andere, auf das vor allem Negatives projiziert wurde. Andererseits war die Abgrenzung von dem, was als tierlich, und dem, was als menschlich markiert wurde, bis in die Frühe Neuzeit fluide. Dies zeigen sowohl die mittelalterlichen Tierprozesse wie auch bildlichen Darstellungen, z. B. die Bestiarien. Die Moderne wiederum, ist durch eine Veränderung der Tier-Mensch-Beziehung gekennzeichnet, in der einerseits Tiere als Haustiere näher in intime menschliche Lebensräume rückten, andererseits die industrielle Ausnutzung ihrer Körper anlief.

Die Forschungsgebiete der Tiergeschichte beschäftigen sich also insbesondere mit der Erfassung der Wirkmacht von Tieren als historischen Akteuren, der Frage nach dem geeigneten  Quellenmaterial zur Schreibung von Tiergeschichte und der Einordnung von Tieren in die menschlichen Epocheneinteilungen. Sie beschäftigen sich mit allen nicht-menschlichen Spezies, vor allem aber mit jenen, die in einer engen Beziehung mit dem Menschen leben. In Kassel wird die Tiergeschichte insbesondere im Hinblick auf die Neuere und Neueste Geschichte gelehrt. Sie umfasst in diesem Rahmen sowohl die Bandbreite der theoretisch-methodischen Fragestellungen als auch die Untersuchung konkreter Tier-Mensch-Beziehungen im Zoo, in der Haustierhaltung, im Tier- und Umweltschutzschutz und in Film-und Fernsehen.



Kooperationen

Um Forschenden mit einem Interesse an Mensch-Tier-Beziehungen einen leichteren Anschluss an die internationalen Diskurse zu ermöglichen, unterhält das Fachgebiet Human-Animal Studies Kooperationen mit verschiedenen internationalen Universitäten für (selbstfinanzierte) Forschungsaufenthalte an ausländischen Institutionen sowie Kooperationen mit nationalen Forschungseinrichtungen.

mehr [...]


 

Prof. Dr. Mieke Roscher

LOEWE-Schwerpunkt "Tier - Mensch - Gesellschaft: Ansätze einer interdisziplinären Tierforschung"

Universität Kassel
Fachbereich 05 Gesellschaftswissenschaften
Untere Königsstraße 86 (Eingang Mosenthalstr. 8)
34109 Kassel

Raum 2032

+49 561 804-7989
+49 561 804-3464

E-Mail

Sprechzeiten in der Vorlesungszeit:
Dienstag, 11.00 - 12.00 Uhr

Sekretariat: Petra Studenroth


 

Dr. André Krebber

Universität Kassel
LOEWE-Schwerpunkt „Tier-Mensch-Gesellschaft“
Mosenthalstraße 8
34109 Kassel
Raum 2031

+49 561 804-7988
+49 561 804-3464

Sprechstunde in der Vorlesungszeit:
Dienstag, 15:30-16:30 Uhr

E-Mail


Petra Studenroth

Sekretariat

Universität Kassel
LOEWE-Schwerpunkt „Tier-Mensch-Gesellschaft“
Mosenthalstraße 8
34109 Kassel

Raum 2030

+49 561 804-7987
+49 561 804-3464

E-Mail