Forschung

Ästhetische Tiere: Zur zoologischen Dialektik von Evolution, Naturgeschichte und Individuum

Das Projekt intendiert, aus dem dialektischen Spannungsverhältnis von biologischen Rahmenbedingungen und individuellen Handlungsspielräumen von Tieren die Idee einer Tiergeschichte zu entwickeln. Dabei geht es immanent kritisch vor. Als in der Moderne hegemoniales Feld der Natur- und Tiergeschichtsschreibung wird der neuzeitliche Evolutionsdiskurs auf Widersprüche untersucht. Ausgangspunkt bildet dabei eine Relektüre von Charles Darwins Schriften zur sexuellen Selektion bei Tieren mit besonderem Fokus auf das Problem ästhetischer Entscheidungen von Tieren bei der Wahl ihrer Fortpflanzungspartner. Im Anschluss hieran wird die Rezeptionsgeschichte der darwinschen Naturtheorie im modernen Evolutionsdiskurs rekonstruiert, nicht nur um die Aneignung und eventuelle Uminterpretation darwinscher Naturtheorie sichtbar zu machen, sondern vor allem um innere Widersprüche und Spannungen in evolutionstheoretischen Diskursen aufzuzeigen. Unter Hinzunahme von Walter Benjamins und Theodor W. Adornos Arbeiten zum Begriff einer Naturgeschichte wird aus den gewonnen Erkenntnissen schließlich eine negativ dialektische Idee von Tiergeschichte entwickelt. Verdichtet werden soll diese Perspektive in dem Begriff der ‚tierlichen Biographie’.