Forschungsprojekte

Geschlechter der Herrschaft. Konstruktion und Transfer mittelalterlicher Gender-Modelle

Im Projekt untersuchen wir die geschlechtlichen Markierungen von Herrschaft sowie deren Herleitungen, Begründungen und Argumentationsstrategien. Ziel ist es, Kontextgebundenheit, transkulturelle und transreligiöse Wechselwirkungen sowie Fluidität der Wahrnehmung von Herrschaft und Geschlecht aufzuzeigen und Darstellungsmuster zu hinterfragen. Die Leitfragen richten sich deshalb auf die geschlechtlichen Konnotationen von Herrschaft und auf die Wirkung, die diese Zuschreibungen in Zuge der Bewertung und Darstellung von Akteuren und Situationen hatten. Zu beobachten ist etwa, wie das Personen zugeschriebene Geschlecht die Wahrnehmung, Deutung und Darstellung ihres Handelns und ihrer herrscherlichen Agency beeinflusste. Die Reaktionen der Autoren auf Abweichungen von der erwarteten Norm eröffnen zudem die Möglichkeit eines tieferen Verständnisses mittelalterlicher Geschlechterordnungen und ihrer Umsetzung in alltäglichen oder außergewöhnlichen Praktiken.

Die Königin im Spannungsfeld der spätmittelalterlichen Verfassungsentwicklung. Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Herrschaftsräume

      Während die früh- und hochmittelalterlichen Königinnen nach einer Reihe von grundlegenden Studien zunehmend das Forschungsinteresse auf sich zogen und zum Teil bereits gut erforscht sind, gibt es zum Königinnenamt als gesellschaftliche Institution im Spätmittelalter keine breit angelegte Untersuchung, welche die hiermit verbundenen Entwicklungen systematisch analysiert. Die Frage nach der Stellung der Königin im Verfassungswandel des späten Mittelalters stellt deshalb ein Forschungsdesiderat dar.

      Um hier Abhilfe zu schaffen, ist zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme nötig. Es gilt in einem ersten Schritt die in dem Zeitraum vom Tod Friedrichs II. 1250 bis zur Etablierung der Habsburgerherrschaft 1438 amtierenden Königinnen zusammenzustellen und ihre Präsenz in den gedruckten Schriftquellen zu untersuchen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der Machtverlust des Königs infolge des sogenannten Interregnums (1250-1273) und die 1356 in der Goldenen Bulle festgeschriebene Etablierung des Kurfürstenkollegs nicht nur zu qualitativen Veränderungen des Königtums als Institution, sondern auch zu einem Wandel der Rolle der Königin geführt haben. Es ist also zu prüfen, ob und inwiefern diese Veränderungen in den Quellen erkennbar sind. Darüber hinaus ist zu untersuchen, ob und wie sich die für die Entwicklung der spätmittelalterlichen Königsherrschaft so markanten Einschnitte auf die gesellschaftliche und politische Position der Königin im späten Mittelalter auswirkten und wie die Rolle der Königin an die Verfassungsrealität angepasst wurde. In diesem Zusammenhang sind vor allem die strukturellen Rahmenbedingungen weiblicher Herrschaft herauszuarbeiten und es ist z. B. nach konkreten weiblichen Handlungsräumen zu fragen.

      Obgleich sich die Untersuchung schwerpunktmäßig auf die Verhältnisse im deutschen Reich richtet, ist es unerlässlich, auch die Situation in anderen europäischen Reichen, insbesondere in England, Frankreich und Spanien, vergleichend zu betrachten. Aufgrund der europaweit angelegten Heiratsbündnisse des spätmittelalterlichen Adels ist mit Transferprozessen in den Bereichen von Rechtsgewohnheiten und kulturellen Praktiken zu rechnen, die sich auf die zeitgenössische Konzeption des Königsamtes ausgewirkt haben dürften.

    Transfer mittelalterlicher Textstrukturen in moderne IT-Umgebungen

    (TramiTe)

    • Gefördert durch
      • Mittel der Universität Kassel
      • in Kooperation mit dem Stadtarchiv Köln

    Zielsetzung
    Übergreifendes Ziel des Projekts ‚TramiTe’ ist es, den Studierenden die Bedeutung hilfswissenschaftlicher Fragen der Mediävistik mit neuen Methoden zu vermitteln. Das konkrete Lernziel besteht darin, die Lernenden dafür zu sensibilisieren, dass die Aufbereitung und der Umgang mit Informationen nicht primär technologisch, sondern vornehmlich kulturell bedingt sind. An konkreten Textbeispielen können die Studierenden deshalb den Umgang mit digitalisierten archivalischen Quellen, ihren Regesten und Editionen lernen. Über die Arbeit an der konkreten Datenbank hinaus erwerben sie zudem Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen der Strukturierung von Informationen mit neuen Technologien.

    Materialbasis
    Quellengrundlage bilden zehn Jahrgänge aus den Kölner Ratsmemorialbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts, für die neuere Regesten und ältere (Teil-)Editionen vorliegen. Zentral war jedoch die Arbeit mit den im Archiv angefertigten Digitalisaten, mit deren Hilfe die Bedeutung von Randnotaten, Hand- und Tintenwechseln, Schwärzungen und Streichungen sowie interlinearen Ergänzungen etc. aufgezeigt werden konnte.