Dissertationen

 

Beendete Dissertationen

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Rubaica Jaliwala: Political education in plural societies. Using the Anti-bias approach to challenge oppression in Bombay and Berlin

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Effektivität des Anti-Bias Ansatzes und darauf aufbauenden Trainingsmethoden als pädagogische politische Strategie, um Unterdrückungsverhältnisse abzubauen. Beforscht wurden dafür SchülerInnengruppen in den Städten Bombay und Berlin. Die Anti-Bias-Trainings, die im Rahmen dieser Forschung zum Einsatz kamen, dienten als Mittel, um untersuchen zu können, inwiefern SchülerInnen innerhalb und außerhalb der Schule Unterdrückungsstrukturen aufrechterhalten oder auch fähig sind, diese zu verändern.
Die empirischen Daten wurden mit vorwiegend qualitativen Untersuchungsmethoden an jeweils zwei weiterführenden Schulen in Bombay und Berlin erhoben. Die Analyse dieser Daten geschah auf der Grundlage theoretischer Erkenntnisse zu Vorurteilen, Diskriminierung und Identität. Forschungen zu Anti-Bias- und Diversity-Trainings haben darauf hingewiesen, dass bisher kaum ausreichende Evaluierungs-Strategien vorliegen, um den Impact dieser Trainingsmethoden auswerten zu können (Levy Paluck, 2006). Die hier zugrundgelegten theoretischen Ansätze legen nahe, dass Vorurteile und Praktiken der Diskriminierung von den Individuen auf der Grundlage bereits existierender Diskurse gelernt und performativ reinszeniert werden und dass solche Verhaltensweisen und Praktiken auch wieder in vielen Etappen eines langfristigen Prozesses „entlernt“ werden können. Die These ist, dass diese diskursiven Praktiken der Schülerinnen dazu beitragen, ein lebensfähiges Selbst in Abgrenzung zu den „Anderen“ konstituieren. Dies vorausgesetzt, zeigt die Forschungsarbeit, wie SchülerInnen-Subjekte in Bombay und Berlin unterdrückerische Diskurse aufrechterhalten, indem sie ihre Identitäten inszenieren und dabei gleichzeitig den „Anderen“ Identitäten zuschreiben. Dieser performative Prozess der Subjektkonstitution macht deutlich, dass die Individuen auf der Grundlage des dynamischen und sich stetig verschiebenden Charakters von Identitäten Handlungsspielräume haben.
Der Anti-Bias-Ansatz gilt als Möglichkeit, in der Bildung Alternativen zu unterdrückerischen Diskursen aufzuzeigen und als Instrument, um die Handlungsfähigkeit der Individuen anzuregen und zu unterstützen. Mehrere theoretische Ansätze – nämlich der psychologische Ansatz zu Vorurteilen, der strukturalistische Ansatz zu Diskriminierung und der poststrukturalistische Ansatz zu Identität – ermöglichen es in ihrem Zusammenspiel, sowohl zu untersuchen, wie SchülerInnen dominante Diskurse aufrechterhalten, als auch, wie sie eigene Strategien im Umgang mit bekannten Normen und Diskursen entwickeln. Gruppendiskussionen und Interviews ein Jahr nach den Trainings dienen dazu, die Handlungsspielräume der Schülerinnen auszuwerten und auszuloten, in welchem Ausmaß die Trainings ihre Wahrnehmungen, Vorstellungen und Verhaltensmuster beeinflussten.
Die Forschung deckt auf, wie Rassismus, Religion, Geschlechterverhältnisse und Sexualität in den Repräsentationspraktiken der SchülerInnen auftauchen und zeigt, wie die Schülerinnen unterdrückerische Strukturen nicht nur aufrechterhalten, sondern auch aktiv bearbeiten und sich ihnen auch widersetzen. Schule hat dabei eine ganz besonders wichtige Rolle: Wenn die Schule keinen Raum zur Diskussion darüber bietet, wie aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse verändert werden können, bietet Lernen keine Möglichkeiten für Praktiken der Transformation an. In diesem Fall werden Handlungsspielräume und Widerstandsmöglichkeiten begrenzt - und es entstehen kaum Interventionsstrategien. Diese Forschung zeigt das Potenzial des Anti-Bias-Ansatzes und -Trainings als ein Werkzeug politischer Bildung und politischer Aktion in der Bildung auf. Es zeigt, dass schon ein einzelnes Training bestimmte Veränderungen initiieren kann, dass aber dauerhafte Veränderungen langfristige Strategien und permanente Aktion erfordern. Auf der Grundlage eines poststrukturalistischen Ansatzes macht die Forschung zudem konkrete Vorschläge, wie der Ansatz angepasst werden kann und wie die Umsetzung in den Anti-Bias-Trainings verändert werden kann.


Kristina Kontzi: Postkoloniale Perspektiven auf „weltwärts“: Ein Freiwilligendienst in weltbürgerlicher Absicht (Leuphana-Stipendium)

Durch den weltwärts-Freiwilligendienst soll es ermöglicht werden, einen „persönlichen Beitrag zu einer gerechten Welt“ zu leisten. Doch welche Vorstellungen gehen mit diesem Dienst einher, der sich in einem von ungleichen Machtverhältnissen geprägten politischen Kontext bewegt? Mithilfe postkolonialer und feministischer Theorien untersucht die Autorin die Repräsentationen und Programmstrukturen. Sie fragt nach deren kolonialem Erbe und Nutzen für die Teilnehmenden. Im Fokus der Diskursanalyse steht die kritische Auseinandersetzung mit Konzepten von Entwicklung in Verbindung mit denen eines Weltbürgertums, das als pädagogische Antwort auf Globalisierungsfragen gilt.
Die Studie zeigt die Verstrickung von kolonialer Geschichte und der Gegenwart entwicklungspolitischem Engagements auf. Sie verdeutlicht, wie notwendig es ist, eine machtkritische Perspektive auf Programme dieser Art zu werfen, um global-gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht zu reproduzieren, sondern sie verändern zu können.
Aktuell lebt Kristina Kontzi in Berlin und arbeitet als freelancer, berät Organisationen und Initiativen zur Implementierung postkolonialer Perspektiven in ihrer Arbeit. Hauptsächlich ist sie dabei mit glokal e.V. tätig.


Belayeth Hussain: Women’s social capital and disciplinary technologies of microfinance institutions in Bangladesh (DAAD/ICDD)

coming soon


Photo Tomáš Profant

Tomáš Profant: Exploring the Potential of the Postcolonial Critique in Development Policy. A Comparison of Development Discourses in Slovakia and Austria (Institute of International Relations Prague)

Unsatisfactory results of the last 60 years of ‘development’ call for radical approaches within ‘development’ studies. Critical discourse analysis (CDA) is useful in showing the hidden assumptions of discourses employed by various actors in the field. Emanating from the post-structuralist approach, it is the basis for the methodology used in the thesis.
Since ‘development’ discourse is manifold, four related discourses will be analyzed in addition to it - the discourse of ‘sustainable development’, micro-credit discourse, educational discourse, and the discourse of the participatory approach to ‘development’. Slovak and Austrian state and non-state actors will be analyzed in relation to these discourses. These actors are: Slovak Agency for International Development Cooperation, Pontis Foundation, People in Peril, Austrian Developmnt Agency, Austroprojekt and Care Austria. The corpus will consist of various texts such as introductory website informations, press releases or project reports and of semi-structured interviews with up to 30 representatives of the actors. The method will be an analysis of text based on Foucault’s Archaelogy of Knowledge and Theo van Leeuwen’s CDA.
The main point of the thesis is the question of the potential of the postcolonial critique for ‘development’ policy. Within this framework the main goal will be to answer more concrete questions by conducting a thorough analysis: How are the ‘development’ discourses reflected in the discourses of the state and non-state actors? What are the differences between each of the actors, between state and non-state actors and between Austrian and Slovak actors regarding their discursive and non-discursive elements?


Julia Schöneberg: NGOs. Entwicklungsakteure als Alternativen zur Entwicklung? Das Beispiel Haiti (Graduiertenförderung Hamburg)

The dissertation project aims at determining the practicability of Post-Development theory. To do so, the work focuses on partnerships between international Non-governmental Organisations (INGOs) and local NGOs in Haiti. Arguing that mainstream development has failed, Post-Development no longer searches for alternative Development approaches, but rather for alternatives to Development. As a possible mean of these alternatives, a form of "development-as-politics" is envisaged, in which local and international actors engage in selective, political interactions. Post-Development approaches have been extensively discussed theoretically but insufficiently been examined in practice. For this reason, it is explored to what extent international NGOs as actors of mainstream development can and do comply with approaches of Post-Development, what the necessary conditions are and how questions of knowledge, power and cooptation are confronted within cooperations. The principle of partnership, which is often stressed by INGOs, is in the centre of the analysis. A discourse-analytical approach is pursued, allowing the exploration of language, text and interaction by means of an analysis of strategy papers, qualitative interviews and case studies.

 

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Esther Kronsbein: Zusammenfassung des Promotionsvorhabens "Globalization and Solidarity. Lessons to be learnt from Ugandan everyday economy"

 

Die Forschungsfrage dieses Promotionsvorhabens lautet, wie die Bevölkerung der ländlichen Busoga-Region in Uganda auf das Vordringen des globalen Kapitalismus in die lokale Wirtschaft reagiert. Hierbei wird alternativen, vor allem solidarischen, Wirtschaftsformen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Darunter werden hier wirtschaftliche Aktivitäten verstanden, die den Prinzipien der Solidarischen Ökonomie entsprechen (Utting 2015). Sie dienen dem Gemeinwohl einer Gruppe, nicht dem Profitstreben von Individuen. Die Gruppe teilt die Mitbestimmung sowie den Gewinn an der Produktion gleichmäßig unter einander auf. Im Idealfall kontrolliert die Gruppe selbst die Produktionsmittel und wirtschaftet ökologisch nachhaltig. Jene könnten vor Ort schon länger existieren und aufgrund der Globalisierung untergehen oder in Form von Abwehrmechanismen erstarken (Zaoual 1997). Ebenso könnten sie eine neue Überlebensstrategie und damit eine Reaktion auf Krisen sein, welche durch die Auswirkungen der Globalisierung oder fehlgeschlagene ‚Entwicklungs‘-Projekte ausgelöst wurden. Einige sind auch Produkte der Entwicklungszusammenarbeit bzw. staatlicher Initiativen (Develtere et al. 2008).

Die Fragestellung ergibt sich aus dem bislang kaum genutzten Potential alternativen Wissens aus den Ländern des globalen Südens (Santos 2014). Beforscht werden sie i.d.R., um ihre ‚Defizite‘ aufzuzeigen und sie nach dem Vorbild des globalen Nordens zu ‚entwickeln‘. Hier wird der gegenteilige Ansatz verfolgt, nämlich das gegenhegemoniale Potenzial alternativer Wirtschaftsformen in Uganda in den Vordergrund zu stellen. Dies geschieht aus der theoretischen Perspektive der Post-Development Studies sowie der Postkolonialen Studien. Hierbei soll jedoch keinesfalls eine Romantisierung oder Dichotomisierung stattfinden.

Im empirischen Teil werden qualitative Interviews in der Busoga-Region geführt. Die Befragten werden um ihre Beobachtungen der Alltagswirtschaft der vergangenen Jahrzehnte in ihrer Region gebeten. Zwecks eines gemeinsamen Verständnisses der westlich geprägten Begrifflichkeiten wurde der Leitfaden kultur- und sprachsensibel ausgearbeitet. Darüber hinaus sollen eine Dokumentenanalyse sowie ‚Experteninterviews‘ mit ugandischen Verwaltungsbeamt*innen, Wirtschaftswissenschaftler*innen und evtl. Mitarbeiter*innen von Nichtregierungsorganisationen den wirtschaftlichen Hintergrund der untersuchten Region ausleuchten.

 

 

Ruth Steuerwald: Zwischen Professionalisierung, Partizipation und Widerstand: Transnationale und lokale Zivilgesellschaftsförderung aus Sicht postkolonialer Gouvernementalität in Nordostbrasilien

In Brasilien verändern sich Ressourcenausstattung und Fundrasing zivilgesellschaftlicher Organisationen aktuell stark: Entwicklungsgelder aus dem globalen Norden, die über die letzten drei Jahrzehnte einen großen Teil der finanziellen Ressourcen darstellten, verlieren angesichts der Konzeption des Landes als „Schwellenland“ und neoliberaler Veränderungsprozesse transnationaler „Entwicklungs“förderung an Bedeutung. Staatliche und private Förderung werden lokal stärker diskutiert.
Obwohl Ressourcen, Aufgaben und gesellschaftliche Rolle organisierter Zivilgesellschaft selten zusammengedacht werden, geht das vorliegende Dissertationsvorhaben davon aus, dass Veränderungen im Feld der Ressourcen Auswirkungen auf Handlungsspielräume und die diskursive und praktische Konzeption von Staat und Zivilgesellschaft haben. Aus der theoretischen Perspektive der Gouvernementalität (Foucault, 2004) mit Bezügen zu den postkolonialen Studien (Hall, 1996; Spivak, 1988; Chatterjee, 2004; Escobar, 1995) wird deshalb folgende Forschungsfrage formuliert: Wie stehen Rationalitäten und Machttechniken, die in der Ressourcenbeschaffung ausgewählter zivilgesellschaftlicher Organisationen und in der Ressourcenvergabe verschiedener (staatlicher, privater, lokaler, transnationaler) Geberorganisationen wirksam werden, mit der Konstitution von Macht, Staat und Zivilgesellschaft in Brasiliens im Zusammenhang? Es sollen somit Implikationen jahrzehntelanger - in postkolonialer Kontinuität stehender - entwicklungspolitischer Maßnahmen aus dem globalen Norden auf eine Gesellschaft des globalen Südens untersucht werden, aber auch ein Beitrag zum differenzierteren Verständnis der zeitgenössischen, teilweise als „postneoliberal“ bezeichneten brasilianischen Gesellschaft und Politik geleistet werden. Forschungsfeld sind im Nordosten Brasiliens zu ruralen Themen und ländlicher Entwicklung agierende zivilgesellschaftliche Organisationen und verschiedene westliche sowie brasilianische Geberorganisationen.


Chandra-Milena Danielzik: Nutrition Politics as Governance – Knowledge, Power and Subjects in International Development (Hans-Böckler-Stiftung)

RESEARCH INTEREST & RESEARCH QUESTION

Hunger seems to have been haunting mankind from its outsets and will most likely continue to do so until its end. The physical fixation of hunger turns it into an inherent part of personhood and lends it a seemingly universal and natural character. The meaning of hunger, however, is not limited to its physical materiality; it encompasses historico-cultural and socio-political dimensions that call its mere materiality and timelessness into question. 200 years ago in Europe, for example, famishing people were not granted sympathy, their starvation was rather seen as a godly punishment for idleness. Today, we witness a global 'fight against hunger' in the field of international development, and exogenous – not individual – factors (e.g. climate change, financial markets, agro-fuel industries) are held responsible. This historical shift demonstrates that the meaning of hunger is subject to societal regulations. The manner in which the control of hunger is configured, the way meaning is applied to it, the kind of solutions that are detected and what kind of institutions are made responsible for tackling hunger, the kind of policies that are conceived, and what subjects are presumed – in short: the way in which hunger is governed – generates a network of global and local power relations. Such power relations in the field of international development are the interest of my research project. They are examined through a focus on nutrition policy and practices. In order to address my aim – to investigate power/knowledge in international development policy and politics – my overall research question is how societies and people of the Global South are governed through international development policy and politics in the realm of nutrition. I operationalize my research question through an analysis of what sets of ideas, norms and concepts structure the discourse and accordingly the field of possible action of subjects. I investigate what kind of rationalities are at stake and how these shape practices and knowledge systems of nutrition in international development.

METHOD & THEORETICAL FRAMEWORK

In order to address the research question I examine current policies by FAO, WFP, NGOs  and think tanks within the field of nutrition (policy and conference papers, website documents, statements and protocols by NGOs and the UN). These are analyzed through post-structuralist discourse analysis. Furthermore I intend to analyze the level of implementation by conducting interviews in a specific country context with members of NGOs, staff from UN field offices (e.g. World Food Program Regional Office), umbrella organizations, and farmers. Here, I am particularly attentive to possible re-interpretations, transformations and  contestations to international policies.
To analyze the field of nutrition policy and politics and to interpret the results of my data analysis, this study draws on the insights of Feminist-Marxist Theory, the concept of Primitive Accumulation, Biopolitics, Post-Development/Critical Development Theories and Post-Colonial Studies.

PRELIMINARY FINDINGS & QUESTIONS TO BE PURSUED

The development efforts to preserve and keep people and populations alive align themselves with norms about the constitution of an ideal life and body condition. In the field of agriculture and nutrition, these norms are, for example, certain calorie contents, farming techniques or productivity rates. My analysis of key documents by the FAO, WFP and think tanks within the field of nutrition, food agriculture thus far indicates that these norms are based on presumed physiological orders. It suggests that social norms are translated into vital norms in the field under scrutiny. In other words, particular social norms are translated into forms of bodiliness. This hypothesis leads me to further pursue the following questions: What kind of rationalities structure the field of nutrition policies and what conclusions can be draw about their social, historical and political embeddedness? What power effects are thereby generated? Do these rationality patterns differ on the implementation level? What happens to these norms when translated into local contexts?
Finally, I suggest that a specific power technique of the nutrition discourse in international development is that the mentioned influential economic rationalities intertwine with biomedical logics. The two disciplines, economics and biomedicine, seem to dominate international policies and practices within the field of nutrition politics. Their emergence in the context of North-South relations can be traced back to colonial rule. Historians have already put forward the strong interrelatedness of nutritional science with European colonialism. These forms of scientific knowledge productions served to design and optimize bodies and populations and render them susceptible to economic exploitation. My preliminary research suggests that these economic and biomedical rationalities are projected onto and inscribed into bodies (individual and societal) through nutrition policies. This leads me to posing a second set of questions: What kind of effects are generated by the interplay of biomedical and economic logics? How does this particular knowledge transfer affect target groups and their subjectivities? In how far do policies and practices turn individuals into moral and economic-rational subjects?

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Bettina Barthel: Postkoloniale Perspektiven auf dezentrale & erneuerbare Energien. Ethnografische Analysen zweier deutsch-tansanischer Partnerschaften der Technikentwicklung (Hans-Böckler-Stiftung)

"No energy means no development.“ konstatierte der EU-Kommissionar für Entwicklung im Februar 2014. Entwicklungspolitisch wird im Rahmen der Sustainable Energy for All - Initiative der Vereinten Nationen vor allem dem Zugang zu ‚moderner‘ Energie hohe Bedeutung eingeräumt. Insbesondere erneuerbaren Energien wird das Potenzial zugeschrieben, die großen globalen Probleme von Armut und Klimawandel zugleich zu lösen.
Theoretischer Hintergrund: In der kritischen entwicklungstheoretischen Diskussion wurde die wirkmächtige entpolitisierende Gesamtendenz der Entwicklungs­diskurse und - praxen problematisiert, die gerade darauf beruht, dass gesellschaftliche Probleme in Form von „Entwicklungs­defiziten“ als technische Probleme gefasst und bearbeitet werden (Ferguson 1990, Escobar 1995). Dezentralen Technologien wurde und wird jedoch hohes Potenzial für mehr Selbstbestimmung, lokale Kontrolle und Aneignung zugeschrieben. Dieser Gedanke lässt sich schon im Anschluss an allgemeine und kontextspezifische Technikkritik der 1970er Jahre (Schumacher 1973, Illich 1975, Ullrich 1979) finden und wird aktuell in Konzepten selbstbestimmter, bzw. ‚emanzipatorischer‘ (Boeing 2012) Technikentwicklung und -nutzung wieder aufgenommen.
Fragestellung: Die Frage ist daher, ob und inwiefern trotz der inhärent ungleichen und tendenziell paternalistischen Partnerschaftsstrukturen des Globalen Nordens und Südens (Baaz 2005) im Bereich der dezentralen Energietechnologien Projekte und Praxen möglich sind, die zum selbstbestimmten Verfolgen der Interessen und Bedürfnisse durch die Nutzer_innen bzw. der Akteure im Süden führen. Anhand zweier Fallstudien deutsch - tansanischer Partnerschaften werden Prozesse der Technik­entwicklung, technische Artefakte und Perspektiven betrachtet.
Informiert durch eine Anthropology of Energy, Technografie (Braun-Thürmann 2006) und Entwicklungs-Anthropologie werden im ersten Schritt die Prozesse der Technikentwicklung und -implementierung aus der Perspektive der beteiligten Akteure heraus rekonstruiert. Anschließend werden die soziotechnischen Konstellationen basierend auf einer postkolonialen Entwicklungs­forschung bzw. einer postcolonial technoscience (Anderson 2002, 2009) analysiert.
Die Fallstudien: Zum Einen wird die Kooperation eines tansanischen Bauernverbandes von Subsistenzbauern mit einer deutschen NGO der technischen Entwicklungs­zusammenarbeit betrachtet. In diesem Rahmen wird ein neuer Typ von Haushalts-Biogasanlagen entwickelt, der mit pflanzlichen Reststoffen aus der Landwirtschaft betrieben werden kann. In der zweiten Fallstudie hat ein Deutsches Startup – Unternehmen in Kooperation mit einem tansanischen Social Business Photovoltaikanlagen für Haushalte weiterentwickelt und implementiert. Hier wird mit Hilfe von Mobilfunktechnologie sowohl die Wartung der Geräte, ihre Bezahlung, als auch bei Zahlungsausfall ihre Abschaltung über dieselbe Technik ferngesteuert.


Sara Madjlessi-Roudi: Zivilgesellschaftsdiskurse der deutschen Afrikapolitik (HS Düsseldorf)

Die Beschreibung folgt in Kürze.


Dominik Gilgenbach: Demokratie und Demokratieförderung aus der Perspektive einer postkolonialen Herrschaftskritik (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Die Beschreibung des Promotionsvorhabens folgt in Kürze.