Publikationen

Wenn vom "Anthropozän" als dem ersten menschengemachten Erdzeitalter die Rede ist, geht es um nichts Geringeres, als um den gleichermaßen gestaltenden wie gefährdenden Einfluss der Menschheit auf das planetare Ökosystem. Mit dem Anbruch des Anthropozäns stellt sich in größerer Schärfe als zuvor die Frage, wie das Überleben des irdischen Ökosystems gesichert werden kann und welche Wissenschaften hierfür Strategien bereitstellen. Der Band diskutiert, inwieweit politikwissenschaftliche Perspektiven die Debatte ums Anthropozän neu bestimmen und welche Rück- und Wechselwirkungen damit verbunden sind. Franziska Müllers Beitrag "International Theory in the Anthropocene: Moving beyond Species, State, and Governance" lotet dies speziell für die Disziplin der Internationalen Beziehungen und ihre Theorielandschaft aus. Mit Blick auf die klassischen Kategorien Akteur, Struktur und Governance spricht das Konzept Anthropozän Kernfragen und -probleme "holozäner" Theoriebildung an, um diese für künftige Theorien Internationaler Beziehungen im Anthropozän neu zu bestimmen. Ziel dieses Artikels ist es, zu diskutieren, warum und wodurch das Anthropozän eine Herausforderung für Theoriebildung in den Internationalen Beziehungen darstellt, welche Konturen sich bereits identifizieren lassen und welche etablierten Kategorien einer Transformation bedürften.  Ein Referenztext, das "Manifesto from the end of IR" (Burke et al. 2016), dient als Basis, um die gerade einsetzende Rezeption zu diskutieren, um dann den Blick auf "holozäne" Internationale Beziehungen und die Potenziale für eine Theorieentwicklung hin zu einer Theorie anthropozäner internationaler Beziehungen zu richten. Überlegungen zur weiteren Theoriegenese und Forschungsprogrammatik für die IB schließen den Artikel ab.


Im Blog der Stiftung Energie & Klimaschutz finden Debatten rund um die Themen Energieversorgung und Energienutzung im Zusammenhang mit dem Klimawandel und dessen Folgen Raum. Franziska Müller stellt im Blogbeitrag "Amandla! Energiewende in Afrika gestalten" aktuelle Forschungsergebnisse der Nachwuchsgruppe vor und diskutiert Herausforderungen für eine wirksame und faire Energietransition entlang vielversprechender Praxisbeispiele aus Südafrika und Ghana.


The Economic Partnership Agreement

Dr. Simone Claar

Das Buch bietet eine tiefgründige klassentheoretische Analyse der widersprüchlichen Verhandlungsprozesse, die sich zwischen Südafrika und der Europäischen Union über das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) (Economic-Partnership Agreements/EPA) ereigneten und untersucht die divergierenden Rollen, die die politische und ökonomische Elite und die Arbeiterklasse in Südafrika innehatten. Die Autorin betrachtet deren Verhältnisse zur neuen globalen Handelsagenda sowie ihre unterschiedlichen Standpunkte gegenüber der WPA.

* im Juli 2018 empfohlen in der Alternative Economics Summer Reading List des Developing Economics Blog * 


  • Artikel in "Afrika Süd", Heft 01/2018:

Energiewende für Alle! Perspektiven für Energietransitionen im Südlichen Afrika

Nach der 23. UN-Klimakonferenz (COP 23) Mitte November 2017 in Bonn dreht sich alles um die mühevolle Umsetzungsakrobatik des Pariser Klimaschutzabkommens. Einerseits folgt Klimapolitik damit einer pragmatischen Expertenlogik, andererseits scheint die Norm des angestrebten 1,5-Grad-Ziels weltweit fest verankert zu sein. Doch inwieweit kommen Klimapolitik und Energiewende bei Staaten und Gesellschaften im Globalen Süden an? Franziska Müller erläutert in diesem Artikel, wie Energietransitionen im Südlichen Afrika verlaufen, inwieweit grüne Fonds das Geschehen bestimmen, und skizziert Chancen des Konzeptes einer Energiesouveränität.


  • Artikel in der Politischen Vierteljahresschrift, 1. Auflage 2017:

Produktive Wälder: Diffusionsmuster klimapolitischer Verantwortung am Beispiel von REDD+-Projekten

Das aktuelle Sonderheft der Politischen Vierteljahresschrift widmet sich Phänomenen der Verantwortungsdiffusion. Franziska Müllers Beitrag untersucht Diffusionsprozesse in der Klimaverantwortung am Beispiel des globalen Klimaschutzinstrumentes REDD+, welches Projekte zur CO2-Kompensation im globalen Süden finanziert. Dabei wird eine zunächst universal konzipierte klimapolitische Verantwortung lokalisiert und zu bisher wenig sichtbaren Akteursgruppen (Kleinbäuer_innen, indigene Bevölkerung) verlagert, deren Rolle dadurch aufgewertet, aber von spezifschen Subjektivierungsansprüchen begleitet wird. Ziel des Artikels ist es, im Sinne einer machtkritischen Governanceforschung zu untersuchen, welche Effekte mit der Diffusion von Klimaverantwortung in der globalen Umweltgovernance verbunden sind, und welche – disziplinierenden aber auch produktiven –Diffusionsmuster sich herausbilden. Hierfür wird entlang vier verschiedener Governancemuster - Kontestation, Disziplinierung, Resilienz und Empowerment - eine Typologie vorgestellt.


Die Sendung lief am 22.3. um 21.00 Uhr auf radio 98eins und steht zum Nachhören oder zum Download bereit.

“Die afrikanischen Länder sind unabhängig ohne eine wirkliche Unabhängigkeit zu besitzen” sagte Clotilde Ohouochi, ehemalige Sozialministerin der Côte d’Ivoire am 6.7.2017. Die Redaktion von VeRa will dieses Aussage beleuchten und dabei vor allem den Themenbereich Handelsbeziehungen zwischen Afrika, Deutschland und Europa in den Blick nehmen. Wie haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Kontinenten entwickelt? Und was sind heutige Ziele deutscher und europäischer Handels- und Wirtschaftspolititk auf dem afrikanischen Kontinent? Wir werfen einen Blick in den Koalitionsvertrag und sprechen mit Franziska Müller, Politikwissenschaftlerin an der Universität Kassel.