Projekt: Altersdifferenzierte Tarifpolitik

Potentiale einer alternsgerechten Betriebs- und Tarifpolitik zur Förderung der Innovations- und Beschäftigungsfähigkeit Älterer

Drittmittelprojekt 

  • Projektleiter: Prof. Dr. Wolfgang Schroeder

  • Laufzeit: bis September 2010

  • Kooperationspartner: Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI)

  • Gefördert durch: "Initiative Neue Qualität der Arbeit" (INQA)

  • Projektbearbeitung Universität Kassel: Johannes Grabbe, Johannes Freidank

In Wissenschaft und Politik besteht seit längerem und durchgängig Konsens darüber, dass eine Erhöhung der Beschäftigungsquote Älterer – gemeint sind damit i.d.R. Erwerbstätige über 55 Jahre – notwendig ist, um angesichts des sog. demographischen Wandels eine weitere Destabilisierung der Sozialversicherungs­systeme und negative Auswirkungen auf die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit hiesiger Unternehmen zu verhindern. Darüber hinaus wird darauf verwiesen, dass die Beschäftigten aufgrund des Auslaufens der bisherigen Vorruhestandsregelung und der Anhebung des Renteneintrittsalters nicht nur gezwungen sind, länger zu arbeiten, sondern dass mit steigendem Lebensalter auch unter den Beschäftigten selbst ein wachsendes Interesse an einer längeren Erwerbsphase bestehe.  

Gleichzeitig ist auffällig, dass in der ganz überwiegenden Zahl der Unternehmen sehr wenig oder gar nichts in Bezug auf die Schaffung alters- und alternsgerechter Beschäftigungs­bedingungen geschieht und dass auch seitens der Tarifparteien nur wenige konkrete tarifpolitische Gestaltungsinitiativen zu beobachten sind. Überdies tragen die vom Gesetzgeber beschlossene Beendigung der bisherigen Vorruhe­stands­regelung und die Anhebung des Renteneintrittsalters („Rente mit 67“) für sich genommen nichts zu einer effektiven Erhöhung der Beschäftigungsquote bei und insbesondere nicht zu einer Verbesserung der Bedingungen, unter denen ältere Beschäftigte auch tatsächlich länger erwerbstätig sein können.

Ziel des Vorhabens ist daher die Analyse von Bedingungen, Logiken und Strategien, die alternsgerechte und altersdifferenzierte Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen fördern, und die geeignet sind, flächendeckend eine erhöhte Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer zu erreichen. Dafür werden zum einen die vorhandenen Tarifverträge zur überbetrieblichen Regulierung hinsichtlich alternsgerechter und altersdifferenzierter Inhalte und ihrer Entstehungs­bedingungen analysiert. Zum andern werden betriebliche Maßnahmen in der Metall- und Elektro-, in der Chemischen Industrie und im Einzelhandel untersucht, die ein alternsgerechtes Arbeiten sowie die Förderung der Beschäftigung Älterer zum Gegenstand haben.

Diese Betriebsstudien werden mit dem Ziel durchgeführt,

  • positive einzelbetriebliche Beispiele guter Praxis zu identifizieren,

  • die betrieblichen Bedingungen ihres Zustandekommens zu analysieren, sowie

  • Möglichkeiten, Voraussetzungen und ggf. Hemmnisse ihrer Verallgemeinerung im Rahmen von Flächentarifverträgen zu eruieren.

Über die betrieblichen Erhebungen hinaus werden Experteninterviews mit Verbandsvertretern über deren Einschätzungen hinsichtlich möglicher Innovationen im Hinblick auf alternsgerechte und altersdifferenzierte Tarifpolitik sowie eine breit angelegte standardisierte Befragung von Personalverantwortlichen und Betriebsräten in den drei Branchen durchgeführt. Die Ergebnisse werden in Impulspapieren zusammengefasst, welche die Grundlage von Transferworkshops bilden, die die Praxistauglichkeit der Erhebungen und die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse zum Gegenstand haben sollen. Eine vergleichende Analyse zwischen drei Schwerpunktbranchen und deren Diskussion in Transferworkshops mit strategischen Akteuren von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gibt es bislang nicht.

Das Projekt wird von der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" (INQA) gefördert. Projektnehmer ist Prof. Dr. Wolfgang Schroeder / Universität Kassel. Das Projekt wird in Kooperation mit dem SOFI Göttingen, verantwortlich PD Dr. Jürgen Kädtler, durchgeführt. Projektbearbeiter sind Johannes Grabbe und Johannes Freidank (Kassel) sowie Dr. Knut Tullius (Göttingen).

Ansprechpartner

Dr. Knut Tullius:
knut.tullius(at)sofi.uni-goettingen.de
+49 551 5220511

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