Reproduktion als Gewährleistungsarbeit

Thema

Das Projekt verfolgt die Frage, wie es ArbeitnehmerInnen gelingt, ihre Arbeits- und Lebenskraft zu reproduzieren und dauerhaft Beschäftigungsfähigkeit zu gewährleisten. Neben Möglichkeiten der Anpassung an arbeits- und lebensweltliche Anforderungen werden Grenzziehungen untersucht, mit denen Beschäftigte ihre physische und psychische Stabilität sowie ihre private Einbindung behaupten.

Gesellschaftlicher Kontext

Im Zuge des Wandels von Arbeit und Beschäftigung sowie einem Rückbau sozialstaatlicher Absicherung sind die Vorzeichen für den Erhalt von Leistungsfähigkeit neu definiert. Für Beschäftigte erweist es sich als eine existenzielle Herausforderung, Ressourcen und Potenziale nachhaltig einzusetzen. Sie müssen ein Vermögen zur Reproduktion entfalten. Dies ist keine neue Anforderung, sondern war stets mit der Nutzung von Arbeitskraft verknüpft. Erodieren jedoch kollektive Muster von Alltagsgestaltung und Interessenvertretung, so ist auch das Reproduktionsvermögen der Beschäftigten in neuer Weise herausgefordert. Sie müssen – so die Arbeitshypothesen des Projekts – in der Lage sein, sich Reorganisationsprozessen anzupassen; sie müssen Belastungen im Arbeitsprozess erkennen und anerkennen lernen. Dazu benötigen sie nicht nur Wissen um Reproduktionsgefährdungen und -möglichkeiten, sondern sie müssen ihre Interessen auch eigenständig identifizieren und in Konflikten durchsetzen können.

 

Fragestellung

  • Wie gelingt es Beschäftigten in einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt, Beschäftigungs- und Leistungsfähigkeit ebenso wie Gesundheit und soziale Integration dauerhaft und nachhaltig zu bewahren?
  • Welches Wissen und welche Kompetenzen brauchen Beschäftigte, um ihre Leistungsfähigkeit abzusichern? Welche Bedeutung ist hier dem Arbeitsbewusstsein der Beschäftigten beizumessen?
  • Wem ‚gelingt’ der Erhalt von Arbeitskraft? Welche Einflussfaktoren erweisen sich als entscheidend? Welchen Stellenwert haben außerbetriebliche Einbindungen?
  • Wie beziehen sich Beschäftigte auf betriebliche und gewerkschaftliche Unterstützungsangebote? Welche Erwartungen formulieren Beschäftigte an die Akteure der Interessenvertretung?
  • Und schließlich: Wo verlaufen die Grenzen der Anpassung an entgrenzte Arbeitsbedingungen? Lassen sich eigensinnige Grenzziehungen seitens der Beschäftigten identifizieren? Sind diese Grenzziehungen anschlussfähig an kollektive Unterstützungsangebote?

   

Untersuchungsmethode

Das Projekt ist als eine explorative empirische Untersuchung angelegt, in der verschiedene qualitative Forschungsmethoden zum Einsatz kommen: Dokumentenanalyse und Experteninterviews geben Aufschluss über betriebliche Rahmenbedingungen, die in drei Branchen erhoben werden. Die Unternehmen unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Größe, Reichweite interner Vermarktlichung und Einfluss der betrieblichen Interessenvertretung; die Arbeitsbedingungen variieren nach physischer und psychischer Beanspruchung. Qualitative Interviews mit Beschäftigten zeigen auf, welche neuen Anforderungen sich identifizieren lassen und welche Leistungen Beschäftigte tagtäglich erbringen, um ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Ein Teil der Befragten wird wiederholt befragt, um den Wandel von Deutungen und Reaktionsweisen einzufangen.