Profil

Die Forschungsaktivitäten im Arbeitsbereich „Erziehung und Unterricht“ sind auf sportpädagogische und sportdidaktische Fragestellungen ausgerichtet. Die Forschungsmethodologie orientiert sich dabei an der empirischen Bildungsforschung und ist ausgehend vom jeweiligen Forschungsgegenstand qualitativ und quantitativ angelegt (u.a. schriftliche und mündliche Befragung, kriteriengeleitete Beobachtung, Testdiagnostik und Inhaltsanalyse).

Die Themenstellungen im Arbeitsbereich lassen sich übergreifend den drei Schwerpunkten Evaluationsforschung, Entwicklungsforschung sowie Ausbildungs- und Unterrichtsforschung zuordnen. Die Forschungsarbeiten beziehen sich auf die Evaluation von Programmen und Konzepten verschiedener Bildungsinstitutionen, auf die Erfassung von Entwicklungs- und Sozialisationsprozessen im Kindes- und Jugendalter und die Untersuchung sportdidaktischer Aspekte im Kontext von Sportunterricht und Hochschulausbildung.

 

Im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation von Bildungseinrichtungen liegt der Fokus auf der Überprüfung pädagogischer Qualitätskriterien und systemischer Strukturmerkmale.

Ein Schwerpunkt der Forschungsarbeit thematisiert den Bereich der Kooperation von Kindergarten, Schule und Sportverein. Eine Auftragsstudie der Hessischen Sportjugend zur Evaluation der Struktur- und Prozessmerkmale im Kooperationsprogramm von Kindergarten und Sportverein („Mehr Bewegung in den Kindergarten“) konnte 2010 erfolgreich abgeschlossen werden (Scheid, 2010). Die Arbeiten im schulischen Kontext beziehen sich im Schwerpunkt auf das 1991 begründete hessische Landesprogramm „Talentsuche – Talentförderung“. Den Einstieg in die wissenschaftliche Begleitforschung bildete eine systemische Analyse der Struktur- und Vernetzungsmerkmale des Landesprogramms (u.a. Scheid, Eppinger & Adolph, 2007), es folge eine Studie zur Qualitätsentwicklung der „Partnerschulen des Leistungssports“ (Creutzburg & Scheid, 2014). Aktuell steht der organisierte Sport im Fokus eine Folgestudie, die sich mit den Strukturmerkmalen und der Qualitätsentwicklung in der Kooperation von Sportvereinen, Fachverbänden und Schulen befasst (Scheid, Thissen, Julius, Albert).

Ausgehend von erlebnispädagogischen Arbeiten zur Teamentwicklung im Sportunterricht (Volk, Wegner & Scheid, 2014), wird im Arbeitsbereich gegenwärtig eine Wirkungsanalyse zum Programm „stark bewegt“ durchgeführt. Die erlebnispädagogische Bildungsmaßnahme richtet sich an Grundschullehrkräfte (Volk, Pögl, Scheid).

 

Die Arbeiten im Rahmen der Entwicklungsforschung beziehen sich im Wesentlichen auf Aspekte der motorischen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter. Dabei stehen die Bestimmung von Verlaufsmerkmalen, die Untersuchung relevanter Einflussgrößen sowie die Wirkungsanalyse von Förderungsmaßnahmen im Mittelpunkt der Betrachtung.

In den Jahren 2011 und 2012 wurde im Rahmen von INFORM das Sport- und Freizeitverhalten von Grundschülern erfasst und in die angemessene Gestaltung von Schulsporttagen eingebracht („Bock auf Bewegung“: Albert, Scheid). Im Zuge der Initiativen zur bewegungsfreundlichen Gestaltung von Kindertageseinrichtungen begleitet der Arbeitsbereich von 2010 bis 2012 die städtischen Kooperationsmaßnahmen „Sport in Kasseler Kitas“ (Knauf, Scheid). In diesem Zusammenhang lag das besondere Forschungsinteresse auf dem empirisch bislang wenig belegten Zusammenhang der motorischen und sozialen Entwicklung in der frühen Kindheit (Knauf, 2014). In Zusammenarbeit mit dem „China Institue for Sport Science“ in Peking konnte diese Thematik sogar in einer interkulturell vergleichenden Studie untersucht werden.

In den Kontext der Entwicklungsstudien lassen sich auch die Forschungsarbeiten zur Leistungsentwicklung von Kindern aus Talentaufbaugruppen (u.a. Albert, Scheid & Adolph, 2011) und zur Karriereentwicklung von D-Kaderathleten (Albert, 2010) einordnen.

Das Großprojekt „ballstars“ führt der Arbeitsbereich von 2015 bis 2018 gemeinsam mit der MT Melsungen durch. An Grundschulen in der Region werden im außerschulischen Schulsport Gruppen zur Förderung des Ballsports angeboten. Das Forschungsinteresse richtet sich auf die motorische und spieltaktische Entwicklung der Grundschüler/innen, die auf der Basis eines integrativen Vermittlungsmodells in die Zielschussspiele Handball, Fußball und Basketball eingeführt werden (Scheid, Julius, Albert).

 

Der dritte Forschungsschwerpunkt des Arbeitsbereichs vereint Studien, die sich im Sinne der empirischen Bildungsforschung mit dem Sportunterricht und der Sportlehrerausbildung befassen. Dabei stehen Fragestellungen zur didaktischen Umsetzung eines erziehenden Sportunterrichts (Scheid & Prohl, 2012) unter besonderer Berücksichtigung der neuen Medien (eLearning, videobasierte Unterrichtsauswertung, inklusiver Sportunterricht) im Fokus.

Der Arbeitsbereich konnte sich erfolgreich in das mehrteilige Verbundprojekt HeLPS (Hessische E-Learning-Projekte in der Sportwissenschaft, 2007-2010, 2009-2014) einbringen. Zum Teilprojekt „Good-practice-Methoden des erziehenden Sportunterrichts“ wurden in Kassel zwei eLearning-Contents zur integrativen Vermittlung der Zielschussspiele und der Einkontakt-Rückschlagspiele entwickelt und im Rahmen von Blended-Learning-Seminaren in der Sportlehrerausbildung erprobt (Adolph, Albert, Blömeke-Rumpf, Heyer, Scheid) (Heyer, 2015).

Ein Lehrinnovationsprojekt zur Ausbildung in den Schulpraktischen Studien im Fach Sport thematisierte von 2011-2013 eine onlinebasierte Unterrichtsauswertung zur Entwicklung der Reflexionsfähigkeit (Albert, Scheid & Julius, 2016). Ein Anschlussprojekt fokussierte 2014-2016 die Analyse und Wirksamkeit von Reflexionsgesprächen im Rahmen der Schulpraktischen Studien (Albert, Scheid). Die beiden Lehrprojekte bilden die Grundlage für die aktuelle Weiterführung und Vertiefung der Thematik im Rahmen von PRONET (Professionalisierung durch Vernetzung, 2015-2018) in dem Teilprojekt „Förderung von Reflexionskompetenz im Rahmen der Schulpraktischen Studien II“ (Scheid, Albert, Thissen).

Über den Sonderfonds „Strukturelle Chancengleichheit“ konnte 2013-2014 ein weiteres hochschuldidaktisches Projekt zum Thema „Gender und Koedukation im Sportstudium“ umgesetzt werden. Das Projekt bezog sich sowohl auf fachdidaktische (Tanzen, Gerätturnen, Spielen, Leichtathletik) als auch auf fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen (Vorlesung, Seminar Sportpädagogik) und reflektierte jeweils biographische wie didaktische Aspekte der Genderthematik (Mutschall & Scheid, 2015). Auch dieses Lehrprojekt diente als Grundlage für die aktuelle Weiterführung und Vertiefung der Thematik im Rahmen von PRONET (Professionalisierung durch Vernetzung, 2015-2018) in dem Teilprojekt „Gender und Koedukation im Sportstudium und Sportunterricht“ (Scheid, Mutschall).

Der Arbeitsbereich greift gegenwärtig auch die bildungspolitische Inklusionsdiskussion auf. Anknüpfend an frühere integrationspädagogische Arbeiten konnte in den Jahren 2013 und 2014 gemeinsam mit der Universität Gießen ein Verbundprojekt zum „Inklusiven Sportunterricht“ durchgeführt werden. Das Unterrichtsprojekt zielte auf die Konzeption, Evaluation und Dokumentation von inklusiven Unterrichtseinheiten vor dem Hintergrund der kompetenzorientierten Sportlehrpläne (Scheid, Sommer, Julius) (Scheid & Friedrich, 2015). Abgeleitet aus dem Verbundprojekt zur Entwicklung Inklusiven Sportunterrichts, fokussiert gegenwärtig ein hochschuldidaktisches Projekt von 2015 bis 2018 die Kompetenzentwicklung von Lehramtsstudierenden im Fach Sport für den inklusiven Unterricht. Dabei wird ein entsprechendes sportpädagogisches Seminarkonzept entwickelt und in seinen Wirkungen evaluiert (Pögl, Scheid).