Profil

Unsere Forschungsaktivitäten lassen sich inhaltlich im Wesentlichen drei thematischen Schwerpunkten zuordnen:

  1. Wahrnehmen und Entscheiden im Sport
  2. Aufmerksamkeitsfokus und sportliche Leistung
  3. Lateralität im Sport

Aktuelle Publikationslisten finden Sie auf den Seiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Publikationen aus den letzten Jahren haben wir hier zusammengefasst.

Unsere Forschung wurde bzw. wird unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp).

Wahrnehmen und Entscheiden im Sport

In den letzten Jahren haben wir uns mit der Anwendung eines neuen experimentellen Paradigmas der Blickbewegungsforschung im Sport beschäftigt. In der sportpsychologischen Wahrnehmungsforschung wird untersucht, welche visuellen Informationen von den Sportlerinnen und Sportlern zur Vorbereitung der eigenen motorischen Reaktion genutzt werden (z. B.: An welchen Bewegungsmerkmalen erkennt ein Fußballtorhüter die Schussrichtung eines Elfmeters?). In diesem Zusammenhang wurden Studien zum Blickbewegungsverhalten durchgeführt, um die Fixationsorte der Athleten und Athletinnen in verschiedenen sportlichen Situationen zu erfassen. Eine Schwierigkeit bei der Interpretation der hierbei gewonnenen Ergebnisse besteht darin, dass visuelle Informationen nicht nur foveal verarbeitet werden, sondern insbesondere in den Sportspielen visuelle Informationen aus der Peripherie genutzt werden (peripheres Sehen).

Mit dem von uns und der Universität Münster (Dr. Jörg Schorer und Prof. Dr. Bernd Strauß), der VU University Amsterdam (Dr. Rouwen Cañal-Bruland) und der Universität Hannover (Simone Lotz)  entwickelten Verfahren ist es nun möglich, die Menge der peripher sichtba­ren Informationen zu kontrollieren. Dazu nutzen wir die sogenannte moving window technique, bei der während der Fixation nur ein geringer Teil des visuellen Feldes um den Fixationspunkt sichtbar ist. Außerhalb dieses Sichtfensters sind keine visuellen Informationen zu erfassen. Bewegt sich nun das Auge bzw. vollzieht das Auge eines Probanden einen Blicksprung, so bewegt sich das Fenster aufgrund der computerbasierten Kopplung der Blickbewegungskamera mit dem jeweiligen Testprogramm mit. Auf diese Weise kann je nach Größe des Fensters sichergestellt werden, dass während einer Augenbewegung nur foveale (2°), parafoveale (bis zu 5°) oder noch periphere Informationen visuell aufgenommen werden können. Durch einen Vergleich mit der Kontrollbedingung ohne Sichteinschränkung kann die Bedeutung der unterschiedlichen Regionen abgeschätzt werden.

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Aufmerksamkeitsfokus und sportliche Leistung

Wir beschäftigen uns auch verstärkt mit dem Einfluss der Aufmerksamkeitsausrichtung bei Ausdauersportarten. Während der Ausübung sportlicher Ausdauerbelastungen können unterschiedliche Aspekte im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. So könnte sich eine Läuferin beispielsweise hauptsächlich auf ihre Atmung konzentrieren, ihren Fokus auf die Ausführung der Lauftechnik legen oder aber der Umgebung und anderen Läufern Beachtung schenken. Dass diese Ausrichtung der Aufmerksamkeit einen erheblichen Einfluss auf die sportliche Leistung hat, konnten wir in einer aktuellen Studie nachweisen (Schücker, Hagemann, Strauß & Völker, 2009). In dieser Studie wählten wir als Leistungsparameter die Bewegungsökonomie. Die Bewegungsökonomie in Ausdauersportarten wird definiert durch den Sauerstoffverbrauch bei einer submaximalen Intensität. Das heißt, wenn bei einer bestimmen Bewegungsgeschwindigkeit weniger Sauerstoff pro Zeiteinheit verbraucht wird, dann ist dieses Bewegungsverhalten ökonomischer.

In Bezug auf den Sauerstoffverbrauch zeigte diese Untersuchung signifikante Unterschiede in Abhängigkeit vom Aufmerksamkeitsfokus. Trotz gleicher Laufgeschwindigkeit erzeugte die externe Bedingung (Fokus auf externe Aspekte) den geringsten Sauerstoffverbrauch gefolgt von der bewegungsbezogenen Aufmerksamkeitsbedingung und des internen Fokus auf die Atmung.

Als Erklärung für eine Überlegenheit des externen Fokus ziehen wir Erklärungen aus dem Bereich der Motorikforschung heran: In der externen Bedingung sind ungestörte automatisierte Abläufe möglich, wohingegen in der internen Bedingung eben jene Automatismen gestört werden. Eine größtmögliche Ökonomie scheint genau dann möglich zu sein, wenn automatische Kontrollmechanismen in ihrer Funktion nicht gestört werden. Inwieweit der externe Fokus (Ablenkung von automatischen Kontrollmechanismen) auch in anderen Bedingungen zu einer Verbesserung von Laufparametern führt, sollen weiterführende Studien zeigen.

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Lateralität im Sport

Das Phänomen der Seitigkeit (Lateralität) stellt in außersportlichen Bereichen ein seit Jahrzehnten etabliertes Forschungsgebiet dar. Im Sport ist es bislang jedoch nur unzureichend erforscht worden. Dabei bieten sich gerade hier interessante Forschungsansätze zu dieser Thematik: Verglichen mit ihrem Anteil von 10-13 % in der Normalbevölkerung (Raymond et al., 1996) sind linkshändige Akteure in interaktiven Sportarten (z. B. Tennis, Cricket, Baseball) zum Teil deutlich überrepräsentiert bzw. überdurchschnittlich erfolgreich (Grouios et al., 2002). Dieses Phänomen wird bevorzugt mit einem strategischen oder taktischen Vorteil von Linkshändern in solchen Sportarten begründet. Durch ihre - im Vergleich zu Rechtshändern - nahezu spiegelbildliche Ausrichtung auf dem Spielfeld werden die von rechtshändigen Gegenspielern gewohnten Aktionen nun von der gespiegelten Seite und mit anderen Spiel-/Schlagwinkeln ausgeführt. Zudem ist die perzeptive Erfahrung von Sportlern mit den Aktionen linkshändiger Gegenspieler aufgrund deren allgemeiner Unterrepräsentation geringer. Dies sollte sich unter anderem darin ausdrücken, dass die Bewegungsabsichten eines linkshändigen Gegenspielers schlechter (bspw. erst sehr spät im zeitlichen Verlauf einer Bewegung oder mit geringerer Genauigkeit) eingeschätzt - antizipiert - werden können als die eines Rechtshänders.

Mit den Worten von Pete Sampras (1998), Rechtshänder und ehemalige Nummer Eins der Tennisweltrangliste, lässt sich das Phänomen des Linkshänders im Sport prägnant zusammenfassen: "Some people just hate playing lefties. There's a certain mystique surrounding left-handed athletes, and the lefties wisely play it up."

Im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts sollen dieses Mysterium eingehender erforscht und die zuvor genannten Erklärungsstränge aufgegriffen werden. Des Weiteren wird überprüft, ob sich die Schlag- bzw. Wurfbewegungen von Links- und Rechtshändern möglicherweise in bestimmten Aspekten unterscheiden (kinematische Analyse von bspw. Gelenkstellungen, Armbeschleunigung).

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