Forschungsschwerpunkt Finance, Accounting, Controlling, Taxation (FACT)

Inhaltliche Beschreibung

Der Forschungsschwerpunkt FACT umfasst thematisch die Bereiche Finanzierung, externes und internes Rechnungswesen, Controlling, Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Finanz­wissenschaft. Dem Umfang der beteiligten Fachgebiete entsprechend ist er durch eine große thematische Breite der Forschungsaktivitäten gekennzeichnet. Sie reichen von der empi­rischen Kapitalmarktforschung über die Analyse nationaler und internationaler Rechnungsle­gungsnormen, die Insolvenzrechnungslegung, das Tax Accounting, die betriebswirtschaftliche Analyse steuerrechtlicher Regelungen, die Analyse von Steuerungssystemen (Management Control Systems) und Erfolg und Controlling bis hin zur politischen Ökonomie der Besteuerung. Damit deckt der Forschungsschwerpunkt einerseits zentrale Kernbereiche der BWL ab, ist aber andererseits über die Einbeziehung der Analyse rechtlicher Normen (insbesondere im Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht) sowie die expli­zite Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Aspekte der Besteuerung nicht darauf be­schränkt und insoweit - dem Profil der Universität Kassel entsprechend - interdisziplinär an­gelegt. Dabei bilden die Themen „Finanzwesen“ und „Steuerung“ den gemeinsamen Kern.

In ihrer Zielsetzung sind die Forschungsaktivitäten des Forschungsschwerpunktes FACT auf die Erfüllung von zwei Aufgaben gerichtet: Zum einen sollen auf theoretischer Grundlage Lösungsansätze für betriebswirtschaftlich bedeutsame Fragestellungen in der Unternehmenspraxis entwickelt und unternehmenspolitische Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt werden; zum anderen gilt es, den Gesetzgeber durch Analyse der Wirkungen geplanter oder auch bereits verabschiedeter Regelungen und das Aufzeigen geeigneter Alternativen bei der Regu­lierung und Gesetzgebung zu unterstützen. Mit diesem Ansatz fügt sich der Forschungsschwerpunkt FACT nahtlos in das entsprechend ausgerichtete Forschungsprofil des Fachbereichs ein.

Verortung im Wettbewerb

Angesichts der Relevanz der untersuchten Fragestellungen ist es zunächst einmal nicht ver­wunderlich, dass auch andere Universitäten bereits vergleichbare Forschungsschwerpunkte gebildet haben. Insofern befindet sich der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften mit dem Forschungsschwerpunkt FACT in einem intensiven Wettbewerb. Dabei ist die Ausstattung (Personal- und Sachmittel) der an entsprechenden Forschungsschwerpunkten beteiligten Lehrstühle anderer Universitäten regelmäßig ungleich besser als an der Universität Kassel. Der Forschungsschwerpunkt FACT ist bestrebt, dem gegenüberzustellen, dass der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel komparative und absolute Wettbewerbsvorteile gegenüber relevanten Wettbewerbern besitzt. So ist anders als an vielen Universitäten vergleichbarer Größenordnung der Bereich FACT an der Universität Kassel hinsichtlich der beteiligten Fachgebiete vergleichs­weise breit aufgestellt. Das aber ist angesichts der zunehmenden Komplexität der zu unter­suchenden Probleme erforderlich. Nicht wenige Fragestellungen sind derart komplex, dass sie mit dem Spezialistenwissen der Vertreter einzelner Fachgebiete allein nicht mehr beantwortet werden können. Das gilt jedenfalls dann, wenn die Analyse nicht nur auf Einzelaspekte be­schränkt werden soll. Die Finanzmarktkrise mit ihren Folgen für die Finanzmärkte und die Staatsverschuldung sowie ihren Auswirkungen auf die Rechnungslegung, die Besteuerung und die Gestaltung interner Kontroll- und Steuerungssysteme hat dies zuletzt eindrucksvoll belegt. Gerade die an der Universität Kassel gepflegte interdisziplinäre Zusammenarbeit bietet insoweit die Chance, sich in diesem wichtigen Bereich durch eine über die Erforschung von Einzel­aspekten hinausgehende grundlegende Auseinandersetzung mit ökonomisch relevanten Problemfeldern zu profilieren und damit ein attraktiver Ansprechpartner für Institutionen und Unternehmen zu werden.

Darüber hinaus verfügt der Forschungsschwerpunkt FACT an der Universität Kassel über gewisse Alleinstellungsmerkmale. Dies lässt sich für die Forschungen von Prof. Dr. Christian Klein - einer der wenigen deutschen Forscher im Themengebiet „Sustainable Finance“ -, die Verbindung von Management Control Systems mit der Rationalitätssicherung im Controlling (Prof. Dr. Pascal Nevries) sowie für das an anderen wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen lange Zeit vernachlässigte Tax Accounting (Prof. Dr. Karrenbrock) feststellen. Letzteres hat sich mit der Verabschiedung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes im Jahre 2009 zu dem Bilanzierungsproblem schlechthin entwickelt. Insoweit gilt es, den vorhandenen Vorsprung zu festigen und nach Möglichkeit weiter auszubauen.

Relevante Wettbewerbsvorteile ergeben sich darüber hinaus durch die erfolgte Einrichtung eines ent­sprechenden Masterstudiengangs und die damit auch in diesem Bereich einhergehende Ein­heit von Forschung und Lehre. Zielsetzung des primär betriebswirtschaftlich geprägten Masterstudiengangs FACT ist es, den Studierenden die für die Übernahme leitender Funktio­nen erforderlichen Kenntnisse auf den Gebieten Finanzierung, Rechnungswesen, Controlling und Steuern zu vermitteln. Damit trägt der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften den Be­dürfnissen der regionalen Wirtschaft nach entsprechend ausgebildeten Nachwuchsführungs­kräften Rechnung. Darüber hinaus bieten sich den Absolventen auch überregional hervorra­gende Beschäftigungsmöglichkeiten. Das gilt insbesondere (aber nicht nur) für die Bereiche Wirtschafts­prüfung, Steuer- und Unternehmensberatung.

Bedeutung des Forschungsschwerpunktes und Entwicklungsziele

Die Bedeutung des Forschungsschwerpunktes ergibt sich unmittelbar aus der ökonomischen und gesellschaftspolitischen Relevanz der untersuchten Fragestellungen. Allein die Ent­wicklungen der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass es in diesem Bereich zahlreiche Probleme gibt, die einer wissenschaftlichen Analyse bedürfen. Eher exemplarisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien insoweit genannt: die Auswirkungen der Finanzmarktkrise (Regulierung des Kapitalmarktes, Staatsverschuldung, Steueraufkommen, Finanztrans­aktionssteuer, Ausgliederung von Risiken in Zweckgesellschaften bzw. sog. „Bad Banks“, Behandlung der Risiken im Rahmen der Rechnungslegung, Verbesserung der in­ternen Kontroll- und Steuerungssysteme und des Risikomanagements der Unternehmen etc.); die Internationa­lisierung der Rechnungslegung und deren Auswirkungen auf die steuerliche Gewinner­mittlung, die Diskussion um eine Reform des Steuerrechts, die Harmonisierung der steuer­lichen Gewinnermittlung in Europa usw.

Ein wirtschaftswissenschaftlicher Fachbereich, der die wissenschaftliche Analyse derart be­deutsamer Probleme unserer Gegenwart unterlässt, sähe sich (nicht zu Unrecht) dem Vorwurf ausgesetzt, zentrale ökonomisch und gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen zu ver­nachlässigen.

Ziel des Forschungsschwerpunktes ist es, sich auf diesem Gebiet als bedeutende Forschungseinrichtung zu profilieren. Schon die bisher veröffentlichten Arbeiten der Vertreter der beteiligten Fachgebiete haben in Theorie und Praxis große Beach­tung gefunden. Davon zeugen nicht zuletzt die umfassende Berücksichtigung der Beiträge in der einschlägigen Literatur sowie die Tatsache, dass auch die Medien (Tagespresse, TV) die Verfasser der Publikationen um Stellungnahmen gebeten haben. Selbst im Gesetzgebungsver­fahren zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) und in den Verlautbarungen der Standardsetter zur Rechnungslegung haben sich Kasseler Forschungsergebnisse niedergeschlagen. Diese überaus positive Ent­wicklung soll im Interesse einer weiteren Erhöhung der Reputation des Fachbereichs Wirt­schaftswissenschaften weiter vorangetrieben werden. Zu diesem Zweck werden die For­schungsergebnisse auch künftig in national und international renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht.

Kooperationen

Innerhalb des Fachbereichs ergibt sich eine institutsübergreifende Kooperation zunächst aus der interdisziplinären Ausrichtung des Forschungsschwerpunktes selbst. Neben Vertretern der Betriebswirtschaftslehre sind auch Kollegen aus der Volkswirtschaftslehre (Prof. Dr. Bischoff) und der Rechtswissenschaft (Prof. Dr. Deckert) in den Forschungsschwer­punkt FACT eingebunden. Darüber hinaus ergeben sich zahlreiche Ansatzpunkte für eine Kooperation mit anderen Forschungsschwerpunkten bzw. –bereichen der Universität. Exem­plarisch seien genannt Economic Behavior and Governance (Prof. Dr. Bischoff, Prof. Dr. Karrenbrock), Umwelt und Nachhaltigkeit (Prof. Dr. Christian Klein) oder Rechtswissenschaft, insbes. Gesellschafts-, Insolvenz-, Steuer- und Bilanzrecht (Prof. Dr. Deckert, Prof. Dr. Kuhn, Prof. Dr. Karrenbrock).

Universitätsübergreifende Kooperationen bestehen zunächst im Rahmen gemeinsamer Publi­kationsprojekte mit zahlreichen Professuren anderer Universitäten. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Beteiligung an führenden Bilanzrechtskommentaren und -handbüchern (Schulze-Osterloh/Hennrichs/Wüstemann (Hrsg.), Handbuch des Jahresabschlusses, Baetge/Kirsch/Thiele (Hrsg.), Bilanzrecht-Kommentar). Auch im Bereich Sustainable Finance (Prof. Dr. Christian Klein) bestehen verschiedene Forschungskooperationen, beispielsweise auf universitärer Ebene mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Dorfleitner an der Universität Regensburg, auf Praxis- und NGO-ebene mit dem Forum Nachhaltige Geldanlage, Südwind, CRIC, oder der Verbraucherzentrale Bremen. Das Fachgebiet Controlling steht u.a. in enger Kooperation mit dem durch die Bertelsmann-Stiftung finanzierten Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung & Corporate Governance (RMI).

Zusammengearbeitet wird auch mit verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstituten. So ist Prof. Dr. Bischoff seit 2013 Forschungsprofessor des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Im Zuge des Aufbaus des Forschungsschwerpunktes FACT, den zahlreichen neuen Mitgliedern des Schwerpunktes und der damit einhergehenden Erhöhung der Attrakti­vität des Fachbereichs als Kooperationspartner ist zudem mit einem deutlichen Ausbau stand­ortübergreifender Kooperationen zu rechnen.

Aktuelle Forschungsthemen /-projekte (Auswahl)

  • "Nachhaltig gewonnene mineralische Rohstoffe: ein Multi-Stakeholder-Prozess zur Entwicklung eines Zertifizierungssystems (NamiRo)", Fachgebiet Unternehmensfinanzierung (Prof. Dr. Christian Klein) in Kooperation mit Fachgebiet Industrielle Ökologie und technologischer Wandel (Prof. Dr. Michael Hiete), Fachgebiet Nachhaltige Unternehmensführung (Prof. Dr. Rüdiger Hahn), Fachgebiet Supply Chain Management (Prof. Dr. Stefan Seuring), UniKassel Transfer, Beak Consultants GmbH (Freiberg), Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hannover)

 

  • "Die Bestimmungsgründe nachhaltiger Geldanlagen – Eine empirische Untersuchung privater Haushalte in Deutschland" (SRI Deutschland), Fachgebiet Unternehmensfinanzierung (Prof. Dr. Christian Klein) in Kooperation mit Prof. Dr. Ziegler, gefördert von der Deutschen Bundesbank

  • Untersuchung privater Haushalte in Deutschland" (SRI Deutschland), Fachgebiet Unternehmensfinanzierung (Prof. Dr. Christian Klein) in Kooperation mit Prof. Dr. Ziegler, gefördert von der Deutschen Bundesbank

  • "Evaluation der Wirkung von Nachhaltigkeitsratings und nachhaltigen Investoren auf Unternehmen", Fachgebiet Unternehmensfinanzierung (Prof. Dr. Christian Klein) in Kooperation mit dem SÜDWIND Institut, Bonn

  • „Controlling und Erfolg“, Fachgebiet Controlling (Prof. Dr. Pascal Nevries)

  • „The impact of supportive leadership on subordinate commitment: Analysing the relevance of empowerment and distributive justice as mediating mechanisms in different cultural settings“, Fachgebiet Controlling (Prof. Dr. Pascal Nevries) in Kooperation mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung & Corporate Governance (RMI)

  • „Sustainability and Management Accounting“, Fachgebiet Controlling (Prof. Dr. Pascal Nevries, Ralf Gebhardt)

  • Tax Accounting (Prof. Dr. Karrenbrock)

  • Zukunft der steuerlichen Gewinnermittlung (Prof. Dr Karrenbrock)

  • Politische Ökonomie der Besteuerung (Prof. Dr. Bischoff)

Beispielhafte Publikationen (Auswahl)

Bischoff/Gohout, The political economy of tax projections, International Tax and Public Finance 2010, S. 133-150

Heiden/Klein/Zwergel, Beyond Fundamentals: Investor Sentiment and Exchange Rate Forecasting, European Financial Management 2013, Vol. 19/3, S. 558-578

Karrenbrock, Kommentierung der §§ 251, 285 Nr. 3, 285 Nr. 3a HGB, in: Baetge/Kirsch/Thiele (Hrsg.), Bilanzrecht Kommentar (Loseblatt, letzte Neubearb. Aug. 2014).

Karrenbrock, Wehret den Anfängen: Wider die Aushöhlung des Nettoprinzips durch die Beschränkung des Fahrtkostenabzugs, Zeitschrift für Wirtschaftspolitik 2008, S. 54-64.

Karrenbrock, Von der Steuerabgrenzung zur Bilanzierung latenter Steuern – Die Neuregelung der Bilanzierung latenter Steuerzahlungen nach dem Entwurf des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG), WPg 2008, S. 328-337.

Karrenbrock, Latente Steuern im Einzelabschuss, in: Schulze-Osterloh/HennrichsWüstemann (Hrsg.), Handbuch des Jahresabschlusses – Bilanzrecht nach HGB, EStG, IFRS (Loseblatt, letzte Überarbeitung Okt. 2013;).

Karrenbrock, Passive latente Steuern als Verbindlichkeitsrückstellungen – Diskussion der BStBK-Verlautbarung zum Ausweis passiver latenter Steuern in der Handelsbilanz, BB 2013, S. 235-239.

Karrenbrock, Zur wundersamen Eigenkapitalvermehrung durch Aktivierung latenter Steuern auf bankenspezifische Vorsorgereserven, BFuP 2013, S. 193-203.

Klein/Hofmann, Ethical Requirement and Financial Interest: A Literature Review on Socially Responsible Investing, BuR - Business Research, DOI: 10.1007/s40685-014-0015-7, forthcoming

Klein/Stellner,    The Systematic Risk of Corporate Bonds: Default Risk, Term Risk and Index Choice, Financial Markets and Portfolio Management 2014, Vol. 28, S. 29-61

Klein/Stellner, Does Sovereign Risk Matter? New Evidence from Eurozone Corporate Bond Ratings and Zero-Volatility Spreads, Review of Financial Economics 2014, Vol. 23/2, S. 64-74

Klein/Scheibel, What Influences the Discount Applied to the Valuation for Controlling Interests in Private Companies? (An Analysis Based on the Acquisition Approach for Comparable Transactions of European Private and Public Target Companies), Journal of Business Valuation and Economic Loss Analysis 2013, Vol. 8/1, S. 1 - 25

Klein/Scheibel, The private company discount – an analysis based on the acquisition approach for comparable transactions of European target companies: Journal of Private Equity 2012, Vol. 16/1: S. 74-82

Schäffer/Nevries/Fikus/Meyer, Has Finance Research Evolved into a ‘Normal Science’? A Bibliometric Study of the Structure and Development of Finance Research from 1988 to 2007: Schmalenbach Business Review 2011, Heft 2 (April), Jg. 63, S. 190-226.

Strauß/Nevries/Weber, The development of MCS packages – balancing constituents´ demands, in: Journal of Accounting and Organizational Change 2013, No. 2, Vol. 9, S. 155-187.

Nevries/Gebhardt, Erfolgsfaktoren des Working Capital Managements, in: Controlling & Management Review 2013, No. 5, S. 14-25.

Nevries/Gebhardt, Zentrales und dezentrales Controlling – IT-Systeme, Standardisierung und Controlling Community als Erfolgsfaktoren einer effektiven und effizienten Zusammenarbeit, in: Controlling – Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung 2014, Heft 7, Jg. 26, S. 373-379.