Forschungsschwerpunkt Information, Innovation und Management

Inhaltliche Beschreibung

Der Forschungsschwerpunkt "Information, Innovation und Management" verknüpft in einzigartiger Weise drei aktuelle und zunehmend an Relevanz gewinnende Themenfelder der Betriebswirtschaftslehre unter dem Aspekt der Prozessgestaltung und der Implementierungsproblematik. Diese Fokussierung bedeutet eine konsequente Orientierung an Gestaltungsfragen, so dass empirisch, theoretisch und konzeptionell fundierte Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Organisationen im Vordergrund stehen. Durch die Konzentration auf die oben genannten Bereiche wird sowohl an zukünftige unternehmensbezogene und gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse als auch an die aktuelle internationale Forschung angeknüpft.

Der Forschungsschwerpunkt setzt sich zum Ziel, einschlägige und für die Universität Kassel profilbildende Beiträge zu dieser Diskussion für international renommierte Tagungen und Zeitschriften zu liefern. Die Verknüpfung der Themenfelder „Information“, „Innovation“ und „Management“ ist vor dem Hintergrund dreier Entwicklungstendenzen besonders relevant:

  1. Die Steuerung von Organisationen fordert immer stärker eine Managementkompetenz, die in der Lage ist, mit der zunehmenden Fülle an internen und externen Informationen selektiv im Hinblick auf Innovationsmöglichkeiten umzugehen. Dabei spielen nicht nur technische Lösungen (IT-Syteme), sondern auch soziale und organisatorische Komponenten (z.B. „Absorptive Capacity“, „organisationales Vertrauen“; „Diversity“, „Corporate Entrepreneurship“) und vor allem deren Verknüpfung zu einer ganzheitlichen sozio-technischen Betrachtung eine zentrale Rolle.

  2. Das Management selbst ist in Zeiten einer massiven Digitalisierung gefordert, innovativ zu sein. Dabei ist eine ganzheitliche Innovationsperspektive einzunehmen, die neben technischen – meist produktbezogenen - Innovationen auch Prozess-, Service-, Organisations- und Geschäftsmodellinnovationen einschließt. Sowohl Auswirkungen von Innovationen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen als auch deren gesellschaftlichen Implikationen und Wechselwirkungen sind hier relevant. Dies spiegelt sich in Diskussionen um a) die Akzeptanz von Innovationen (Adoptionsforschung, Technologieakzeptanz und -bewertung), b) strategische Innovationen (Business Model Innovation), c) die Implementierung von Strukturen, die in der Lage sind, Effizienz und Innovation auszubalancieren („Ambidextrous Organization“, Technologienetzwerke) oder d) die Veränderung von bestehenden organisationalen Kompetenzen („Dynamic Capabilities“, „Relational View“) wider.

  3. Die aktive Einbindung unternehmensexterner Kontexte erlangt für die innovationsorientierte Ausrichtung von Unternehmen und Organisationen eine immer wichtigere Bedeutung („Service Systems Engineering“). Dabei geht es auf einer grundsätzlichen strategischen Ebene um Fragen des Nachhaltigkeits­managements sowie um die Analyse von Umweltveränderungen im Sinne von Megatrends (z.B. „Crowdsourcing“) und schwachen Signalen und deren Umsetzung in entsprechende Gestaltungsmaßnahmen. Darüber hinaus geht es aber auch um die gesellschaftliche Legitimation der Verhaltensweisen von Organisationen.

Entwicklungsziele

Insgesamt zeigt sich hier ein Forschungsfeld, das in der Verknüpfung verschiedener aus dem Bereich der Informatik, des Innovationsmanagements und der Managementlehre kommenden Forschungsströmungen sehr viele Fragestellungen offenlegt und ein hochgradiges Forschungspotenzial aufweist. Es ist zu erwarten, dass gerade diese drei Themenbereiche eine immer stärkere Rolle in der betriebswirtschaftlichen Forschung spielen werden. Bislang ist allerdings eine eher isolierte Betrachtung dieser Themenfelder zu konstatieren, so dass, was die Gestaltungs-, Veränderungs- und Innovationsfragen anbelangt, zu wenig ganzheitliche Ansätze vorliegen. In der integrativen Betrachtung soll ein spezifisches Profil an der Universität Kassel etabliert werden. Die Mitglieder des Forschungsschwerpunkts setzen sich zum Ziel, international anerkannte Forschungsbeiträge zu liefern und durch die gemeinsame Beantragung von Drittmitteln (z.B. LOEWE, DFG, BMBF, EU) die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu vertiefen. Darüber hinaus soll ein gemeinsames Doktorandenprogramm entwickelt werden und über Disziplingrenzen hinweg profilbildend wirken.

Kooperationen mit anderen Schwerpunkten

Der Forschungsschwerpunkt „Information, Innovation und Management“ weist zudem ausgezeichnete Anknüpfungspunkte zu bereits bestehenden Forschungsschwerpunkten der Universität Kassel auf. Insbesondere zu den Forschungsschwerpunkten „Wissens- und Kompetenzentwicklung“, den Forschungsaktivitäten im Rahmen des wissenschaftlichen Zentrums für Informationstechnikgestaltung „ITeG“,sowie den diversen BMBF, BMWi & DFG Projekten und zu „Umwelt“ bestehen vielfältige Anschlussmöglichkeiten, so dass der Forschungsschwerpunkt „Information, Innovation und Management“ sich in das bestehende Forschungsprofil der Wirtschaftswissenschaften und der Universität Kassel sehr gut einfügt und dieses sinnvoll profilbildend für den Fachbereich und die Universität ergänzt.

Beispielhafte Veröffentlichungen

Bittner, E. A. C, Leimeister, J. M. (2014): Creating Shared Understanding in heterogeneous work groups - Why it matters and how to achieve it. In: Journal of Management Information Systems (JMIS), 31(1), 111-143.

Bretschneider, U., Leimeister, J. M., Mathiassen, L. (2015): IT-enabled Product Innovation. In: International Journal of Product Development (forthcoming).

Duchek, S., Klaußner, S. (2013): Temporärer Umgang mit Unerwartetem: Die Analyse einer gebrochenen ICE-Radsatzwelle durch die Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung. In: Managementforschung Jahrbuch, 23, 49-82

Eberl, P., Geiger, D., Aßländer, M. (2015): Repairing Trust in an Organisation after Integrity Violations: The Ambivalence of Organizational Rule Adjustments. In: Organization Studies (forthcoming).

Eberl, P., Clement, U.,Möller, H. (2012): Socializing Employees’ Trust in the Organization: An Exploration of Apprentices’ Socialisation in Two Highly Trusted Companies. In: Human Resource Management Journal, 22 (4), 343- 359.

Gold, S., Hahn, R., Seuring, S. (2013): Sustainable Supply Chain Management in “Base of the Pyramid” Food Projects – A Path to Triple Bottom Line Approaches for Multinationals? In: International Business Review, 22(5), 784-799.

Hahn, R., Weidtmann, C. (2012): Transnational Governance, Deliberative Democracy, and the Legitimacy of ISO 26000: Analyzing the Case of a Global Multi-Stakeholder Process. In: Business & Society, Early View.

Heidenreich, S., Landsperger, J., Spieth, P. (2014): Are Innovation Networks in Need of a Conductor? Examining the Contribution of Network Managers in Low and High Complexity Settings. In: Long Range Planning, Available online 28 April 2014 (in press).

Kache, F., Seuring, S. (2014): Linking collaboration and integration to risk and performance in supply chains via a review of literature reviews. In: Supply Chain Management: An International Journal 19 (5/6), 664-682.

Klaußner, S. (2014): Engulfed in the Abyss: The Emergence of Abusive Supervision as an Escalating Process of Supervisor-Subordinate Interaction. In: Human Relations, 67 (3), 311-332.

Korinek, R.-L., Veit, S. (2014): Only good fences keep good neighbors! The institutionalization of ministry-agency relationships at the science-policy nexus in German food safety policy. In: Public Administration (doi: 10.1111/padm.12117).

Leimeister, J. M., Huber, M., Bretschneider, U., Krcmar, H. (2009): Leveraging Crowdsourcing - Activation-Supporting Components for IT-based Idea Competitions. In: Journal of Management Information Systems (JMIS), 26 (1), 197-224.

Leimeister, J.M (2014): Collaboration Engineering - IT-gestützte Zusammenarbeitsprozesse systematisch entwickeln und durchführen. 2014. Springer, Berlin Heidelberg

Leimeister, J.M (2012): Dienstleistungsengineering und –management. 2012. Springer Berlin Heidelberg.

Pascher, U., Roski, M., Halbfas, B. (2015): Start-Up Motives and Entrepreneurial Aspirations of Women Chemists in Germany, accepted for publication 15/11/2013, International Journal of Gender and Entrepreneurship, to be published in 2015.

Roski, M., Halbfas, B., Volkmann, C. (2013): Unternehmensgründung und Umfeldfaktoren: Ein ganzheitliches Modell zur Erklärung von Geschlechterdifferenzen im Gründungsgeschehen. In: Ebbers, I., Halbfas, B., Rastetter, D. (Hrsg.): Gender und ökonomischer Wandel. Sammelband des Arbeitskreises Politische Ökonomie, Marburg: Metropolis 2013.

Seuring, S. (2013): A review of modeling approaches for sustainable supply chain management. In: Decision Support Systems 54 (4), 1513-1520

Spieth, P.; Schneckenberg, D.; Ricart, J. E. (2014): Business Model Innovation - State of the Art and Future Challenges for the Field. In: R&D Management Journal, 44(3), 237-247

Urhahn, C.; Spieth, P. (2014): Governing the Portfolio Management Process for Product Innovation – A Quantitative Analysis on the Relationship between Portfolio Management Governance, Portfolio Innovativeness and Firm Performance. In: IEEE Transactions on Engineering Management, 61(3), 522-533

Veit, S., Scholz, S. (2015): Linking administrative career patterns and politicisation: Signalling effects in the careers of top civil servants in Germany. International Review of Administrative Sciences (forthcoming).

Wettbewerbsstrategische Vorteile

Durch die in dieser Form an deutschsprachigen Universitäten nicht existierende Verzahnung der Felder Information, Innovation und Management ergibt sich für die Universität Kassel die Möglichkeit einer einzigartigen Profilbildung im Bereich der Betriebswirtschaftslehre. Diese wird auch durch eine entsprechende Masterspezialisierung (IIM) im Studiengang „Business Studies“ unterstützt.