emergenCITY - The Resilient Digital City (emergenCITY)

Im Jahr 2050 werden etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben – nach 30 Prozent in 1950 und 50 Prozent in 2010. Das andauernde Wachstum der Anzahl und der Größe der Städte ist nur durch eine effizientere Gestaltung der (kritischen) Infrastrukturen wie Energie, Transport, Logistik und Wasser möglich. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten dabei vielfältige Möglichkeiten, um diese Effizienzgewinne zu erreichen und fungieren daher als Wegbereiter für digitale Städte. Diese Entwicklung stellt jedoch auch eine Bedrohung für die Funktionsfähigkeit von Städten in Krisensituationen dar. Zunehmende Vernetzung und Abhängigkeit von digitalen Diensten machen Gesellschaften anfälliger für störende Ereignisse, die sich auf die regulären IKT-Funktionen auswirken. IKT-basierte Infrastrukturen sind durch von Menschen verursachte Beeinträchtigungen, Naturkatastrophen, Gewalt und Terror gefährdet. Gleichzeitig ist die Funktionsweise digitaler Städte in Fällen von Extremereignissen, Krisen und Katastrophen bisher nicht ausreichend erforscht. Das durch die Hessische Landesregierung geförderte LOEWE-Zentrum „emergenCITY - The Resilient Digital City“ will Grundlagen, Methoden und Lösungen untersuchen, um einen neuartigen Lösungsansatz der Krisenbewältigung durch IKT-basierte Infrastrukturen zu etablieren. Dieser Ansatz wird als so genannte „Resilient Digital Cities“ bezeichnet. Resilienz meint in diesem Kontext die Fähigkeit eines Systems, Krisen zu absorbieren, sich von diesen zeitnah und nachhaltig zu erholen oder durch Wandlung vergleichbare bzw. neuartige Funktionsfähigkeit zu erlangen. 

Der Universität Kassel, Fachgebiet Öffentliches Recht, IT-Recht und Umweltrecht, ist für die Bearbeitung der rechtswissenschaftlichen Fragestellungen des Zentrums verantwortlich. Dabei soll vor allem die datenschutzrechtliche und IT-sicherheitsrechtliche Zulässigkeit und Ausgestaltung von IKT-Systemen in digitalen Städten erarbeitet werden. Letztlich geht es um die Abwägung des Rechts auf Schutz personenbezogener Daten und der Öffentlichen Sicherheit. Die Beurteilung umfasst unter anderem die (datenschutzkonforme) Erhebung und Auswertung von zivilen und öffentlichen Daten, die die Deeskalation, die Notfallreaktion, die Beurteilung von Krisensituationen und die Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben unterstützt. Da die Resilienz der IKT-Systeme gerade durch Informationen erhöht werden soll, bedarf es einer Vielzahl an Quellen für Informationen wie auch eine effiziente und automatisierte Auswertung dieser Daten. Im Rahmen der Zusammenführung und (automatisierten) Auswertung dieser Daten werden neben der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit unter anderem auch die Frage nach der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit und Haftung virulent. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass neben staatlichen Pflichten zur Informationsübermittlung auch auf vertragliche Vereinbarung mit privaten Stellen zurückgegriffen werden könnte. Dabei bedarf es eines rechtlich zulässigen und effizienten Konstrukts, um eine resiliente Stadt gewinnbringend zu etablieren.

Die Wissenschaftliche Koordination des LOEWE-Zentrums obliegt Prof. Dr.-Ing. Matthias Hollick, Sichere Mobile Netze (SEEMOO), TU Darmstadt. „emergenCITY“ ist als interdisziplinäre (23 Professorinnen und Professoren aus Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau, Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, Architektur, Wirtschaftswissenschaften sowie Rechtswissenschaften) und standortübergreifende Kooperation organisiert, an der die Universitätspartner Technische Universität Darmstadt, Universität Kassel und Philipps-Universität Marburg beteiligt sind. Darüber hinaus sind das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und die Stadt Darmstadt in das Zentrum eingebunden. Um diese Herausforderungen ganzheitlich anzugehen, besteht „emergenCITY“ aus vier miteinander verzahnten Programmbereichen: Gesellschaftliche Aspekte und Stadtplanung, Information, Kommunikation und cyberphysikalische Systeme.

Weiter Informationen zu „emergenCITY“ finden sich auf der Homepage des Zentrums.