NORA

Gestaltung von kollaborativen kontextsensitiven mobilen Anwendungen nach normativen Anforderungen des Datenschutzrechts und der Informatik

Kontextsensitive Anwendungen unterstützen Nutzer mit Diensten und Funktionen situativ in unterschiedlichen Anwendungsbieten, beispielsweise in der Aktivitätserkennung oder in der automatisierten Aufmerksamkeitsverwaltung. Vielfach werden mobile Geräte, wie Smartphones oder Smartwatches, für die Erkennung und Vorhersage von Kontexten eingesetzt. Kollaborative kontextsensitive mobile Anwendungen verarbeiten neben den eigenen personenbezogenen Daten auch Daten Dritter, um Gemeinsamkeiten, ähnliche Verhaltensweisen oder Aktivitäten von Personen zu identifizieren und so die Erkennung und Vorhersage von Kontexten zu verbessern. Dabei erfolgt der Austausch und die Verarbeitung von Daten, teilweise unter Einbezug zusätzlicher Entitäten (Server, cloudbasierte Dienste etc.), verteilt und automatisiert im Hintergrund. Bei kollaborativen kontextsensitiven mobilen Anwendungen ist die Wahrung des Datenschutzes von besonderer Relevanz, um die Akzeptanz sowie das Vertrauen der Nutzer sicherzustellen. Eine interdisziplinäre, technisch sowie juristisch fundierte Betrachtung und deren Implementierung ist für diese Art von Anwendungen und deren Algorithmen daher essenziell.

Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts NORA ist es, eine praktikable Methode zu entwickeln, mit der kollaborative kontextsensitive Anwendungen und Algorithmen des maschinellen Lernens bereits während der Konzipierung nach normativen Anforderungen des Datenschutzrechts und der Informatik gestaltet werden. Das Projektkonsortium bilden die Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Roßnagel sowie das Fachgebiet Kommunikationstechnik (ComTec) unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Klaus David, die beide an der Universität Kassel angesiedelt sind.

Konkret werden in dem auf zwei Jahre angelegten Projekt Anforderungen und Kriterien aus der Rechtwissenschaft und der Informatik erarbeitet, interdisziplinär in ausgleichender Weise zusammengeführt und zu Gestaltungsvorschlägen auf Implementierungsebene vereint (Privacy-by-Design). Dabei gewährleistet die Anwendung der Methode zur Konkretisierung normativer Anforderungen (KONA), dass sowohl Normen und Kriterien des Rechts (z. B. Zweckbindung, Datensparsamkeit, Transparenz) als auch normative Anforderungen der Informatik (z. B. hohe Erkennungsgenauigkeiten, lange Laufzeiten bei mobilen Geräten) beachtet werden. Rechtlich begründete Anforderungen wie die informationelle Selbstbestimmung werden so von vornherein in die Anwendungen „eingebaut“. Ein besonderer Fokus der Forschung liegt auf dem digitalen Arbeitsplatz als spezifischem Einsatzgebiet für kollaborative kontextsensitive mobile Anwendungen.

Die erarbeitete Methode wird exemplarisch an zwei Erprobungsszenarien zur Erkennung und Vorhersage von Kontexten evaluiert:

Im ersten Szenario werden Kommunikationsereignisse kontextsensitiv gesteuert, um Unterbrechungen während Aktivitäten zu minimieren und somit negativen (gesundheitlichen) Auswirkungen (z. B. Stress) entgegenzuwirken. Die Anwendung verarbeitet kontextuelle Informationen anderer Nutzer (u. a. Aufenthaltsorte, Applikationen, Beziehungen), um die Erkennung und Vorhersage von unterbrechbaren Zeitpunkten zu verbessern.

Im zweiten Szenario werden Emotionen von Personen auf Basis physiologischer Signale (u. a. Hauttemperatur, Blutvolumenpuls, elektrodermale Aktivität) erkannt. Um die Erkennung von Emotionen und Stresssituation gegenüber physikalischen Einflüssen zu verbessern, werden physiologische Daten zur Findung von Gemeinsamkeiten kollaborativ verarbeitet.