Exkursion WiSe 19/20

„In der Badewanne lernt man nicht schwimmen“, wusste schon das Berliner Original Zille. Deshalb unternahmen vom 30.01. bis zum 01.02.2020 einige Studierende der Mastermodule „Institutions and the Food System“ und „Politikfeldanalyse im Agrar- und Umweltsektor“, andere interessierte Studierende sowie zwei Mitarbeitende des Fachgebiets unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Thiel eine Exkursion in die Hauptstadt. Dabei sollte in Gesprächen mit wichtigen deutschen Akteuren über die Aushandlungen der GAP-Reform (Gemeinsame Europäischen Agrarpolitik) im Jahr 2020 die universitäre Theorie mit der Praxis Bekanntschaft schließen.

Am ersten Tag sprach die Gruppe mit Prof. Dr. Harald Grethe, dem Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und Landwirtschaft (WBAE). Er bot einen interessanten Einblick in die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik, bei dem deutlich wurde, wie stark es von der Öffentlichkeit abhängt, welche Themen sich Gehör verschaffen und wovon es abhängt, dass den langwierig entstandenen Berichten der wissenschaftlichen Beiräte Beachtung geschenkt wird.

Anschließend gab es ein Treffen mit Peter Röhrig, einem ehemaligen Witzenhäuser Studenten, nun Geschäftsführer des „Bund Ökologischer Landwirtschaft“ (BÖLW). Er betonte, dass der Erfolg der GAP-Reform im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft ganz und gar von der Umsetzung der europäischen Länder abhängig ist.

Nach der Mittagspause statteten wir Benedikt Härlin in seiner Funktion als Leiter des Berliner Büros der „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ einen Besuch ab. Unter anderem konnte er der Gruppe, die durch seine vielfältigen Tätigkeiten in der Vergangenheit gespeiste wertvolle Erfahrung mitteilen, welche Themen wann von der Politik auf die Agenda gesetzt werden.

Beim anschließenden Termin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gab Ministerialdirigent Alois Bauer, Abteilungsleiter für EU-Angelegenheiten für Landwirtschaft und Fischerei, einen hochinteressanten und ausführlichen Einblick in die Arbeit des Ministeriums und stellte sich bereitwillig allen Fragen der Studierenden.

Der Abend schloss mit einem offenen Gespräch mit Stefan Schmidt, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landjugend. Die Gruppe folgte trotz deutlicher Erschöpfungssymptome den Einblicken in die Strukturen und Interessen der Landjugend - ein guter Abschluss nach dem langen Tag.

Der nächste Morgen begann im Bundestag, wo Herr Harald Ebner von den Grünen, Mitglied des Bundestags im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, die Gruppe empfing. Er setzte den Standpunkt der Grünen zur GAP-Reform und deren Verbesserungsvorschläge auseinander, so etwa die Kritik an dem Zwei-Säulenprogramm und die Forderung einer Hektarorientierung bei den Zahlungen.

Beim Treffen mit Lavinia Roveran, der Referentin für Agrar- Natur- und Tierschutzpolitik, des Deutschen Naturschutzrings, dem Dachverband der Deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen, wurde der Gruppe ausführlich die Standpunkte des DNR zur GAP-Reform erklärt und dessen Einflussmöglichkeiten dargestellt.

Nach der Mittagspause ging es zu der größten Interessensvertretung der Landwirt*innen, dem Deutschen Bauernverband. Hier stand Herr Dr. Peter Pascher der Gruppe zu den Positionen des Bauernverbands Rede und Antwort.

Die Möglichkeit, mit einem der von der GAP betroffenen Länderministerien zu sprechen, bot sich im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz in Brandenburg. Dort wurden wir von Maria Hansen empfangen, die uns Besuchern ausführlich beantwortete, was eine solche Reform letztlich für die Landesverwaltung bedeutet, wie diese umgesetzt wird und welche Hürden bei einem solchen Prozess zu nehmen sind.

Der Abschluss der Exkursion am Samstag, dem 01.02., war der Besuch des Rundstedt‘scher Gutsbetriebs. Dieser Betrieb ist Mitglied im Verbund Ökohöfe e. V., einem Bio-Anbauverband mit Sitz in Sachsen-Anhalt. Die Witzenhäuser Abordnung wurde von dem ehemaligen Vorsitzenden des Anbauverbands Jürgen Hartmann sowie dem Gutsbesitzer Hubertus von Rundstedt sehr freundlich mit einer Brotzeit empfangen. Es kam zu einem lebendigen Austausch über den Anbauverband, dessen Strukturierung und Finanzierung. Auch wurde über den Betrieb gesprochen und wir kamen in den Genuss einer ausführlichen und informativen Hofführung.

Die Exkursion konnte einen breiten Überblick über die Auswirkungen und Konsequenzen der Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik auf die verschiedenen Interessensgruppen und die Regierung geben und fand einen schönen Abschluss auf dem Gutsbetriebshof.

Bericht von Hannah Meyer