Forschungsprojekte

DFG-Projekt "Erwerbs- und Nutzungsorientierungen als Determinanten für die Ausprägung von Dorfprofilen (Hessen-Kassel 1737)"

Anhand der hessischen Steuertabellen von 1737 soll mit Hilfe entwickelter Methoden der empirischen Sozialforschung ein Neuansatz in der Sozialgeschichte ländli­cher Räume erprobt werden, der geeignet ist, die Diversität dörflicher Nutzungs- und Erwerbsorientierun­gen analytisch zu erfassen und Interdependenzen aufzudecken. In einem ersten Schritt werden die Daten der Steuerpflichtigen in Clustern arrangiert, die spezifische Unterschiede bezüg­lich Landbe­sitz, Landnutzung, Tierhaltung und Gewerbeausübung darstellen, erstmals differen­ziert nach sämtli­chen in einer Region registrierten Erwerbs- und Nutzungsgruppen.

Um dorfbezogene Modifikationen sichtbar zu machen, werden in einem zweiten Schritt die auf das Gesamtsample bezoge­nen Cluster auf die dörfliche Ebene herunter gebrochen und zur kartographischen Abbildung dörflicher Sozial-, Erwerbs- und Nutzungsstrukturen sowie zur Entwicklung einer Dorftypologie ge­nutzt.

Darauf auf­bauend gestattet ein Wechsel der Perspektive, die typologische Ebene zu transzendie­ren und – als Beitrag zu einer Neukonzeptualisierung von Dorfgeschichte – zu überprüfen, inwiefern spezifische Dorfpro­file zu erkennen sind, die sich als Resultanten der Interaktionen naturräumlicher und infrastruktureller Rahmenbedingun­gen, sozialer Strukturierungen sowie akteursbe­zogener Erwerbsorien­tierungen begreifen lassen. Verfahren der Mehrebenenanalyse können darüber hinaus genutzt werden, um erstmals statistisch angemessen darzustellen, mit welchen Determinanten bzw. Determinantenkombinationen – darunter evtl. auch dörflichen Kontexteffekten – Nutzungs- und Erwerbsorientierungen der Steuerpflichti­gen zu korrelie­ren sind.