Analyse der Auswirkungen einer Einführung kostengünstiger Jahreskarten in Wien („Wiener Modell“) und Übertragung auf deutsche Großstädte

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
M.Sc. Dominik Bieland

 

Die Stadt Wien verfolgt seit mehreren Jahren eine nachhaltige Stadtentwicklungs- und Verkehrsplanung, um seinen Einwohnern eine hohe Lebensqualität zu gewährleisten. Laut des aktuellen Stadtentwicklungsplans „STEP 2025“ sollen bis zum Jahr 2025 80% aller Wege der Einwohner Wiens mit dem Umweltverbund und damit lediglich 20% aller Wege mit dem privaten Pkw zurückgelegt werden. Dazu wurde u. a. im Mai 2012 ein überarbeitetes Tarifsystem für die Nutzung des ÖPNV in Wien eingeführt („Wiener Modell“). Während die Preise für Jahres- und Monatskarten teilweise erheblich gesenkt wurden, stiegen die Preise für die übrigen Tarif stark an (z. B. die Einzelfahrt um ca. 17%). Die Zahl der Jahreskartenkunden hat sich zwei Jahre später fast verdoppelt, wobei laut eines Presseberichtes auch der kommunale Zuschuss im selben Zeitraum gestiegen ist.

Zur Abschätzung der Wirkungen der im Wiener Modell umgesetzten Tarifmaßnahmen wurden folgende Forschungsfragen untersucht:

  • Welche nachfragerelevanten Maßnahmen (inkl. Wiener Modell) wurden in Wien in den letzten Jahren umgesetzt? Wie haben sich wesentliche, wenig veränderbare Einflussgrößen auf die Verkehrsnachfrage (z. B. Demografie, Anzahl Arbeitsplätze) entwickelt?

  • Wie hat sich die Verkehrsnachfrage infolge der umgesetzten Maßnahmen und der wenig beeinflussbaren Rahmenbedingungen verändert?

  • Wie hat sich die wirtschaftliche Situation der Stadt bzw. des Verkehrsunternehmens verändert?

  • Was bedeuten die ermittelten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge für eine Übertragung des Wiener Modells auf deutsche Städte?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurde im ersten Schritt die Verkehrsplanung in Wien in den letzten 10 Jahren unter Zuhilfenahme veröffentlichter Quellen sowie Gesprächen mit Personen der Stadtverwaltung und der Wiener Linien detailliert untersucht. Auf Basis dieser Daten und Informationen wurden die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen Maßnahmen, wenig beeinflussbaren Rahmenbedingungen und Verkehrsnachfrage abgeleitet und bewertet.

Im zweiten Schritt wurde die Verkehrssituation der Stadt Wien mit den Verkehrssituationen deutscher Städte anhand von Strukturdaten sowie Daten zur Verkehrsnachfrage und zum Verkehrsangebot verglichen. Für den Vergleich wurden normierte Kennzahlen erarbeitet, auf deren Grundlage anschließend Aussagen zur Übertragbarkeit auf drei ausgewählte deutsche Städte abgeleitet wurden.

Auftraggeber: Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH

Laufzeit: 03/2017 bis 09/2017