Analyse von mikroskopischen Nutzungsdaten als Grundlage für die Entwicklung flexibler Tarife

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dipl.-Ing. Daniel Leonhäuser M.Sc.

 

Im Projekt „Analyse von mikroskopischen Nutzungsdaten als Grundlage für die Entwicklung flexibler Tarife“ wurden die Nutzungsdaten der beiden elektronischen Fahrgeldmanagementsysteme (EFM) „get>>in“ in Hanau (in Betrieb von 2001 bis 2013) und „Kolibricard“ in Schwäbisch-Hall (in Betrieb seit 2006) untersucht. Beide Systeme wurden als CheckIn/CheckOut-Systeme (CICO-Systeme) umgesetzt. Bei EFM-Systemen dieser Art erhält jeder Kunde ein Nutzungsmedium, wie z.B. eine Chipkarte. Mit dieser müssen sich Kunden bei jedem Ein- bzw. Ausstiegsvorgang im System an- bzw. abmelden, um eine Fahrtberechtigung zu erwerben. Die Abrechnung erfolgt dann üblicherweise vollautomatisch anhand der erfassten CICO-Vorgänge.

Zu diesem Zweck werden die Nutzungsdaten in einer entsprechenden Datenbank abgelegt. Als Nebenprodukt dieses Vorgangs entstehen Beobachtungsdaten über alle registrierten Nutzungen. Diese Daten der beiden genannten EFM-Systeme ermöglichen völlig neue Analysen des Nutzungsverhaltens. Üblicherweise werden bestimmte Aspekte des Verkehrsverhaltens wie z.B. Quell-Ziel-Beziehungen, Nutzungshäufigkeiten oder die zeitliche Verteilung der Nutzungen mittels Befragungen erhoben. Dabei bestehen zwangsläufig die bei Befragungen üblichen Fehlerquellen und die Aussagen sind mit statistischen Unsicherheiten behaftet. Darüber hinaus kann bei Befragungen nicht das lückenlose Verhalten über mehrere Jahre erfasst werden.

Im Rahmen dieses Projekts wurde insbesondere die zeitliche Verteilung der Nutzung verschiedener Nutzergruppen mittels Sequenzdaten- und Clusteranalyse klassifiziert. Dabei bestand das Ziel darin, eine Methode zu entwickeln, mit Hilfe derer sich typische Nutzerprofile identifizieren lassen, die beispielsweise für Planungsaufgaben oder die Entwicklung nachfrageorientierter Tarifprodukte im ÖPNV von Bedeutung sind.

Das Projekt wurde in Kooperation mit der Rhein-Main-Verkehrsverbund Servicegesellschaft mbH umgesetzt und im Rahmen der HOLM-Förderrichtlinie „Innovative Projekte in Logistik & Mobilität“ vom House of Logistics & Mobility (HOLM) gefördert.


Laufzeit: 01/2016 bis 12/2016