Beiträge des Wirtschaftsverkehrs zur Entlastung des Ballungsraums Kassel von Feinstaub (PM10)-Emissionen

Dipl.-Ing. Peter Krichel

 

Nicht nur die bei Verkehrsvorgängen entstehenden gasförmigen Schadstoffe weisen für Menschen, Tiere und Pflanzen schädliche Wirkungen auf, sondern auch Feinstäube (PM10) haben erhebliche gesundheitsschädliche Wirkungen.

Seit Januar 2005 gelten in Deutschland gemäß EU-Recht Grenzwerte für PM10-Belastungen. Diese Grenzwerte wurden in Kassel, wie in vielen anderen Städten auch, mehrfach nicht eingehalten.

Vom Verkehr werden Feinstäube auf zwei Arten verursacht, zum einen antriebsbedingt von Dieselfahrzeugen, zum anderen wird Feinstaub von allen Fahrzeugen durch Abrieb von Bremsen und Kupplungen sowie durch Aufwirbelungen erzeugt. Antriebsbedingte Feinstäube können am besten durch den Einsatz von möglichst sauberen Fahrzeugen, also Fahrzeugen gemäß neuester Euro-Norm, reduziert werden. Reduktionen von Abrieb und Aufwirbelung können nur durch Verkehrsvermeidung bewirkt werden.

Da der Verkehr nicht der alleinige Verursacher von Feinstaubemissionen ist, sollten neben verkehrlichen Maßnahmen auch weitere Maßnahmen bei der Industrie und den privaten Feinstaubquellen in Betracht gezogen werden. Der Verkehr ist jedoch für Belastungsspitzen verantwortlich, so dass dem Verkehr eine besondere Stellung unter den Verursachern von Feinstaub zukommt.

Für das Forschungsprojekt wurde in einer Verkehrserhebung das Verkehrsgeschehen in der Innenstadt von Kassel erfasst. Es wird daraus der Anteil des Wirtschaftsverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen bestimmt. Mit diesen Daten werden die Auswirkungen verschiedener verkehrlicher Maßnahmen zur Reduzierung der Feinstaub-Emissionen betrachtet. Es werden dabei zwei wesentliche Maßnahmen (eine möglichst zügige Erneuerung der Kraftfahrzeugflotte durch „saubere“ Fahrzeuge sowie die Verringerung der Kraftfahrzeugverkehrsleistung durch intelligente Organisationsformen des Verkehrs) genauer untersucht. 

Das Modell zur Ermittlung der Wirkungen von Maßnahmen auf die Feinstaubbelastung ist eine Vereinfachung der Wirklichkeit dadurch, dass der Raum nicht in seiner sehr großen Ausdehnung, sondern zunächst kleinräumig als geschlossene Schachtel betrachtet wird. In dieser Schachtel werden Maßnahmen umgesetzt, die zu einer Veränderung der in der Schachtel vorhandenen Feinstaubbelastung führen. Die zuvor vorhandene Feinstaubbelastung in der Schachtel ist bekannt und setzt sich aus den lokalen (in der Schachtel produzierten) Anteilen und aus den als Immissionen von außen eingebrachten Anteilen zusammen, die durch die Maßnahmen nicht beeinflusst werden und deshalb unverändert bleiben. Das entwickelte Berechnungsmodell basiert auf Emissionsfaktoren gemäß dem „Handbuch Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs 2.1“ des Umweltbundesamtes. Jedem Fahrzeugtyp (z. B. Leichtes Nutzfahrzeug, Diesel, Euro 3) wird ein bestimmter Emissionsfaktor [g/km] in Abhängigkeit von der Verkehrssituation (für die Innenstadt von Kassel wird die Verkehrssituation „innerorts, Stadtkern“ angenommen) zugewiesen. 

Das Berechnungsmodell lässt sich auf andere Stadtbereiche und auch auf andere Schadstoffe übertragen. Dazu müssen die Emissionsfaktoren entsprechend angepasst werden. Ab dem Jahr 2010 treten Grenzwerte für die Belastung mit Stickstoffoxiden (NOX) in Kraft. NOX wird zu einem Großteil vom Verkehr verursacht. Die künftigen Grenzwerte werden vielerorts nicht eingehalten, so dass künftig verkehrliche Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung mit NOX notwendig werden. Mit dem entwickelten Berechnungsmodell lassen sich die Auswirkungen verschiedener verkehrlicher Maßnahmen auch im Hinblick auf die NOX-Belastung bewerten.

Verkehrliche Maßnahmen zur Reduzierung von PM10-Belastungen sollten auf die beiden Ziele Erneuerung der Kraftfahrzeugflotte und Verkehrsvermeidung hinwirken. Es hat sich gezeigt, dass der Wirtschaftsverkehr einen bedeutenden Anteil an den Feinstaubemissionen hat. Die untersuchten Maßnahmen (insbesondere des Wirtschaftsverkehrs) haben z. T. deutliche positive Wirkungen auf die Feinstaubbelastung. Folgende, unabhängig voneinander durchführbare Maßnahmen sollten deshalb weiter verfolgt werden:

  • Einrichtung eines Fahrzeugpools mit neuesten Fahrzeugen für Unternehmen
  • Wiederbelebung einer umfassenden City-Logistik
  • Maßnahmen zur Verlagerung von Verkehren auf den Umweltverbund

Insbesondere für die erste und dritte Maßnahme wird möglicherweise die Einrichtung bzw. zumindest die „Androhung“ einer Umweltzone Voraussetzung sein, da diese Maßnahmen mit (leicht) höheren Kosten für Unternehmer und Privatleute verbunden sein dürften und kaum ohne Druck umgesetzt werden können.

 

Laufzeit:

2006 - 2008

Auftraggeber:

Zweckverband Raum Kassel (ZRK), http://www.zrk-kassel.de/