Finanzierung des ÖPNV auf Basis von alternativen Finanzierungsinstrumenten

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dominik Bieland M.Sc.
 

Bei der Tarifentwicklung sind aktuell zwei Grundtendenzen festzustellen. Einerseits werden die bisherigen Verbundtarife durch eine stärkere Entfernungsorientierung ergänzt und ausdifferenziert. Hierdurch können Preissprünge abgebaut, die Leistungsgerechtigkeit erhöht und die Preisbereitschaft der Kunden gezielter genutzt werden. Auf der anderen Seite werden durch neue Pauschalangebote insbesondere in Hessen sehr einfache Zugänge zum ÖPNV eröffnet, die keine weitere Leistungsdifferenzierung ermöglichen (z. B. hessenweites Schülerticket, hessenweites Jobticket für Landesbedienstete). Diese Pauschalangebote sind häufig für den Kunden sehr kostengünstig, so dass sich i. d. R. für die Verbünde bzw. Verkehrsunternehmen ein Erlösverlust ergibt.

Darüber hinaus wird in letzter Zeit häufig über neue Finanzierungsinstrumente diskutiert, bei denen über Drittnutzer bzw. Nutznießer des ÖPNV zusätzliche Mittel für den ÖPNV zur Verfügung gestellt werden können (ggf. unter der Voraussetzung eines geänderten Rechtsrahmens). Ein im politischen Bereich häufig genanntes Instrument ist dabei das so genannte „Bürgerticket“, bei dem der ÖPNV über Beiträge der Bewohner finanziert wird.

Ziel des Projekts war es, drei unterschiedliche Tarif- und Finanzierungsinstrumente festzulegen, die anschließend im Detail konzipiert und hinsichtlich wesentlicher Wirkungen bewertet werden. Folgende drei Finanzierungsinstrumente wurden untersucht:

-       eine hessenweite Jahreskarte („Pauschalticket“), die als kostengünstige Jahreskarte zum Preis von 365,- Euro zur uneingeschränkten Nutzung des ÖPNV in Hessen berechtigt (als Weiterentwicklung des hessenweiten Schülertickets),

-       ein Bürgerticket für Hessen als reines beitragsfinanziertes Produkt für alle Einwohner Hessens,

-       ein Basispreismodell analog zu RMVsmart50, bei dem der Basispreis entweder über Beiträge (analog Bürgerticket) oder aus dem Landeshaushalt finanziert wird. Wie beim Bürgerticket gilt das Basispreismodell für alle Einwohner Hessens.

Die Abschätzung der Wirkungen auf Fahrgastnachfrage und Erlöse erfolgte szenarienbasiert mit Hilfe grober makroskopischer Modellansätze. 

 

Laufzeit: 07/2018 bis 02/2019

Auftraggeber: Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH (RMV)