Qualitätsstufen im straßengebundenen ÖPNV

Dipl.-Ing. Oliver Eikenberg

 

Verkehrswege und Verkehrsanlagen, die darauf verkehrenden Fahrzeuge und die Leit- und Steuertechnik sind durch Wechselwirkungen eng miteinander verbunden. Ein Problem des straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs (Straßenbahnen und Busse) besteht in der gemeinsamen Nutzung von Verkehrswegen mit dem sonstigen Kraftfahrzeugverkehr. Aber auch auf Sonderfahrstreifen für den ÖPNV können bei hoher Nutzungsfrequenz Behinderungen zwischen den ÖV-Fahrzeugen auftreten, was ebenso wie die Behinderungen durch den sonstigen Kraftfahrzeugverkehr zu Störungen des Betriebsablaufs führt.

Während auf Mischverkehrsstrecken besonders die Interaktionen von ÖV-Fahrzeugen mit dem übrigen Kraftfahrzeugverkehr auf Strecken, an Lichtsignalanlagen sowie an Haltestellen (hier spielt auch die Haltestellenform eine bedeutende Rolle) maßgebend für die Qualität des straßengebundenen ÖPNV sind, spielen auf Sonderfahrstreifen die ÖV-Takte sowie die evtl. vorhandene Mitnutzung der Sonderfahrstreifen durch andere Verkehre (z.B. Taxis, Radfahrer) eine wesentliche Rolle.

Aufbauend auf der Systematik des Handbuchs für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen wurden in dem Forschungsprojekt die Bemessungsgrundlagen für die Qualitätsstufenbewertung überprüft und teilweise neu definiert. Es wurden ein aktuelles Qualitätsstufenkonzept für eine Bewertung erarbeitet und Qualitätskriterien für den Verkehrsablauf von Bussen definiert.

Die Qualitätskriterien für den Verkehrsablauf des straßengebundenen ÖPNV wurden mittels Verkehrsflusssimulationen definiert und überprüft. Zur Simulation des Verkehrsablaufes wurde das Simulationsmodell VISSIM (Verkehr In Städten SIMulation) der Firma PTV verwendet, welches ein mikroskopisches und verhaltensbasiertes Modell zur Nachbildung des innerstädtischen Verkehrsgeschehens darstellt.
Mit dem Simulationsmodell wurde jeweils eine 2-spurige und eine 4-spurige innerstädtische Hauptverkehrsstrecke mit darauf verkehrenden Buslinien simuliert. Bei den Simulationen wurden die Verkehrsabläufe bei verschiedenen Verkehrsstärken, Bustakten und Haltestellenformen (Busbucht oder Fahrbahnrandhaltestelle) untersucht.
Weiterhin wurde der Verkehrsablauf auf Sonderfahrstreifen an Bushaltestellen untersucht. Hierbei wurde unterschieden nach Haltestellen mit einer, zwei und drei Haltepositionen (ohne Überholmöglichkeit). Auch hier wurden verschiedene Bustakte und Haltestellenaufenthaltszeiten simuliert.

Abschließend wurde ein Textvorschlag für die Fortschreibung des Kapitels 9 des Handbuchs für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS) erarbeitet. Dieser soll für eine Aktualisierung des HBS auf eine Version 2007 verwendet werden.

 

Laufzeit:

01/2006 – 11/2007

Zuwendungsgeber:

FGSV (Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen), D-50996 Köln, Konrad-Adenauer-Str. 13, http://www.fgsv.de